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08. September 2014

Verschwörungstheorien: Treffpunkt der Anti-Aufklärer

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Spekulationen über den Anschlag auf das World Trade Center in New York (09.11.01) stehen bei den Verschwörungstheoretikern hoch im Kurs.  Foto: REUTERS

Ein verschwörungstheoretischer Kongress in Neu-Isenburg zieht Proteste auf sich. Sie richten sich gegen die auf dem Kongress mutmaßlich stattfindende Verbreitung antisemitischer und rechtspopulistischer Propaganda.

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Neu-Isenburg –  

nKongresse sind in der Neu-Isenburger Hugenottenhalle Alltag und eher selten Grund für Aufregung. Doch gegen den für den 22. November angesetzten Quer-Denken-Kongress regt sich Widerstand. Mit einem offenen Brief an den Neu-Isenburger Magistrat, die Stadtverordnetenversammlung und die Verwaltung des Kreises Offenbach haben jetzt mehrere Bürger gegen die Veranstaltung protestiert. In dem Schreiben wird die Stadtverwaltung dazu aufgefordert, „alles in ihrer Macht Stehende zu unternehmen, um den Kongress zu verhindern“. Andernfalls stehe zu befürchten, dass die Hugenottenhalle an diesem Tag „für die Verbreitung antisemitischer und rechtspopulistischer/rechtsradikaler Propaganda“ missbraucht werde.

„Man könnte natürlich auch denken: Ach, komm! Lass doch die Spinner“, sagt Jonas Fedders, einer der Unterzeichner des offenen Briefes. Tatsächlich reicht die Bandbreite der angekündigten Themen vom verschwörungstheoretischem Grundstoff – wie etwa Spekulationen über die Anschläge vom 11. September 2001 – bis hin zu bizarren Theorien über Freie Energien oder Nahtoderfahrungen. „Doch worum es im Prinzip geht, sind antiaufklärerische und antiemanzipatorische Positionen“, betont Fedders.

Von "raffendem" und "schaffendem" Kapital

Die angekündigte Referentenliste des Kongresses liest sich wie ein Who’s who deutscher Verschwörungstheoretiker. Gastgeber Michael Vogt – der sich selbst ganz unbescheiden als „Visionär der neuen Zeit“ bezeichnet – ist unter anderem für seine Kontakte in NPD- und DVU-Kreise bekannt. 2007 verlor er deswegen seine Stelle als Honorarprofessor an der Universität Leipzig. 2012 veröffentlichte Vogt in der Verbandszeitung der Deutschen Burschenschaft ein „Manifest zur revolutionären Neuordnung“, in der er unter anderem die „Abschaffung des Parteienstaates“ forderte und die Bundesrepublik als „im Niedergang befindliches System“ bezeichnete.

Für den Quer-Denken-Kongress kündigt Vogt an, sich mit der „Unterdrückung des Einzelnen durch den Unrechtsstaat BRD“ zu befassen. Die Ablehnung der Bundesrepublik beziehungsweise die Negierung ihrer Legitimität teilt er mit weiteren Referenten wie Andreas Clauss oder Andreas Popp, die die Bundesrepublik nach wie vor als ein von den Alliierten besetztes Land ansehen und immer wieder Argumentationsmuster der rechtsradikalen „Reichsbürgerbewegung“ aufgreifen.

Daneben gehören Popp und Clauss zu den sogenannten Finanzapokalyptikern, die einen baldigen Zusammenbruch des herrschenden Wirtschaftssystems prophezeien, das ihrer Ansicht nach am Widerspruch zwischen „raffendem“ und „schaffendem“ Kapital scheitern muss. Auch hierin greifen beide Argumentationsmuster rechtsextremer Kapitalismuskritiker auf, die im Zuge der sogenannten Montagsmahnwachen für den Frieden an Popularität gewonnen haben. Andreas Popp war mehrfach als Redner bei derartigen Mahnwachen aufgetreten. Musikalisch untermalt wird die Veranstaltung durch die Rap-Formation „Die Bandbreite“, die für verschwörungstheoretische Texte bekannt ist, in denen den USA schon mal unterstellt wird, den japanischen Angriff auf Pearl Harbour inszeniert oder Aids entwickelt zu haben.

Die offenkundige Nähe zu rechtsextremem Gedankengut ist aus Sicht der Stadt indes noch kein Grund, gegen die Veranstaltung vorzugehen. „Auch mir gefallen die Inhalte nicht“, erklärte Stefan Schmitt, Erster Stadtrat in Neu-Isenburg, „aber unter polizeilichen Aspekten gibt es keinen Grund, warum die Veranstaltung nicht stattfinden sollte.“ Es sei nicht Aufgabe der Stadt, solche Meinungen zu zensieren.

Ebenso sieht es die Leitung der Hugenottenhalle. Bereits im Juli habe man um eine polizeiliche Einschätzung gebeten. Demnach sei von einem friedlichen Verlauf auszugehen. „Störerhinweise“ über die Referenten lägen nicht vor.

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