Kreis Offenbach
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16. Oktober 2012

Dreieich: Ein Ort der Begegnung

 Von Jörg Echtler
Reich verziert ist das Innere der Moschee.  Foto: Chris Hartung

Die türkisch-muslimische Gemeinde eröffnet eine Moschee samt Vereinshaus in Sprendlingen. Die Feier ist einerseits hochoffiiell und feierlich, andererseits eine richtige Kirmes.

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Es ist geschafft. Stolz und Freude war in vielen Gesichtern zu lesen bei der türkisch-islamischen Gemeinde, die am Wochenende ihre neue Moschee samt Vereinshaus in Sprendlingen einweihte. Hochoffiziell und feierlich, mit Segensspruch, Fahnen und Nationalhymnen, aber auch locker und fröhlich.

Die Tische biegen sich unter herrlichen Kuchen, auf dem Grill duften Fleischspieße. Eine richtige Kirmes ist diese Feier – und ganz nach Art der ursprünglichen Kirchweihfeste liegen Frömmigkeit und Ausgelassenheit auch hier ganz eng beieinander.

Stolze Gesichter beim Festakt.
Stolze Gesichter beim Festakt.
Foto: Chris Hartung

Zwei Jahre hat der Bau des Zentrums in der Schlagfeldstraße gedauert und rund eine Million Euro gekostet. Die Summe kam durch Spenden ortsansässiger türkischer Firmen und Privatleuten zusammen, durch Sammlungen beim Freitagsgebet, und auch in anderen Moscheen des Dachverbandes Ditib wurde gesammelt. Die 210 Gemeindemitglieder haben überdies viel Eigenarbeit in das Projekt gesteckt. „Das Pflaster im Hof haben wir komplett selbst gelegt“, sagt Sefa Sahin, Vorsitzender der Gemeinde, die das Fest als Verein organisiert ist. Viele türkische Handwerker hätten unentgeltlich gearbeitet. Jahrelang hatte sich die Gemeinde in einer alten Fabrikhalle direkt nebenan getroffen. Nun gibt es viel mehr Platz.

Die repräsentative Moschee mit ihren bunten Ornamenten im Innern ist Anziehungspunkt für viele, die in umliegenden Firmen arbeiten. Insofern sei der Standort im Sprendlinger Gewerbegebiet gar nicht ungünstig, sagt Sahin.

Etwa 30 Prozent der Gebetsgäste sind nicht Mitglieder der Gemeinde. Auch Iraner, Palästinenser oder Eritreer kommen – Menschen, die unterschiedlichen Richtungen des Islam anhängen, Sunniten und Schiiten. Jeder Muslim habe das Recht, in der Moschee zu beten, betont Sahin. „Die Unterschiede bereichern unseren Glauben.“

Rund 750 Quadratmeter Nutzfläche stehen der Gemeinde nun zur Verfügung, in der Moschee im Innenhof und im Vereinshaus, das zur Straße hin liegt. Dort gibt es Räume für den Islam-Unterricht, den die Gemeinde für Kinder ab dem Lebensjahr wochentags anbietet. Auch eine Frauen- und eine Teenagergruppe sowie ein multinationaler Gesprächskreis werden sich dort treffen.

Darüber hinaus aber soll das Haus, so wünscht es sich der Vorsitzende, zur Stätte des interreligiösen Dialogs werden. „Wir sind ein Ort der Begegnung“. Bestehende Initiativen wie der Runde Tisch der Religionen und der Garten der Begegnung sollten fortgeführt und erweitert werden. Daran wolle sich die Gemeinde künftig noch aktiver beteiligen.

Wie gut das Miteinander bereits funktioniere, betont Bürgermeister Dieter Zimmer in seinem Grußwort. „Sie leisten seit über 20 Jahren einen wichtigen Beitrag für das Zusammenleben in unserer Stadt.“ Der klare Wille des Vereins, das Bauprojekt nur zusammen mit den Bürgern zu machen, habe dazu beigetragen, bestehende Ängste und Vorbehalte abzubauen. „Hier wird Gemeinschaft gelebt, darüber freue ich mich“, sagt Zimmer. Auch der türkische Generalkonsul Ilhan Saygili zeigt sich davon beeindruckt.

„Es ist Ihr Menschenrecht, in Deutschland auch eine religiöse Heimat zu finden“, sagt der katholische Pfarrer Erik Wehner, und spricht damit auch für die christlichen Nachbargemeinden. Fuat Kurt, der Vorsitzende des Ditib-Landesverbandes, wünscht sich, dass der offene und transparente Umgang miteinander weitergehen möge. „Unterstützen Sie die Arbeit dieser Gemeinde“, sagt er an die Adresse der nicht-muslimischen Gäste.

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