Es ist scheinbar still geworden auf Deutschlands größtem Verkehrslandeplatz, seitdem Europas größter Business-Jet-Betreiber vor zwei Jahren unter viel Protest von Anwohnern auf dem Flugplatz Egelsbach gelandet ist. Nur außerhalb des „Airpörtchens“ und da vor allem in Egelsbach, Erzhausen und der Stadt Rödermark ist es laut. In Urberach und Ober-Roden klagen vermehrt Bürger über den Lärm der tief fliegenden Jets und Propellermaschinen und fordern eine andere Flugroute. Und was bewegt sich auf dem Flugplatz in der kleinen Gemeinde im Süden des Kreises Offenbach? Bisher hat sich in den Hallen, dem Empfangsgebäude und auf dem Rollfeld wenig verändert, bisher gibt es kaum Anzeichen für die große Zukunftsvision eines modernen Business-Flugplatzes Egelsbach, die der neue Mehrheitseigentümer Netjets schon bei der Übernahme im März 2009 projizierte.
Doch im Hintergrund laufen bereits die Vorbereitung für den Start in die neue Ära des Verkehrslandeplatzes. „Wir haben beim Regierungspräsidium eine Vorprüfung beantragt“, sagt Nina Lamprecht, Sprecherin der Hessische Flugplatz-Gesellschaft (HFG). Drei Buchstaben stehen für Netjets und die Betreiberin HFG für das Abheben in eine ökonomisch bessere Zukunft des zuletzt verschuldeten Flugplatzes. ILS – das Instrumentenlandesystem ermöglicht den Piloten mit Hilfe von Leitstrahl und Gleitpfad sozusagen bei jedem Wetter anzukommen. „Das ILS bringt mehr Sicherheit“, betont Sprecherin Lamprecht. „Das ILS sorgt für mehr Jets und mehr Lärm“, kritisieren die Mitglieder der Bürgerinitiativen und andere Anwohner in den Nachbarkommunen. Das Gemeindeparlament von Egelsbach hat bereits einen Beschluss gegen die Expansion gefasst.
Von einem Ausbau des Flugplatzes will Nina Lamprecht nicht sprechen. Sie verweist auf die mit Netjets vertraglich vereinbarte Deckelung der Flugbewegungen von 100000 pro Jahr. Das Geschäftsmodell von Netjets – das zum Konzern des US-Milliardärs Warren Buffett gehörende Unternehmen (Berkshire Hathaway) verkauft Anteile an Geschäftsreiseflugzeugen – sehe nicht vor, die Zahl der Starts und Landungen hoch zu schrauben. Und Netjets will die Bürger nachts schlafen lassen. Netjets hat den Anwohnern mitgeteilt, dass es nachts keine Slots geben soll und die geltenden Betriebszeiten des Flugplatzes von 7 bis 21 Uhr auch nicht ausgeweitet werden.
Wenn das instrumentengestützte Landesystem den Piloten der Manager aus Leipzig, Berlin, London oder Paris elektronisch den sicheren Weg auf die Piste ins kleine Egelsbach ebnet, muss die derzeit 1400 Meter lange Rollbahn in Richtung Westen verlängert werden. Daran arbeite die HFG. „Die Bahn wird aber nur verschoben“, sagt Nina Lamprecht. Der östliche an der viel befahrenen Bahnstrecke gelegene Teil des Asphaltbandes sei wegen der Nähe der Zug-Oberleitungen nicht zu nutzen. Auf die Frage, ob dieser überflüssige Teil der Bahn später renaturiert werde, antwortet die Sprecherin mit Nein.
Sollten eines Tages mehr Jets auf einer 1700 Meter-Bahn landen, will die Flugplatz-Gesellschaft auch einen größeren Tower auf dem Vorfeld errichten und das Empfangsgebäude modernisieren, damit Promis, Firmenbosse und andere Fluggäste aus aller Welt in Egelsbach nicht länger den Charme der 70er Jahre ertragen müssen.
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