Es war geplant als „große Gaudi, nicht als verbissene Sportnummer, und es ist uns ein ganz großes Rätsel, wie das passieren konnte.“ Bastian Roet, Sprecher des Rödermärker Vereins die Saunaritter, ist geschockt von den Ereignissen während der Sauna –Weltmeisterschaft im finnischen Heinola. Dort starb am Samstag der Russe Vladimir Ladyshensik während des Finales, sein Rivale Timo Kaukonen wurde schwer verletzt und schwebte gestern noch in Lebensgefahr.
Die Saunaritter haben Mitglieder vor allem im Rhein-Main-Gebiet und trainieren extremes Saunieren mittwochs in der Saunaburg in Rödermark. Sie beteiligen sich nicht nur erfolgreich an internationalen Wettkämpfen, sondern richten auch selbst Meisterschaften aus. In Finnland bangen zurzeit noch mit einem Freund von Kaukonen auch die Vereinsmitglieder Michaela Butz aus Urberach und Vereinsvorsitzender Bernhard Strohmeier. Mit zehn Leuten war der Verein zu den Weltmeisterschaften gereist.
„Timo ist ein sehr guter Freund von uns, wir kennen ihn von Wettkämpfen,“ sagte Strohmeier gestern sehr bewegt am Handy. Allen Vereinsmitgliedern gehe es gut, sagte er auf Nachfrage. Er selbst habe an den Wettkämpfen der Herren teilgenommen, habe aber nach dreieinhalb Minuten die Sauna verlassen. Beim Finale sei der dritte der noch verbliebenen Teilnehmer nach viereinhalb Minuten gegangen, „es ging ihm gut,“ sagt Strohmeier, der mit seinen Vereinskollegen das Geschehen vor der Sauna verfolgt hat.
Helfer zogen ihn raus
Nach sechseinhalb Minuten hätte auch Timo Kaukonen versucht zu gehen, habe es aber nicht mehr geschafft. „Die Helfer haben ihn rausgezogen und wollten auch Vladimir rausholen, aber der hat noch versucht, sich an der Bank festzuhalten – wahrscheinlich hat er schon gar nicht mehr alles richtig mitbekommen. Draußen ist er dann gestorben, obwohl die Helfer noch 45 Minuten Herzmassage gemacht haben“, schildert Strohmeier. Eine Autopsie solle nun die Todesursache klären. Timo Kaukonen sei in eine Spezialklinik für Verbrennungen geflogen worden.
Technisch sei alles einwandfrei gewesen, Luftfeuchtigkeit, Sauerstoffgehalt und die Temperatur, die etwa zwischen 110 und 120 Grad betragen habe, seien permanent gemessen worden. „So etwas ist noch nie passiert“, beteuern Strohmeier und Vereinssprecher Roet einhellig. Rote Haut oder auch mal eine Brandblase seien bisher die gravierendsten Erscheinungen gewesen. Der Schock über die Ereignisse auf der WM traf die Mitglieder der Saunaritter umso heftiger, als sie sich zuvor noch über den Sieg von Michaela Butz bei den zuerst ausgetragenen Frauenwettkämpfen gefreut hatten, und die Stimmung in Finnland hervorragend war.
Vor Michaela Butz habe noch nie eine Frau aus Westeuropa die Weltmeisterschaft gewonnen. „Timo hat ihr noch gratuliert und gesagt, dass er jetzt auch Weltmeister werde und abends mit uns feiern wolle.“ Nicht nur die Feiern wurden abgesagt, der Veranstaltungschef Ossi Arvela hat das endgültige Aus für die Sauna-WM bekanntgegeben.
Die Saunaritter wollen sich zwar weiterhin in Wettbewerben messen, aber auch Strohmeier nennt erste Konsequenzen: „Keiner von uns hat die Absicht aufzuhören“, sagt der Vereinsvorsitzende, „aber wir werden die Regeln überdenken und noch schärfere ärztliche Kontrollen bei unseren Wettkämpfen einführen.“

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