Manchmal wird es richtig laut, dann ist es nicht zu überhören, dass es in Neu-Isenburg eine Schützengesellschaft gibt. Beim Rosenmontagsumzug beispielsweise lassen die Schläge der fahrbaren Kanone die Fensterscheiben in der Frankfurter Straße vibrieren. Oder jetzt zum 50. Geburtstags des Verein wurde die Kanone fünfmal gezündet. Doch nicht nur die Kanone, sondern auch das normale Training mit den Pistolen kann Krach machen. „Der ist aber genehmigt und gehört zur Tradition“, sagt die Präsidentin des Vereins, Yvonne Lammersdorf, die von der Stadt jetzt anlässlich des Vereinsjubiläums mit der Ehrenplakette ausgezeichnet wurde.
Und doch haben Nachbarn an der Offenbacher Straße im Osten von Neu-Isenburg, wo das Schützenhaus liegt, sich über den Lärm beschwert. Der Schützenverein dämmt deshalb jetzt für rund 40 000 Euro seine Außenbahnen an dem 1973 erbauten Haus. Finanzielle Unterstützung gibt es dafür von der Stadt, dem Landkreis Offenbach sowie dem Landessportbund.
Bis zum Sommer möchte der Verein auch die letzte, die 50-Meter-Schussanlage, fertig haben. Für die Arbeiten wurde ein privater Bauträger beauftragt, denn Dämmen oder Bauen in Eigenregie ist heute nicht mehr möglich. Zum Einen müssten immer mehr bautechnische Bedingungen erfüllt werden, und zum anderen fehle es für ein solches Vorhaben an engagierten Mitgliedern, heißt es. 1973 ging das noch, damals hatten die Mitglieder des Vereins das Schützenhaus in Eigenleistung errichtet.
Auch die Organisation für das Jubiläum hat der Pressewart des Vereins, Gerhard H. Gräber, alleine stemmen müssen. „Leider geht der Trend dahin, dass Mitglieder ihren Beitrag zahlen und schießen wollen – aber nicht mehr“, bedauert Gräber. Aber dass die Beiträge erhöht würden, um Hilfspersonal einzustellen, das wolle auch keiner, berichtet er.
„Wir werden alle nicht jünger“, sagt Gräber, „deshalb ist jeder Jugendliche für den Verein ein Juwel, der poliert werden muss.“ Die meisten der etwa 150 Mitglieder sind über 40 Jahre alt. Eine Kooperation mit Schulen oder der VHS gebe es bislang nur mit der Abteilung Bogenschießen. Aber während Bogenschießen oft als edel gelte, hätten Eltern bei Gewehren und Pistolen sofort Winnenden im Kopf, erklärt Gräber.
Um diese Angst zu vertreiben, präsentiert sich der Verein möglichst häufig auf Stadt- und Kreisveranstaltungen. Außerdem hat die Schützengesellschaft nun einen Integrationsbeauftragten gewählt und möchte in Zukunft die Integrationsplakette vom Landesministerium bekommen.
„Doch viele Schulen geben uns von vornherein nicht die Möglichkeit, zu zeigen, wie vorsichtig wir im Umgang mit Waffen sind“, bedauert Gräber. Das Schießen mit Luftdruckwaffen ist erst mit zwölf Jahren erlaubt, außerdem muss eine Aufsichtsperson pro Jugendlichem anwesend sein, der ihm zur Seite steht und aufpasst.
Das sei zwar extrem personalaufwendig, aber dringend erforderlich, „wenn sie gesellschaftlich akzeptiert werden wollen“, erklärt Präsidentin Yvonne Lammersdorf.
Termine im Jubiläumsjahr: Schützenhaus, Offenbacher Straße 230, Donnerstag, 2. Juni, Vatertag mit Glücksschießen; Samstag, 25. Juni, Tag der offenen Tür samt Schnupperschießen. www.sgni.de

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