Aktuell: Peter Tauber | Zuwanderung Rhein-Main | Fotostrecken | Polizeimeldungen
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Kreis Offenbach
Berichte und Bilder von allen wichtigen Ereignissen in Langen, Neu-Isenburg, Dreieich, Rodgau, Dietzenbach

19. Februar 2014

Prozess Islamkritiker Zahid Khan: Ein genialer PR-Coup

 Von 
Bezeichnet sich als neuer Prophet Gottes: Zahid Khan.  Foto: imago stock&people

Eine sensationelle Wende im Prozess um Zahid Khan: Der angebliche Mordanschlag auf den „Islamkritiker“ war vermutlich gar keiner. Sondern nur ein genialer PR-Coup. Unklar ist noch, wer dahinter steckt.

Drucken per Mail

Eine sensationelle Wende im Prozess um Zahid Khan: Der angebliche Mordanschlag auf den „Islamkritiker“ war vermutlich gar keiner. Sondern nur ein genialer PR-Coup. Unklar ist noch, wer dahinter steckt.

Sensationelle Wende beim Prozess gegen den vermeintlichen Islamisten Stefan Salim Nagi vor dem Darmstädter Landgericht: Der angebliche Mordanschlag auf den „Islamkritiker“ Zahid Khan war vermutlich gar keiner. Sondern vermutlich nur ein genialer PR-Coup. Unklar ist noch, wer dahinter steckt. Doch das Landgericht scheint sich mehr und mehr zu der Auffassung durchzuringen, dass Täter und Opfer unter einer Decke stecken.

Angeblicher Mordauftrag

Nagi soll am 29. Juli 2013 zwei Junkies, die er im Frankfurter Bahnhofsviertel aufgegabelt hatte, mit Schlagstöcken und Messern versorgt haben – und sie für ein paar tausend Euro damit beauftragt haben, Khan zu töten, dessen Buch „Die Verbrechen des Propheten Mohammed“ ihn als strenggläubigen Muslim nachhaltig verärgert habe. Der Plan misslang: Als die drei ihrem Opfer bei einem nächtlichen Waldspaziergang auflauerten, schoss Khan, der im Besitz eines Waffenscheins ist, einem der Junkies in den Fuß. Die beiden anderen flüchteten.

Der vermeintliche Konflikt zwischen Khan und Nagi schwelt äußerst medienwirksam bereits seit Jahren. Nagi hatte versucht, Khans Büchlein, das im Selbstverlag erschienen ist, gerichtlich verbieten zu lassen. Erfolglos. Die Prozesse waren begleitet von den spontanen Demonstrationen beinharter Salafisten, wie man glauben sollte. Am ersten Verhandlungstag vor dem Landgericht steht nun fest, dass zumindest einer der beiden Junkies damals schon mitdemonstrierte. Für eine Einladung zum Essen durch Nagi, sagt dieser, habe er ein Transparent mit der Aufschrift „Khan = Teufel“ getragen.

Ebenso scheint bereits nach dem ersten Verhandlungstag eindeutig festzustehen, dass Nagi den Hinweis auf Khans nächtlichen Waldspaziergang mindestens aus dessen unmittelbarem Umfeld bekommen hatte. Ebenso scheint festzustehen, dass Nagi Kontakt zu Khans Familie hatte – zu einer Zeit, in der die beiden schon fröhlich gegeneinander prozessierten.

Der Anschlag ein Fake

Nagi gab, nachdem ihn der Vorsitzende Richter ordentlich in die Zange genommen hatte, zu, dass der Anschlag ein Fake gewesen sei: „Ich wollte verhaftet werden, ich wollte die Presse dabeihaben.“ Allerdings habe er nicht in unmittelbarem Auftrag Khans, sonder auf eigene Rechnung gehandelt. „Ich wollte von der von Salafisten ausgehenden Gefahr warnen“, sagte er. Und Geld sammeln für eine Universität, von der er bislang immer gesagt hatte, es solle eine muslimische Universität werden, für die er 500 Millionen Euro aus Saudi-Arabien sammeln wolle. Auch davon war am Mittwoch keine Rede mehr: Jetzt handelt es sich um eine Universität für alternative Krebsheilung.

Khan selbst konnte sich zu der neuen Wendung bis Redaktionsschluss nicht äußern. Er war erst für den Nachmittag als Zeuge geladen. Als Nebenkläger ließ er sich durch seine Ehefrau, eine Rechtsanwältin, vertreten. Die verfolgte die Wendung des Prozesses anfangs lediglich mit steinerner Miene.

Zusammenspiel zwischen Khan und Nagi

Nagi war bereits vor dem Anschlag im Fokus der Öffentlichkeit, als er behauptete, der Islamist Pierre Vogel plane einen Mordanschlag gegen Khan, der sich selbst für einen neuen Propheten Gottes hält. Dem Verkauf seiner zahlreichen Bücher haben all diese Schlagzeilen – unter anderem ein angeblich neuer Anschlag nach dem missglückten alten – vermutlich nicht geschadet. Obwohl Nagi zum Mohammed-Buch sagt: „Ich bin wahrscheinlich der einzige, der das Buch durchgelesen hat.“

Noch völlig unklar ist, wie weit das Zusammenspiel zwischen Khan und Nagi, die wohl beide das Hauptziel öffentliche Aufmerksamkeit verfolgten, wirklich ging. „Ich bin Muslim, und ich bleibe das auch“, sagte Nagi vor Gericht.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Auf dieser Seite lesen Sie Nachrichten aus Dietzenbach, Dreieich, Langen, Neu-Isenburg, Rodgau und Rödermark. Alles aus Offenbach finden Sie auf unserer Seite über die Stadt Offenbach.

Übersicht

Wir informieren Sie aus der ganzen Region. Nachrichten aus Ihrer Stadt können Sie als Newsfeed abonnieren - klicken Sie bitte auf das orange Symbol.

Regionale Startseite

Frankfurt

Rhein-Main

Bad Homburg, Hochtaunus

Bad Vilbel, Wetterau

Darmstadt

Kreis Groß Gerau

Hanau, Main-Kinzig

Main-Taunus

Offenbach

Kreis Offenbach

Wiesbaden


Auch unterwegs auf dem Laufenden:
„FR News“ –
die App für Ihr Smartphone.

Für iPhone und Android-Handys.
Jetzt downloaden!

In eigener Sache

FR erweitert den Regionalteil

Aus der Produktion unseres neuen Regionalteils.

Darf’s ein bisschen mehr sein? Kein Scherz, vom Wochenende an bekommen Sie in Ihrem Lokal- und Regionalteil mehr Frankfurter Rundschau als bisher. Und etwas anders wird sie auch, ihre FR.  Mehr...

Twitter
Twitter

Anzeige

Spezial

Der Ausbau des Flughafens ist in der Region heftig umstritten. Die FR-Serie informiert über die Landebahn.

Spezial
Alexander Kraft

Raus - und aufs Bike! Alexander Kraft präsentiert die FR-Mountainbike-Routen abseits der berüchtigten "Biker-Autobahnen".

ANZEIGE
- Partner