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08. März 2012

Legionellen in Neu-Isenburg: Gefährliche Keime aus dem Duschkopf

 Von Maurice Farrouh
Die Bewohner des Hauses wurden erst vergangene Woche von der Hausverwaltung informiert. Foto: Monika Müller

In einem Wohnblock in Gravenbruch bei Frankfurt hat es eine Legionellen-Infektion gegeben. Ob auch Gefahr für die übrigen Bewohner des Hochhauses mit 85 Wohnungen in der Stieglitzstraße besteht, ist zurzeit unklar.

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Die Hausverwaltung hatte sich offenbar zunächst nicht um den Fall gekümmert, auf den das Gesundheitsamt des Kreises sie bereits im Januar hingewiesen hatte.

Erst Mitte vergangener Woche wurden die Bewohner darüber informiert, dass eine mögliche Infektionsgefahr besteht. Legionellen sind bakterielle Erreger, die beim Duschen in die Lunge gelangen und eine Erkrankung auslösen können. Folge kann eine schwere Lungenentzündung sein, die tödlich enden kann. In dem Schreiben der Hausverwaltung werden die Bewohner aufgefordert, „in den nächsten Tagen unbedingt auf das Duschen und Baden“ zu verzichten. Zudem solle Leitungswasser vor dem Verzehr abgekocht werden.

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Zu diesem Zeitpunkt hätte die Hausverwaltung – die Firma Vitus Immobilien mit Sitz in Berlin – allerdings schon längst aktiv werden müssen. „Die Hausverwaltung war verpflichtet, uns bis 24. Februar weitere Analysen vorzulegen“, sagt Hygieneinspektor Klaus Funk von der Gesundheitsaufsicht.

Legionellen bereits im Januar entdeckt

Die Behörde hatte zuvor bei eigenen Tests infolge des Krankheitsfalls im Januar Legionellen sowohl im Duschkopf der betreffenden Wohnung als auch in der Leitung gefunden. Doch die Hausverwaltung hat bis heute nichts vorgelegt und offenbar auch bis vergangene Woche nichts unternommen – sonst wären die Bewohner nicht erst einen Monat nach dem ersten Hinweis der Gesundheitsaufsicht informiert worden. Das Unternehmen war am Mittwoch bis Redaktionsschluss zu keiner Auskunft in der Lage. Der Tipp mit dem Abkochen des Trinkwassers ist laut Funk indessen „völliger Quatsch“. Gefährlich seien allein die Aerosole, die beim Duschen mit der Brause entstehen.

Jetzt hat die Gesundheitsaufsicht das Unternehmen erneut zum Handeln aufgefordert und mit Strafandrohung eine Frist bis 26. März gesetzt. Bis dahin muss eine umfassende Gefährdungsanalyse vorliegen. Außerdem muss der Verwalter nachweisen, dass die Trinkwasseranlagen des Hauses auf dem aktuellen Stand der Technik sind.

Für die Bewohner dürfte das kaum ein Trost sein. Der Versuch einer thermischen Desinfektion – also des Abtötens der Erreger durch Erhitzen des kompletten Wassersystems im Haus – ist nach Darstellung der Hausverwaltung gescheitert, weil nicht überall die erforderliche Temperatur erreicht werden konnte.

Hygieniker Funk überrascht das nicht. „Dazu muss in jeder Wohnung an jedem Ventil das heiße Wasser aufgedreht werden. Ich weiß nicht, wann die Hausverwaltung das gemacht haben will.“ Es sei zudem nicht sicher, ob das Verfahren überhaupt zum Erfolg führe. Eventuell müsse die Trinkwasseranlage saniert werden. Das habe dann Bauarbeiten von mehr als einem Monat zur Folge.

Auch wenn der erste Fall bereits fast zwei Monate zurückliegt, heißt das nicht, dass es kein Infektionsrisiko mehr gibt. Funk: „Oft wird die Krankheit für eine gewöhnliche Lungenentzündung gehalten.“ Von diesen Fällen bekommen dann auch die Gesundheitsämter nichts mit. Es sei also nicht einmal sicher, dass es seitdem keinen Fall mehr in dem Haus gegeben hat. „Die Dunkelziffer bei Legionellen ist sehr hoch.“

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