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29. März 2015

Randale bei AfD-Veranstaltung: Ulfkotte droht auf Facebook

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Udo Ulfkotte spricht im Dezember 2014 beim Bonner Pegida-Ableger Bogida.  Foto: imago

Der Autor Udo Ulfkotte ist bei einer Lesung in Dietzenbach gegen ein 15-jähriges Juso-Mitglied ausfällig geworden. Auf eine Anzeige wegen Körperverletzung antwortete Ulfkotte mit eine Drohung via Facebook.

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Randale, eine Anzeige gegen den Referenten und schließlich eine Drohung auf Facebook: Der Vortragsabend mit dem Rechtspopulisten Udo Ulfkotte, zu dem die Alternative für Deutschland (AfD) im Kreis Offenbach eingeladen hatte, hat ein juristisches Nachspiel.

Nachdem am Freitagabend ein 15-Jähriger aus Rodgau den Bestsellerautor Ulfkotte wegen Körperverletzung auf der AfD-Veranstaltung angezeigt hatte, reagierte Ulfkotte am Samstag auf Facebook mit Drohungen. Sie können als Ankündigung juristischer Schritte gegen den Jugendlichen verstanden werden, haben aber auch einen Unterton, der Gewalt ankündigen könnte. „Ich freue mich auf die Strafanzeige, weil ich natürlich den Namen des 15-Jährigen samt Adresse bekomme, (…) da freuen sich einige“, schreibt Ulfkotte als Reaktion auf den Artikel in der Frankfurter Rundschau vom Samstag über die Rangelei vom Vorabend.

Gewalt von Sicherheitsmännern

Der Jugendliche, der zu einer Gruppe Jungsozialisten (Jusos) aus Stadt und Kreis Offenbach gehört, war an dem Vortragsabend von Ulfkotte am Kragen gepackt und gegen die Wand geschlagen worden. Unterstützt wurde der Autor dabei von den NPD-Funktionären Stefan Jagsch und Daniel Lachmann, die ihn bei der Tat umringten. Dies belegen Fotos, die der FR vorliegen. Anschließend packten Sicherheitsmänner unter Einsatz massiver Gewalt den Jungen und warfen ihn aus dem Saal.

Ulfkotte in Rage: Der Autor geht auf ein junges Juso-Mitglied los.  Foto: Jusos Südhessen.

Kurz zuvor hatte Ulfkotte mit seinem Handy das Publikum gefilmt mit den Worten: „Das stelle ich ins Internet und mache ein schönes Netzwerk draus. Ihr Einverständnis habe ich ja.“ Das war aber gar nicht gegeben worden.

Rund 20 Jusos und junge Leute, die sich „Antirassisten“ nennen, hatten sich unter die Besucher gemischt, um Ulfkottes Vortrag zu Islam, EU-Krise, Ukraine und der „zweifelhaften Rolle der Medien“ im Dietzenbacher Bürgerhaus zu stören. Ulfkotte, ein ehemaliger FAZ-Journalist, ist bekannt für seine rechten Verschwörungstheorien. Bei der AfD ist er ein häufiger Gast. Im Publikum saßen vorwiegend ältere Personen, die dem Augenschein nach aus konservativen Kreisen stammen. Einige wenige verließen nach der Rangelei den Saal durch den Hinterausgang.

Satirischer Ungehorsam

Bei Signalwörtern wie „Islam“ oder „gekaufte Medien“ brach die „Jubelgruppe gegen Rechtspopulismus“, wie sie sich selbst nennt, in Gejohle aus, so dass Ulfkotte seine Rede mehrmals unterbrechen musste. Etwa 40 weitere Jusos und Antirassisten waren nicht mehr in den Saal gelassen worden, weil dieser mit 120 Personen voll war. Sie warteten vor der Tür und beteiligten sich dort an der Aktion. „Satirischer Ungehorsam“ nennen sie ihre gewaltfreie Aktion. Damit möchten sie den Fokus auf das menschenverachtende Gedankengut Ulfkottes und der AfD richten. „Wären wir des Saales verwiesen worden, wären wir gegangen. Aber uns hat niemand dazu aufgefordert“, sagte ein Juso. Nach dem Vorfall verließen die Aktivisten den Saal, und Ulfkotte setzte seinen Vortrag fort.

Zu den Aktivisten gehören auch der Dietzenbacher SPD-Stadtverordnete Filipos Kourtoglou und der Offenbacher Juso-Vorsitzende Philipp Türmer. „Wir möchten zeigen, dass diese Verschwörungstheorien und der Hass gegen den Islam nicht die Meinung der Gesellschaft sind“, sagt Türmer. Kourtoglou sieht den Vortragsabend bereits als Wahlkampf. „Die AfD will jetzt überall Ortsvereine gründen und fährt schwere Geschütze auf.“

AfD-Vorsitzender Arno Groß aus Neu-Isenburg distanziert sich von Ulfkottes Verhalten. „Ich bin gegen Gewalt, das muss man anders lösen. Ich hätte Ulfkotte auch nicht eingeladen“, sagte er der FR. Groß bestätigte, dass er in Neu-Isenburg für das Amt des Bürgermeisters kandidieren werde. Ob die Partei einen Kandidaten für die Wahl zum Landrat stelle, sei noch nicht entschieden.

Gastgeber war AfD-Kreisvorsitzender Robert Rankl, der sich während des Gerangels um Ruhe bemühte. Er war es auch, der die Polizei benachrichtigte. Zu einem Statement zur weiteren Entwicklung der Geschehnisse war er am Wochenende nicht bereit.

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