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Banken-Stresstests: „Leichen für tot erklärt“

Die Kritik am Stresstest für europäische Banken reißt auch nach der Veröffentlichung der Ergebnisse nicht ab. Vor allem angelsächsische Investoren monieren, dass die durchgespielten Szenarien zu harmlos seien.

Kritiker sehen sich durch die Ergebnisse der Stresstests bestätigt.
Kritiker sehen sich durch die Ergebnisse der Stresstests bestätigt.
Foto: ddp

Die Kritik am Stresstest für europäische Banken reißt auch nach der Veröffentlichung der Ergebnisse nicht ab. Vor allem angelsächsische Investoren monieren, dass die durchgespielten Szenarien zu harmlos seien. Dadurch werde die Kapitalausstattung der Institute besser dargestellt als sie tatsächlich ist.

Wie die europäischen Bankenaufseher mitteilten, benötigen die sieben Institute, die den Test nicht bestanden, zusammen gerade einmal 3,5 Milliarden Euro frisches Kapital. Analysten großer Investmentbanken hatten den Finanzbedarf des europäischen Bankensektors um ein Vielfaches höher veranschlagt. So hält die Investmentbank Goldman Sachs eine Kapitalzufuhr von 38 Milliarden Euro für nötig, Barclays Capital aus Großbritannien beziffert den Bedarf sogar auf 85 Milliarden Euro.

Kalt erwischt

Mehr als 100 US-Banken mussten als Folge der weltweiten Finanzkrise allein in diesem Jahr bislang schließen. Der US-Einlagensicherungsfonds FDIC hat 103 Pleiten registriert. Im Vorjahreszeitraum waren es 64 gewesen.
Die Zahl der Problemfälle war laut FDIC im ersten Quartal m Vergleich zu Ende 2009 um gut zehn Prozent geklettert. Ende März kämpften demnach 775 US-Banken um ihr Überleben. So hoch war ihre Zahl seit 1993 nicht mehr. rtr

Angesichts dieser Differenz mangelt es nicht an Kritik. „Der Markt wird kaum so dumm sein und glauben, dass die Analysten so falsch liegen“, zitierte die Nachrichtenagentur Bloomberg Fondsmanager Jason Brady von Thornburg Investment.

Andere Kommentatoren bemerkten süffisant, dass der Test, bei dem nur der bereits verstaatlichte Münchener Baufinanzierer HRE, die griechische Landwirtschaftsbank und fünf kleine Sparkassen aus dem krisengeschüttelten Spanien durchfielen, „Leichen für tot erklärt“ habe. „Diese Tests waren so ausgelegt, dass die meisten Banken bestehen würden“, sagte Komal Sri-Kumal, Anlagestratege des US-Investors TCW Group. „Das bedeutet nicht, dass das System stabil wäre.“

Auch Dolf van den Brink, ein „geläuterter“ Investmentbanker, der seinen Vorstandsposten bei der niederländischen Großbank ABN Amro schon vor dem Ausbruch der Finanzkrise gegen einen Lehrstuhl an der Universität Amsterdam eintauschte, hält die Testergebnisse nur für mäßig beruhigend. „Wenn sich die Konjunktur eintrübt, können die Banken das wahrscheinlich überstehen, aber für den Fall, dass es noch einmal schlimmer kommt, sagt der Test wenig aus“, meinte er in dem niederländischen TV-Programm Nova.

Zweifelhaft findet van den Brink vor allem den Betrachtungszeitraum, der sich auf der Basis der per Ende 2009 ausgewiesenen Kapitalausstattung der Institute bis 2011 erstreckt. „Über das Jahr danach würde ich mir ehrlich gesagt mehr Sorgen machen“, erklärte der Professor. Derzeit pumpten die Regierungen unter dem Strich noch immer sehr viel Geld in die Wirtschaft. „Irgendwann muss aber der Moment kommen, in dem alle gleichzeitig auf die Bremse treten und das wird wahrscheinlich 2012 passieren“, sagte er. Dann drohten Deflation und ein neuerlicher Konjunkturrückgang.

Autor:  Anna Sleegers
Datum:  25 | 7 | 2010
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