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15. März 2013

Giftköder: Die Hundehasser, das Gift und die Angst

 Von Oliver Heil
Augen auf beim Gassigehen.  Foto: dpa

Meldungen über Giftköder verbreiten sich rasend in den sozialen Netzwerken. Bei der Polizei ist aber erst ein einziger Fall angezeigt.

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Es geht im Moment Schlag auf Schlag: Zerkleinerte Rasierklingen in Fleischwurststücken bei Rodgau-Jügesheim, als Leckerli getarnte Giftköder rund um den Dietzenbacher Hexenberg, Rattengift im Feld südlich von Dreieichenhain. Alles Meldungen aus den letzten zehn Tagen. In den sozialen Netzwerken kursieren Gerüchte über weitere Fälle aus Langen, Egelsbach und Urberach.

Trotzdem warnt die Polizei Hundehalter vor Panik – die sich tatsächlich im Moment unter Herrchen und Frauchen im Kreis breitzumachen scheint. Was in der Schule die Amokdrohung sei, sei im Feld der Hundehasser, versucht ein Polizeisprecher vorsichtig zu erklären, warum Ketten-Mails und Facebook-Gruppen nicht nur helfen, sondern auch schaden können.

Tatsächlich sind die Fälle unterschiedlich gut belegt. Auf Facebook heißt es etwa an einer Stelle, das Tierheim Dreieich hätte Fälle aus Langen und Egelsbach bestätigt. Dort weiß man aber nur von dem Vorfall aus Dreieichenhain und warnt alle Gassigänger mit Handzetteln.

In Jügesheim fand eine Frau den perfiden Köder am Waldrand in der Nähe des Fußballplatzes. Ihr Hund hatte Glück, dass sie das Wurststückchen rechtzeitig entdeckte, die Frau brachte den Köder zur Polizei und erstattete Anzeige gegen unbekannt. Das ist allerdings der einzige Fall, der bislang bei der Polizei aktenkundig ist. In Dreieichenhain ist zwar die Vergiftung mit Rattengift vom Veterinär bestätigt, aber hier weiß die Polizei noch nicht mal, ob es einen Köder gab.

Zuerst die Polizei informieren

Vom Hexenberg berichtet Tierarzt Christian von Schöppenthau, er habe vier vergiftete Hunde innerhalb kurzer Zeit auf dem Tisch gehabt, alle vier hätten sehr wahrscheinlich Rattengift gefressen, alle vier konnte er retten. In dieser Woche seien allerdings keine neuen Fälle aufgetaucht.

Laut Polizei haben haben auch die Dietzenbacher Hundebesitzer keine Anzeige erstattet, deswegen konnten keine Köder gesichert werden. Christian von Schöppenthau ist sich aber relativ sicher, dass die von ihm behandelten Tiere Köder gefressen hatten. „Aus dem, was ich im Mageninhalt gefunden habe, kann ich das schließen“, berichtet er. „Da waren Fleischstücke und in denen waren giftige Substanzen.“

Doch auch Schöppenthau warnt vor Panik: „Man darf diese Angriffe auf schutzlose Lebewesen nicht bagatellisieren, aber wie viele Fälle es tatsächlich gegeben hat, entzieht sich unserer Kenntnis.“ Er meint damit auch: wie viele bestätigte Fälle es gibt im Vergleich zu den unzähligen Geschichten, die im Umlauf sind.

Polizeisprecher Henry Faltin geht das Risiko ein, von Hundefreunden als gefühllos betrachtet zu werden. Er ist Polizist und er muss die Dinge nüchtern und sachlich betrachten. „Fakt ist“, sagt er deshalb, „dass nach unseren Informationen erst ein Köder gefunden wurde und dass bei uns erst eine Anzeige eingegangen ist.“ Faltin weiß, wie heikel die Sache ist, über die er da sprechen muss. „Es besteht bei so emotionalen Fällen immer die Gefahr, dass wir uns wegen einer Scheingefahr zerreiben.“ Damit meint er die Polizei genauso wie die Hundebesitzer.

„So ein Hund kennt viele Wege, um was zu fressen, was er nicht fressen sollte.“ Deswegen müsse aber nicht immer gleich ein Hundehasser seine Finger im Spiel haben. Jetzt solle aber keiner glauben, die Polizei interessiere sich nicht für Hundehasser. Im Gegenteil. Gerade deshalb habe sie aber ein Interesse daran, dass Menschen zuerst die Polizei alarmierten, wenn sie Giftköder finden, und nicht in den Medien und den sozialen Netzwerken Alarm schlagen.

Faltin bittet Hundehalter, die einen Köder bemerken, die 110 anzurufen, am Fundort zu bleiben und auf die Polizei zu warten. Nur so könne ermittelt werden. Um ganze Feldgemarkungen auf Verdacht nach Gift abzusuchen, fehlten der Polizei einfach die Ressourcen.

Allgemein und auch unabhängig von Hundehasser-Angst gelte natürlich die Empfehlung an alle Hundehalter, aufzupassen was der Hund frisst und die Tiere stets angeleint zu lassen.

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