Die neue Suchtbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), hält nichts davon, wenn 14- oder 15-Jährige sozusagen undercover eingesetzt werden, um zu testen, ob ihnen Alkohol verkauft wird. Diese Aufgabe solle man lieber Leuten, die mindestens 18 seien, aber jünger aussähen, übertragen.
Dyckmans hat auch kein Problem damit, dass DFB-Manager Oliver Bierhoff und andere Fußballer für Bier Werbung machen. Wenn es um alkoholfreies Bier gehe, sei das in Ordnung, sagte Dyckmans der Frankfurter Rundschau.
Die Zahl der 10- bis 20-Jährigen, die wegen Alkoholmissbrauchs in Krankenhäusern landen, hat sich 2008 mit 20.000 Jugendlichen im Vergleich zu 2000 verdoppelt. Nach Auskunft des Kreises gaben 2005 rund 20 Prozent der Jugendlichen an, sie hätten schon mal fünf oder mehr alkoholische Getränke hintereinander runtergekippt, 2008 waren es schon 26 Prozent. (aim)
Viele Teenager sind sich aber nicht bewusst, dass auf der Flasche ganz klein "alkoholfrei" steht. Die jungen Leute haben das Gefühl, dass die Vorbilder auch trinken. "Zur guten Stimmung gehört Alkohol, das ist eine Botschaft, die im Kopf bleibt", sagt der Diplom-Pädagoge Rainer Ummenhofer von der Fachstelle für Suchtprävention Wildhof im Kreis Offenbach. Die Schattenseiten des Alkoholmissbrauchs und der Sucht sind oft kaputte Familien und eine zerstörte Gesundheit.
Für die Fachleute der Suchtberatungsstelle ist es deshalb wichtig, Teenager so früh wie möglich auf die Folgen von Flatrate-Partys oder des Koma-Saufens hinzuweisen. "Wir dürfen den Jugendlichen dabei nicht mit erhobenem Zeigefinger von oben begegnen", sagt der Sozialdezernent des Kreises Offenbach, Carsten Müller (SPD). Er findet es besser, wenn die Schüler sich selbst mit den Gefahren des Alkoholmissbrauchs auseinandersetzen und Erkenntnisse gewinnen.
Das haben jetzt 14- und 15-Jährige der Ricarda-Huch-Schule in Sprendlingen und des Friedrich-Ebert-Gymnasiums (Mühlheim) gemacht. Die Jugendlichen haben sich mit der Alkohol-Werbung beschäftigt und Plakate gegen den Alkoholmissbrauch entworfen.
Die 60 Werke wurden während der Aktionswoche "Kenn Dein Limit" des Suchthilfezentrums Wildhof im Isenburg-Zentrum ausgestellt und von den Kunden bewertet. Die ersten Preise (Besuch eines Kletterparks und Kunstmaterialien) bekamen Katharina Leichtling, Marcel Trompeter und Claudius Bartel (beide Klasse 9e der Ricarda-Huch-Schule, RHS), Anika Antonella Auerswald, Tanja Buchholz, Nathalie Krätsch und Sabrina Schmied (Klasse 9a der RHS), Sophie Allain und Laurau Maria Kulcke-de Beauclair (Klasse 8a, RHS) sowie Lisa Rebell (Klasse 8c, Gymnasium Mühlheim).

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