Wer vor dem Bürgerbüro ein Taxi mit laufendem Motor warten sieht, kann davon ausgehen, dass auf einem der Kundenplätze gerade höchste Hektik und Herzrasen herrschen: Fluggäste vom Frankfurter Flughafen versuchen gerade, hier noch schnell einen vorläufigen Reisepass zu erhalten.
Immer häufiger wird die Anlaufstelle in Neu-Isenburg von der Passkontrolle am Flughafen als letzter Rettungsanker für Reisende empfohlen: Wer erst beim Einchecken bemerkt, dass der Ausweis abgelaufen ist, bekommt hier noch eine reale Chance auf ein gültiges Papier. Die gute Verbindung in die Nachbarstadt und die ausgedehnten Öffnungszeiten des Bürgeramtes sind Vorteile, mit denen die Einrichtung nicht nur bei dieser Zielgruppe punkten kann.
„Wir sind jetzt nicht der große Dienstleister für den Flughafen“, sagt Carsten Wagner, Mitarbeiter im Bürgeramt. Aber es seien schon gut 100 Leute im Jahr, die hier zum Passverlängern vom Flughafen ankommen. Montags bis freitags von 7 bis 18 Uhr und samstags von 9 bis 12 Uhr können die Verzweifelten und Gestressten beim elfköpfigen Mitarbeiterteam auf Hilfe hoffen.
„Die meisten rufen schon vom Terminal aus an und geben ihre Daten durch“, sagt Wagner, an dessen Arbeitsplatz sie häufig landen. Er empfiehlt dann, ein Passbild entweder gleich am Flughafen machen zu lassen oder beschreibt den Weg ins Isenburg-Zentrum. Dann versucht er, das Bürgeramt in der Heimatstadt der Betroffenen zu erreichen, um die Daten abzugleichen. „Passunbedenklichkeit“ heißt das schöne Wort dafür. „Theoretisch könnten wir ja sonst einem Schwerverbrecher zu neuen Papieren verhelfen.“
Ist diese Behörde nicht zu erreichen, wird die Polizei vor Ort kontaktiert. Wenn dann alle Daten bestätigt sind, wird ein vorläufiger Reisepass mit einem Jahr Gültigkeit ausgestellt. Etwa eine halbe Stunde Zeit nimmt das Prozedere in Anspruch, der Pass selbst ist in zehn Minuten gemacht. „Bis die Leute dann die Papiere in der Hand haben, sind sie aber meist mit den Nerven total fertig.“
Erheblichen Stress gab es auch für eine Familie aus Karlsruhe, die eigentlich besonders erholsame Ferien geplant hatte. Die hatten sich eine einsame Insel vor Neuseeland als Urlaubsziel ausgesucht, sämtliche Anschlussverbindungen inklusive Flugboot zu dem schwer erreichbaren Eiland waren seit Wochen gebucht. Und dann der Klassiker an der Passkontrolle: Der Ausweis des Familienvaters war abgelaufen, Hektik, Fahrt nach Neu-Isenburg. Carsten Wagner hat nicht nur das Papier verlängert, sondern auch das Flugboot auf einen späteren Zeitpunkt umgebucht.
Ebenfalls nach Neuseeland zur eigenen Trauung wollte ein Brautpaar reisen. Der junge Mann verpasste aber den Flug, weil er erst noch in Neu-Isenburg den Pass verlängern lassen musste. Ob die Hochzeit noch stattfand, wissen die Mitarbeiter nicht: Die Braut war jedenfalls alleine vorgeflogen.
„Die Leute sind unendlich dankbar, wenn sie mit dem neuen Pass wieder ins Taxi springen“, sagt der Bürgeramts-Mitarbeiter. Als zusätzliche Belastung empfinden er und seine Kollegen die gestrandeten Flughafen-Reisenden nicht. „Das sind etwa zwei Ausweise pro Woche, darauf kommt es bei den etwa 200 Leuten, die wir hier am Tag bedienen, auch nicht an.“
Auch Erster Stadtrat Stefan Schmitt sieht die Empfehlungen aus Frankfurt eher als Kompliment denn als Belastung für die Kommune: „Das bringt uns weder was noch stört es uns. Aber es ist eine große Anerkennung für die Arbeit unseres Bürgeramts.“

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