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14. September 2015

Mühlheim: Gute Fee für Kauz und Fuchs

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Was gibt es denn da Leckeres? Gudrun Feser-Pfeifer füttert einige ihrer Ziegen.  Foto: Monika Müller

Gudrun Feser-Pfeifer hat ein Biotop für Tiere und Pflanzen geschaffen. Das Areal umfasst zusammen mit den benachbarten Wiesenflächen, die Feser-Pfeifer zum Heuen nutzt, rund 2600 Quadratmeter.

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Der schlichte, hohe Zaun und das schmale Grundstück, das er eingrenzt, wirken auf den ersten Blick ganz unauffällig. Etwas ungewöhnlicher ist da schon die kleine Ziegenherde, die dort in der Sonne unter den Obstbäumen döst. Tritt der Besucher durch das Tor, ist er in einer fast märchenhaften Welt, in der eine zierliche Fee mit strahlend grünen Augen eine Heimstatt für wilde und zahme Tiere geschaffen hat. Dort grüßt ein Steinkauz leise vom Baum, Fasane hudern ihren Nachwuchs in den Hecken und ein Fuchs, der von der Fee verarztet wurde, pflegt gelegentlich in einer Hundehütte zu schlafen.

Die Herrin über dieses kleine Reich an der Rodau in Mühlheim würde gegen „märchenhaft“ sicher protestieren: Gudrun Feser-Pfeifer, engagierte Natur- und Tierschützerin, hat ihr Biotop „Rote Erde“ lange Jahre aufgebaut. „Angefangen habe ich mit Nistkästen für Vögel“, erzählt sie. „Das war, nachdem eine Haubenmeise in der Wasserpumpe genistet hatte.“ Sie ließ das Nest, wo es war, baute einen Regenschutz darüber und beschloss, andere Brutmöglichkeiten in dem Familiengarten zur Verfügung zu stellen. Das ist 25 Jahre her. Vor allem, nachdem die Offenbacherin wegen einer schweren Erkrankung in Frührente gehen musste, kamen andere Tiere hinzu.

Nistkästen an den Bäumen

Neben den Ziegen, deren Anführerin Melinda stolze 20 Jahre alt ist, leben auch Molli und Wolli, zwei schwarze Zwergschafe, auf dem Areal. Das umfasst zusammen mit den benachbarten Wiesenflächen, die Feser-Pfeifer zum Heuen nutzt, rund 2600 Quadratmeter. An den rund 70 Obstbäumen hängen Nistkästen und die Steinkauz-Brutröhren, in denen Käuzchen Kurt seit zehn Jahren seine Jungen großzieht. Fledermauskästen sind hier zu finden, nebendran wohnt eine Haselmaus, und im Gras, das von den Ziegen und Schafen kurz gehalten wird, stehen Insektenhäuser, Hummelburgen und Hornissenkästen.

„Tiere haben mich schon mein ganzes Leben begleitet“, erzählt die 66-Jährige. Angefangen mit ihrem Jagdhund, als sie als Tochter eines Jägers schon als 10-jährige Hundeführerin bei Jagden dabei war. Später kamen Pferde und das Jagdreiten dazu. Heute ist die Tierschützerin gegen die Jagd. „Ich würde gerne meinen Grund zur jagdfreien Zone erklären lassen“, sagt sie kämpferisch.

Als sie mit der Tierhaltung im Biotop begann, bekam die ehemalige Tierarzthelferin, die auch Tierheilpraktikerin ist, immer wieder kranke Wild- und Haustiere gebracht. „Zeitweise hatte ich 14 Katzen hier“, erinnert sie sich.

Viel Zeit verbringt Feser-Pfeifer, die für ihr Engagement auch schon ausgezeichnet wurde, mit der Pflege ihrer Tiere. Die Ziegen haben einen Stall mit Veranda, der bei schlechtem Wetter und im Winter Schutz bietet. Molli und Wolli nennen zwei Behausungen ihr eigen. „Die Ziegen und Schafe können sich frei bewegen und jederzeit in ihre Unterstände gehen“, sagt Feser-Pfeifer. Die Köddel entsorgt sie täglich und kompostiert sie. „Die Ziegen kriegen außerdem alles kaputt, da muss ständig etwas repariert werden.“

Kräuter, Wildstauden und Beeren

Zur Heuwiese hin ist das Grundstück von einer dichten Wildsträucherhecke umschlossen und auch auf dem Grundstück wachsen Kräuter, Wildstauden und Beeren. Eine Trockensteinmauer bietet Unterschlupf für Eidechsen, Molche und Kröten. Und in den hohen Bäumen ganz am Ende des Areals hängen große Eulenkästen. „Gestern sah ich einen Uhu abstreichen“, sagt Feser-Pfeifer zufrieden.

Die Pflege des Biotops und seiner Bewohner verlangen der zierlichen Frau viel ab. Insbesondere, nachdem sie einen Unfall hatte, an dessen Folgen sie heute noch leidet. „Wenn ich die Tiere nicht gehabt hätte, hätte ich aufgegeben“, glaubt sie. Trotz dieser Schwierigkeiten erntet die Frau zentnerweise Obst – Äpfel, Zwetschen, Aprikosen und Renekloden – bessert Zäune und Unterstände aus und hält das Grundstück tipptopp in Schuss.

Am Abend, erzählt sie, sitze sie oft vor der Heuhütte und schaue den Fledermäusen beim Jagen zu. Und auch Kurt, dem Steinkauz, der im Gras stöbert, und dabei „bis zu zwei Meter an mich herankommt“. Wie viel Glück ihr Engagement ihr verschafft, merkt man ihr an. Über ihre Tiere sagt sie: „Was man liebt, das lässt man frei.“ Und für ihre Zukunft wünscht sich die Fee in Gummistiefeln: „Ich will 120 Jahre alt werden!“

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