Das ist mein Stuhl, das ist mein Stuhl“, rufen die Kinder der Klasse 1b der Ludwig-Uhland Schule und klatschen abwechselnd in die Hände, auf die Oberschenkel und auf ihre Stühle. Dann stehen sie auf und laufen einmal im Takt des Sprechgesangs um ihre Sitzgelegenheit herum. Schon ist das Lied zu Ende und alle sitzen wieder artig auf ihren Plätzen. „Das ist super, wenn ich mich zwischen den Unterrichtsstunden mal kurz bewegen muss, aber nicht viel Zeit habe“, erklärt Klassenlehrerin und Konrektorin Anke von Kiedrowski. Die Grundschule in Gravenbruch legt besonderen Wert auf die Förderung der Bewegung und Wahrnehmung ihrer Sprösslinge und hat deshalb jetzt vom Staatlichen Schulamt eine Auszeichnung erhalten.
Seit 2002 besteht das Programm „Schule und Gesundheit“ des Kultusministeriums, das Schulen dazu anregen soll, die Gesundheit der Kinder gezielt zu fördern. Gesund und fit lernt es sich einfach besser.
Sportgeräte für die Pausen
Wer sich in einem der Bereiche Ernährungs- und Verbraucherbildung, Wahrnehmung und Bewegung, Gewaltprävention und Umweltbildung, Verkehrserziehung oder auch Lehrergesundheit besonders engagiert, kann sich um ein Teilzertifikat bewerben. Im Kreis Offenbach besitzen 38 Schulen solch ein Zertifikat, das für jeweils fünf Jahre verliehen wird. Bewegung gehöre schon lange fest zum Alltag der Kinder an der Gravenbrucher Ludwig-Uhland Schule, sagt deren Leiterin, Doris Keiber. „Wir wollen das auch nach außen tragen.“ Volleybälle, Gummitwist, Springseile, Jonglierbälle und vieles mehr findet sich in den acht Pausenspielkisten der Schule. Der Clou bei den Sachen: Die Kinder müssen sich bewegen, um damit Spaß zu haben. Julia Doll, Lehrerin im Vorbereitungsjahr, hat die Kisten zusammengestellt und Sponsoren gesucht. Auch dafür sei die Auszeichnung wertvoll – um finanzielle Helfer zu finden, sagt Doris Keiber.
Spielideen aus der "Bewegungskartei"
Neben den Spielkisten, sportlichen Arbeitsgemeinschaften und Schnupperstunden bei der Spiel- und Sportgemeinschaft Gravenbruch (SSG) sowie dem Tennisverein Foresta gehört auch eine Bewegungskartei zum Alltag der Grundschüler. Diese enthält eine Sammlung von Spielen, die Kinder aller Klassen im Unterricht erlernen und dadurch in Bewegung kommen. „Wir probieren die Spiele im gesamten Kollegium vor jeder Konferenz aus“, sagt Schulleiterin Keiber. „So können wir sie im Unterricht korrekt vorspielen.“
Ab August 2011 möchte die Schule eine pädagogische Mittagsbetreuung anbieten. Dafür seien jedoch eine Mensa, ein saniertes Freizeithaus sowie ein Verwaltungsgebäude nötig, sagt Keiber. Nach Angaben von Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) ist derzeit ein Architekt mit der Planung des Umbaus beauftragt. Dieser solle auch eine Kostenschätzung vornehmen, sagte Hunkel. Anschließend müsse sich die Stadt mit dem Kreis über die Finanzierung einigen. Sollte der Umbau bis August 2011 nicht abgeschlossen sein, könnten die Schüler die Räume des Jugendzentrums Gravenbruch mit nutzen, so Hunkel.

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