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09. April 2013

Flughafen Frankfurt Fluglärm: „Das Ohr schläft nie“

 Von Andreas Hartmann
Nächtlicher Anflug auf die Nordwestbahn.  Foto: Michael Schick

Der Epidemiologe Eberhard Greiser stellt seine neue Studie über Erkrankungen durch nächtlichen Fluglärm vor. Die Erkenntnisse daraus gleichen einem Horrorszenario.

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Es ist eine brisante Studie, die der Epidemiologe und Fluglärmexperte Eberhard Greiser in diesen Tagen in der Fachzeitschrift „Das Gesundheitswesen“ im Thieme-Verlag Stuttgart veröffentlicht und gestern auf Einladung der Stadt Neu-Isenburg im Bürgerhaus Zeppelinheim vorgestellt hat.

Wenn sie zutrifft, dann bezahlen die Anwohner des Frankfurter Flughafens die nächtlichen Flüge mit dem höchsten Preis: ihrem Leben und ihrer Gesundheit. Bis 2021 werde es hier als Folge nächtlichen Fluglärms 3400 vorzeitige Todesfälle und zusätzliche Krankheitskosten von 1,6 Milliarden Euro geben, so seine Schätzung. „1,6 Milliarden erscheinen in Zeiten der Eurorettung vielleicht nicht mehr viel, aber was man damit alles im Gesundheitswesen machen könnte“, seufzt der emeritierte Medizinprofessor.

„Bedrückende Zahlen“

„Die Zahlen sind bedrückend. Sie bestätigen aber unsere langjährige Forderung nach einem Nachtflugverbot“, sagt Neu-Isenburgs Bürgermeister Herbert Hunckel (parteilos). Das Thema, das Greiser gemeinsam mit seinem Kollegen Gerd Glaeske erforscht hat: „Prognose der Krankheitskosten und Erkrankungen durch nächtlichen Fluglärm im Umfeld des Flughafens Frankfurt“.

Der Ort der Präsentation ist für die Vorstellung plakativ gewählt, im Minutentakt donnern die startenden Maschinen über den Stadtteil. Die Studie, darauf legt Greiser Wert, sei ohne Auftrag einer der vom Fluglärm betroffenen Kommunen oder anderer Betroffener entstanden. „Es gibt noch Wissenschaftler, die aus eigenem Antrieb forschen“, sagt er. „Ich wollte kein Gutachten schreiben, sondern bewusst in einer Fachzeitschrift veröffentlichen, weil dort alle Studien noch einmal von unabhängigen externen Wissenschaftlern geprüft werden.“

Greiser wagt einen Blick in die Zukunft, und das sei „relativ kompliziert“: Mit Hilfe von Statistiken versucht er hochzurechnen, wie sich bei Männern und Frauen über 40 die Erkrankungsrisiken bei Herz-Kreislauf-Problemen, Krebs, Diabetes und Alzheimer entwickeln werden und wie hoch die daraus resultierenden Kosten im von Fluglärm betroffenen Gegenden des Rhein-Main-Gebiets bis 2021 sind. Bei Lärm werden Stresshormone ausgeschüttet, die den Körper belasten. „Das Ohr schläft nie“, sagt Greiser.

Für ihre Untersuchung nutzten Glaeske und er eine umfangreiche Studie, die im Umfeld des Köln-Bonner Flughafens entstand und die Daten von einer Million Krankenversicherten nutzt. Die Studie zeigte, dass Fluglärm zwischen 23 und 1 Uhr nachts offenbar besonders belastet und das Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall in die Höhe treibt. Exakt vergleichbar sind die beiden Flughäfen aber nicht, das räumt auch Greiser ein.

Vergleich mit Köln-Bonn

In Köln-Bonn gibt es kein Nachtflugverbot, allein zwischen 23 und 1 Uhr nachts flogen dort 2004 in den sechs verkehrsreichsten Monaten im Durchschnitt 38 Frachtmaschinen. Allerdings gibt es auch am Frankfurter Flughafen viele Ausnahmegenehmigungen, „und morgens um 5 Uhr schlafen weit mehr als 90 Prozent der Menschen noch“, zitiert Greiser eine Frankfurter Belästigungsstudie.

„Nächtliche Ausnahmen sind besonders absurd“, ärgert sich Greiser. „Letzte Woche gab es starken Wind, da durften 18 Flüge nach 23 Uhr starten – und zwar zwischen 0.31 und 1.31 Uhr. Das ist nach geltendem Recht absolut verboten! Aber such is life, oder such is lobby.“ Also, so ist das Leben – oder eben die Flughafen-Lobby.

Für die aktuelle Untersuchung wurde der Frankfurter Flugplan von 2005 herangezogen – das heißt, die neue Nordwestlandebahn fehlt noch. „Man muss deshalb annehmen, dass die in Zukunft entstehenden Krankheitskosten unter Umständen weit über unseren Prognosezahlen liegen“, sagt Greiser.

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