Kreis Offenbach
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13. November 2012

Schulen im Kreis: Nein zum Turbo-Abi

 Von Maurice Farrouh und Christoph Manus
Noch mehr Zeit für Experimente in der Scholl-Schule. Foto: Monika Müller

Zurück zu G9 - das wollen viele Schulen im Kreis Offenbach. Zahlreiche Gymnasien und kooperative Gesamtschulen sehen mehr Sinn in einem Jahr mehr Lernen.

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Mit der Ankündigung, Schulen in Zukunft wählen zu lassen, ob sie weiter das Turbo-Abi G8 oder die alte Variante G9 anbieten wollen, hat die Landesregierung im Kreis Offenbach einen wahren Erdrutsch ausgelöst. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau werden zahlreiche Gymnasien und kooperative Gesamtschulen mit Beginn des neuen Schuljahres im Sommer 2013 das Turbo-Abi abschaffen und zurück zu G9 kehren.

„Bei uns hat sich in der Diskussion eine große Mehrheit für die Rückkehr zu G9 ausgesprochen“, sagt Ralph Hartung, Leiter des Goethe-Gymnasiums in Neu-Isenburg. Formal dürften die Schulen zwar erst eine Entscheidung treffen, wenn das Gesetz verabschiedet sei. Aber die Probeabstimmungen in der Gesamtkonferenz der Lehrer und der Schulkonferenz, in der Vertreter von Kollegium, Schülern und Eltern sitzen, hätten eindeutig gezeigt, dass die Entscheidung für G9 ausfallen wird. „Der deutlich überwiegende Teil möchte den Schülern ein Jahr mehr Zeit geben“, sagt Hartung. Damit wird für den nächsten Fünftklässler-Jahrgang in Neu-Isenburg schon wieder G9 gelten.

Acht Jahre für "Spitzenleister"

Die Goetheschule arbeitet indes gerade an einem Konzept, um sogenannte Spitzenleister unter den Schülern auch nach der Rückkehr zum längeren Lernen gezielt fördern zu können. „Für besonders begabte Schüler soll es weiter möglich sein, in acht Jahren zum Abitur zu gelangen“, sagt der Schulleiter. Denkbar sei etwa, das Überspringen von Klassen in Jahrgang acht oder elf durch spezielle Förder- und Eingliederungsangebote verträglicher zu gestalten.

„Es gibt auch Eltern, welche die Vorteile von G8 schätzen“, sagt Hartung, der persönlich gerne beide Varianten an seiner Schule anbieten würde. Dies sei aber nicht praktikabel, weil die Schule dann zwei G8 und zwei G9 Klassen einrichten müsste. „Wenn das nicht der Nachfrage entspricht, bekommen wir ein Problem.“

Dass mehrere Gymnasien im Kreis die Rückkehr zu G9 erwägen, wirkt sich auch auf die kooperativen Gesamtschulen aus. Bisher sei G8 der reguläre gymnasiale Bildungsgang gewesen. Ändere sich das, sei es fraglich, ob ausgerechnet eine Gesamtschule bei G8 bleiben soll, sagt Tino Desogus, Schulleiter der Rodgauer Geschwister-Scholl-Schule.

Diese neuen Voraussetzungen nennt Desogus als Hauptgrund, dass sich die Gesamtkonferenz der Schule, der Elternbeirat und auch befragte Eltern von Viertklässlern für G9 ausgesprochen haben. Die Erfahrungen mit G8 seien nicht schlecht gewesen, betont Desogus. Ziel sei es auch nicht, einfach zum früheren Konzept zurückzukehren, sondern Schwerpunkte wie Musik und Naturwissenschaften auszubauen und den Schülern mehr Übungs- und Vertiefungszeit zu bieten.

"Nichts übers Knie brechen"

Zunächst bei der verkürzten Gymnasialzeit bleiben will dagegen die Heinrich-Mann-Schule in Dietzenbach, eine kooperative Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe. Schulleiter Hans-Peter Löw warnt davor, in Hektik zu verfallen. Besser sei, erst einmal ein Jahr abzuwarten. Die Schule brauche Zeit, um eine qualifizierte Bilanz, wie gut G8 funktioniert, vorzunehmen. Bisher gehe er davon aus, dass die Schüler im G8-Zweig keinen schlechteren Leistungsstand haben als die mit G9.

Noch warten mit der Entscheidung möchten die Schulleiter Bernhard Zotz vom Dreieichgymnasium und Elke Dürr von der Adolf-Reichwein-Gesamtschule in Langen. An beiden Schulen stehen in den nächsten Tagen Konferenzen zu dem Thema an. „Wir sollten nichts übers Knie brechen“, sagt Zotz. „Wir müssen dieses Jahr 300 Schüler des Doppeljahrgangs durchs Abitur bringen, damit haben wir wirklich genug zu tun.“

Ohne schlüssiges Konzept für den Wechsel zu G9 könne das Land oder sogar der Kreis Offenbach als Schulträger die Entscheidung kassieren. Zotz weiß, dass er sich mit seiner Position den Zorn einiger Eltern zuziehen könnte, wenn die ihre Kinder nächstes Jahr in G8 schicken müssen. „Das müssen wir aushalten.“

In Dreieich hat die Weibelfeldschule, kooperative Gesamtschule , sich schon 2009 für G9 entschieden. Dem Vernehmen nach will nun auch das Ricarda-Huch-Gymnasium wieder zu G9 zurück.

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