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Egelsbach: Narren stürmen den Flugplatz

Sie kommen dem US-amerikanischen Milliardär Warren Buffet zuvor: Die Karnevalisten nahmen den Flughafen am Sonntag mit großem Tamtam ein. Von Maurice Farrouh

An solche lokalen Traditionen wird sich Warren Buffett wohl gewöhnen müssen.
An solche lokalen Traditionen wird sich Warren Buffett wohl gewöhnen müssen.
Foto: Schick/FR

Warren Buffett wird sich wundern. Wenn der amerikanische Multimilliardär tatsächlich den Egelsbacher Flugplatz kaufen sollte, dann wird er - oder zumindest seine Mitarbeiter - schnell mit einer besonderen lokalen Tradition Bekanntschaft machen. Die dürfte für den US-Unternehmer einigermaßen fremd wirken, vielleicht sogar feindselig. Dabei planen die Karnevalisten - bei ihrem jährlichen Sturm auf den Flugplatz - gar nicht Angst und Schrecken zu verbreiten.

Bevor der neue Besitzer mit seiner Firma Netjets Europe das Gelände am Egelsbacher Stadtrand bezieht, durften am Sonntag noch einmal Flughafen-Chef Peter Lehmann und Landrat Peter Walter (CDU) versuchen, den Ansturm der Narren zurück zu schlagen. Die Anführer des Aufstands, Prinz Burkhard und Prinzessin Erna, demonstrieren schon bei der Ankunft rebellischen Geist und parken ihre staatsmännische Limousine demonstrativ im Halteverbot. Indessen hat sich der johlende Mob vor dem Tower des kleinen Flughafengebäudes versammelt und mächtige Kanonen in Stellung gebracht.

Bunt kostümierte Gestalten recken ihre Waffen gen Kommandozentrale und fordern die Kapitulation. Mit ohrenbetäubenden Schlägen donnern die Kanonen los. Der heftige Schneeschauer, der in diesem Moment einsetzt, lässt den entschlossenen Ansturm der Menge nur noch heftiger werden. Schnell erkennen die Eingeschlossenen die Ausweglosigkeit ihrer Situation und hissen die weiße Fahne.

Kanonen und Kriegsbemalung

Das Spektakel hat bei den Investoren aus Übersee seine Wirkung nicht verfehlt, mutmaßen überzeugte Karnevalisten. Dass der geplante Kauf des Geländes und der damit verbundene Ausbau in der Region auch auf Kritik stoßen, das war Netjets ja schon bekannt. Aber dass die Einheimischen gleich mit Kriegsbemalung und bis an die Zähne bewaffnet anrücken würden, dass hat dann wohl doch niemand erwartet. Noch während auf dem Flugplatz die Kanonen donnern, trifft eine Pressemitteilung von Netjets Europe ein. Ob die Attacke der Narren der Anlass dafür war, ist ungewiss.

Es habe eine Einigung mit den Gesellschaftern auf eine Reihe von Maßnahmen gegeben, durch welche die Bedürfnisse der angrenzenden Gemeinden berücksichtigt werden sollen. Derzeitige Beschränkungen des Flugverkehrs blieben intakt, außerdem würden die Betriebszeiten des Flughafens beibehalten und Linienflüge sowie Flüge mit größeren Verkehrsflugzeugen verboten. Außerdem soll ein Flughafenbeirat mit Gemeindevertretern gegründet werden.

Donnerwetter! Wenn die Narren richtig mutmaßen, dann muss davon ausgegangen werden, dass niemand bei Netjets weiß, dass sich die Karnevalisten für gewöhnlich schon mit etwas Suppe, Getränken und Musik besänftigen lassen.

Autor:  MAURICE FARROUH
Datum:  2 | 2 | 2009
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