Aktuell: Peter Tauber | Zuwanderung Rhein-Main | Fotostrecken | Polizeimeldungen
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Kriminalität in Frankfurt/Rhein-Main
In Kriminalitäts-Statistiken steht die Stadt Frankfurt immer wieder ganz oben. Zu recht? Was ist statistischer Effekt, was spiegelt die Wirklichkeit wider?

24. Februar 2016

Florstadt: Flüchtlingsheim und Gebetsraum angegriffen

 Von 
Blaulicht: Polizei im Einsatz.  Foto: dpa

Unbekannte werfen in Florstadt (Wetteraukreis) Steine auf eine Flüchtlingsunterkunft und einen islamischen Gebetsraum. In der Nähe der Tatorte hinterlassen sie Schreiben mit fremdenfeindlichem Inhalt. Bewohner des Heimes berichten von zwei bis drei Männern.

Drucken per Mail

In Florstadt im Wetteraukreis sind in der Nacht zu Mittwoch eine Flüchtlingsunterkunft und ein islamischer Gebetsraum mit Steinen beworfen worden. Wie die Polizei mitteilte, hatten Unbekannte gegen 1.15 Uhr faustgroße Zierkieselsteine gegen die im Ortsteil Nieder-Florstadt gelegene Asylunterkunft geschleudert, zwei Fenster gingen zu Bruch. Es entstand ein Sachschaden von rund 2000 Euro, keiner der 18 Bewohner wurde verletzt.

Wie nach Polizeiangaben erst am Mittwoch auffiel, wurde in der Nacht auch der nahe gelegene Gebetsraum der lokalen Ahmadiyya-Gemeinde mit Steinen beworfen. Dort wurden zwei Fenster beschädigt. Außerdem wurde ein PKW mit weißem Klebeband umwickelt. Ob die Taten zusammenhingen, sei noch nicht klar, hieß es. Die Ahmadiyya-Gemeinde in Florstadt plant den Bau einer Moschee, nutzt aktuell aber noch einen kleinen Gebetsraum.

Übergriffe

In Hessen hat es zuletzt öfter Angriffe auf Flüchtlinge gegeben. Anfang Januar schossen Unbekannte mit scharfer Munition auf eine Asylunterkunft in Dreieich, dabei wurde ein Flüchtling am Bein getroffen.

Anfang Februar wurden vor einer Unterkunft in Viernheim mehrere Schüsse aus einer Schreckschusswaffe abgegeben. Ende Januar verprügelten Rocker in Fulda drei Flüchtlinge aus dem Irak. han

Zumindest beim Angriff auf das Flüchtlingsheim geht die Polizei von einer fremdenfeindlichen Tat aus. Wie eine Sprecherin der Frankfurter Rundschau sagte, seien an der Unterkunft und im Ortskern von Florstadt handbeschriebene Zettel mit eindeutigen Parolen wie „NPD“, „SS“ und „Tötet Ausländer“ gefunden worden. Noch habe man keine Anhaltspunkte, wem die eher ungelenke Handschrift zuzuordnen sei, sagte die Sprecherin. Die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft hätten im Tatzeitraum eine Gruppe von zwei bis drei Männern am Haus gesehen, es sei aber nicht klar, ob diese im Zusammenhang mit den Steinwürfen ständen.

Der Landrat des Wetteraukreises, Joachim Arnold (SPD), verurteilte die Tat. „Ich finde es abscheulich, wenn Menschen, die alles hinter sich gelassen haben, um vor Krieg und Verfolgung, vor Unterdrückung und Gewalt in unser Land zu fliehen, solchen feigen Angriffen ausgesetzt sind“, sagte er. Alle demokratischen Kräfte distanzierten sich „von solchen Gewalttaten, für die es keinen Platz bei uns in der Wetterau und inmitten unserer Gesellschaft gibt“. Auch die Landtagsfraktionen von Linken und Grünen verurteilten die Übergriffe.

Florstadts Bürgermeister Herbert Unger (SPD) sagte der FR, er sei erschrocken über die „schändliche Tat“. Es gebe in Florstadt engagierte Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe, die Taten seien daher ein Einzelfall. „Es gibt keinen Grund, das zu verniedlichen, aber auch keinen Grund, die insgesamt sehr gute Grundstimmung beim Umgang mit Flüchtlingen in Zweifel zu ziehen“, sagte Unger. Najeeb Ahmed, ein Mitglied der Ahmadiyya-Gemeinde, sagte, es habe schon öfter Vandalismus am Gebetsraum gegeben. „Das ist natürlich kein schönes Gefühl“, sagte Ahmed. Man vertraue aber auf die Arbeit der Polizei und habe „mit den meisten Bürgern sehr gute Kontakte“.

Andreas Balser von der Antifaschistischen Bildungsinitiative aus Friedberg sagte der FR, er befürchte einen Zusammenhang mit einem Vorfall vor zwei Wochen, bei dem ein junger Flüchtling in Florstadt-Stammheim eine Frau unsittlich berührt und massiv auf ihren Freund eingeschlagen haben soll. „Wir gegen davon aus, dass sich die lokale Naziszene berufen fühlt, tätig zu werden“, sagte Balser der FR.

In Florstadt sind nach Angaben des Landkreises insgesamt 65 Flüchtlinge untergebracht, sie wohnen an acht Standorten.

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus

Anzeige

Spezial

In Kriminalitäts-Statistiken steht die Stadt Frankfurt immer wieder ganz oben. Zu recht? Was ist statistischer Effekt, was spiegelt die Wirklichkeit wider?

Anzeige

Twitter

Anzeige

Altenhilfe der FR
Altenhilfe

Spendenkonten, Bankverbindung, Online-spenden und Informationen zu Spendenquittungen.

ANZEIGE
- Partner