Die Stadt Langen unternimmt neue Versuche, ihre Gewerbebrachen zu entwickeln und so neue Unternehmen in die Stadt zu locken. Frische Ideen sollen aus der gewaltigen Fläche nördlich des Monzaparks an der Pittlerstraße und dem Brachland rund um die Kinderfarm an der Nordumgehung attraktives Bauland machen. Davon versprechen sich die Stadtoberen nicht nur neue Arbeitsplätze, sondern vor allem Einnahmen aus Einkommens- und Gewerbesteuer.
Die sind dringend nötig. Denn durch die immer schlechtere Haushaltslage steht Langen unter Druck. Noch vor wenigen Jahren sprudelten die Gewerbesteuereinnahmen, die Stadt stand im Vergleich zu den meisten Kommunen im Kreis gut da. Doch mittlerweile sieht das anders aus. Die Einnahmen aus der Gewerbesteuer sind drastisch eingebrochen. Noch vor wenigen Jahren gönnte sich die Stadt eine schicke neue Stadthalle mit Hallenbad. Heute sind solche Vorzeigeprojekte undenkbar. Erst in dieser Woche ließ die Stadt den Umbau der Bahnstraße – seit vielen Jahren diskutiert und mit großem Aufwand geplant – aus Geldknappheit zu weiten Teilen fallen.
„Es kann so nicht weitergehen“, sagt Bürgermeister Frieder Gebhardt (SPD) mit Blick auf den seit Jahren anhaltenden Stillstand bei der Entwicklung der großen Gewerbebrachen im Norden der Stadt. Das Problem bei dem Gelände nördlich des Monzaparks sind sowohl die Größe als auch die Eigentumsverhältnisse. Die 50000 Quadratmeter sind Teil einer Insolvenzmasse. Die Gläubiger, darunter die Landesbank Hessen-Thüringen, wollen die Fläche nur komplett verkaufen. Der Verkehrswert liegt laut Gutachten bei 8,3 Millionen Euro.
Bisherige Versuche einer Zwangsversteigerung, zuletzt im Januar, scheiterten. Das gesetzliche Mindestgebot von der Hälfte des Verkehrswerts liegt bei rund 4,1 Millionen. Ein im Januar abgegebenes Gebot von einer halben Million Euro war damit ungültig. Im Sommer soll es einen weiteren Termin geben.
Die Stadt will die Zukunft des Areals nun aber selbst in die Hand nehmen. Ein Projektträger soll das Gelände im Auftrag der Stadt kaufen und entwickeln. Die Fläche würde in kleinere Tranchen geteilt und vermarktet. „Wir brauchen einen Durchlauferhitzer, damit dort endlich etwas vorankommt“, sagt Gebhardt.
Denn dass sich das Gelände als Ganzes verkaufen lässt, hält der Verwaltungschef für ausgeschlossen. Nachfrage für Flächen solcher Dimension gebe es allenfalls bei Speditionen und großflächigem Einzelhandel. Beide Branchen kämen aber nicht infrage: Logistik wegen des hohen Verkehrsaufkommens und dem fehlenden Autobahnanschluss, Einzelhandel schließen Flächennutzungs- und Bebauungsplan aus.
Für die Stadt seien Erwerb und Entwicklung des Geländes zu aufwendig und teuer. Auch für private Investoren sei diese Aufgabe wenig attraktiv – zumal der Boden auch noch von Altlasten aus der Fensterproduktion der namensgebenden Firma Monza befreit werden müsse. Die Übertragung an eine Projektentwicklungsgesellschaft sei die beste Lösung, sagt Gebhardt.
Doch sie birgt Risiken: Denn falls sich nicht für alle Parzellen Käufer finden, bleibt nicht etwa der Projektentwickler auf den Kosten sitzen, sondern die Stadt. „Am Ende der Vertragslaufzeit von mindestens zehn Jahren müsste die Stadt nicht veräußerte Grundstücke erwerben“, sagt Gebhardt. Der Kaufpreis müsste dabei mindestens die Kosten des Trägers decken.
Der Bürgermeister ist aber zuversichtlich, dass es nicht so weit kommt. Büro-, Gewerbe- und Produktionsflächen seien in dem Gebiet begehrt. „Das lässt sich durch zahlreiche Nachfragen unserer Wirtschaftsförderung belegen.“ Am liebsten hätte der Magistrat weitere Technikfirmen wie das benachbarte Unternehmen Fujitsu, das 2004 seine Europazentrale mit mehr als 200 Arbeitsplätzen von Dreieich-Buchschlag nach Langen verlegt hat.
Bei dem anderen geplanten Gewerbegebiet für Büro und Handwerk an der Nordumgehung besitzt die Stadt die 3,7 Hektar große Fläche bereits. Nur finden sich keine Interessenten. Um das zu ändern, will der Magistrat eine Erschließungsstraße bauen. Sie würde von der Hans-Kreiling-Allee abknicken und parallel zur Elisabeth-Seibert-Allee verlaufen.
Die Kinder- und Jugendfarm müsste weichen. „Es war immer klar, dass die Juki-Farm nur eine Zwischennutzung ist“, sagt Fachdienstleiter Carsten Weise. Möglicherweise lasse sich ein alternativer Standort finden. Die Straße soll rund 800000 Euro kosten und erst gebaut werden, wenn die vorderen Grundstücke an der Seibert-Allee vermarktet sind.
Der Bauausschuss berät über die Pläne am 29. Februar. Die Stadtverordnetenversammlung soll am 22. März darüber entscheiden.

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