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Global Wealth Report: Krise frisst Vermögen auf

Viele Menschen in hoch verschuldeten Euro-Ländern haben ihr Geld riskant angelegt. Diesen Schluss lässt der jüngste Global Wealth Report zu.

        

Luxusyacht:  Statussymbol für viele Vermögende.
Luxusyacht: Statussymbol für viele Vermögende.
Foto: REUTERS/S. Nogier
Frankfurt –  

Das in Deutschland weit verbreitete Misstrauen gegenüber der Aktie hat sich bewährt. Diesen Schluss lässt der jüngste Global Wealth Report zu, den der Versicherungskonzern Allianz am Mittwoch in Frankfurt vorgestellt hat. Demnach sind die privaten Geldvermögen in Deutschland und in den meisten anderen Teilen der Welt wieder über das Vorkrisenniveau gestiegen. In Ländern, in denen sich Wertpapiere und Investmentfonds besonderer Beliebtheit erfreuen, stehen die Sparer dagegen noch immer schlechter da als 2007. Damals standen die Aktienkurse auf einem Rekordniveau.

Für den Bericht haben die Allianz-Volkswirte öffentlich zugängliche Daten von Notenbanken und Statistikämtern in 50 Ländern der Welt durchforstet. Zu den großen Krisenverlieren gehören demnach erwartungsgemäß die Sparer in den USA. Vor der Krise waren 58 Prozent des dortigen Geldvermögens in Wertpapiere und Investmentfonds angelegt und damit den Verwerfungen an den Kapitalmärkten ausgesetzt. Zwar haben sich die Aktienkurse im vergangenen Jahr erholt, dennoch lag das Pro-Kopf-Vermögen Ende 2010 noch immer 8,4 Prozent unter dem Niveau vor der Krise.Griechen besonders betroffenAuch in Westeuropa hat die Krise tiefe Spuren in den Vermögen hinterlassen.

Am schlimmsten stellt sich die Situation in einigen der Länder da, die im Fokus der Euro-Krise stehen. Nicht nur, dass es wegen der schwachen wirtschaftlichen Entwicklung der vergangenen zwei Jahre für die Bevölkerung zunehmend schwieriger geworden ist, Geld für den Vermögensaufbau beiseite zulegen. Obendrein haben Griechen, Spanier, Iren und Italiener auch einen großen Teil ihres Vermögens in Aktien und andere Wertpapiere gesteckt.In Griechenland etwa, wo die Wertpapierquote mit über 40 Prozent deutlich höher war als in anderen europäischen Ländern, lag das durchschnittliche Geldvermögen Ende 2010 noch immer um 15,9 Prozent unter dem Vorkrisenniveau. „Diese Zahl ist etwas verzerrt, weil viele Sparer aus Angst vor Bankenpleiten ihre Konten geräumt und das Geld unter die Matratze gelegt oder in Gold investiert haben“, räumt Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise ein.

Angesichts der zunehmenden Zweifel an der Stabilität des griechischen Bankensystems seien die Bankeneinlagen im Laufe des Jahres 2010 um knapp zwei Milliarden Euro gesunken.66470 Euro pro Kopf Damit allein lässt sich das Phänomen jedoch nicht erklären. Ein Großteil des Vermögensschwunds dürfte auf die Talfahrt des griechischen Aktienmarkts gehen, der nach Schätzungen der Allianz den Wert der privaten Wertpapierportfolios um geschätzte 17 Prozent geschmälert hat. Auch in Spanien und Irland, wo die Wertpapierquoten deutlich über 40 Prozent lagen, haben die Geldvermögen das Vorkrisenniveau noch nicht wieder erreicht. Das ist schlecht für die Binnennachfrage und wird die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte in den kommenden Jahren erschweren.

Eine positive Ausnahme innerhalb der Euro-Peripherie stellt Portugal dar: Hier lagen die privaten Pro-Kopf-Vermögen dank einer moderaten Wertpapierquote zuletzt gut ein Prozent über dem Niveau von 2007. Das durchschnittliche Geldvermögen der Peripherieländer liegt mit 48.500 Euro pro Kopf jedoch deutlich unter dem westeuropäischen Durchschnitt von 66470 Euro.Das globale Durchschnitts-Vermögen lag bei 20150 Euro pro Kopf. Diese Zahl ist wegen der extrem ungleichen Verteilung jedoch wenig aussagekräftig. Immerhin konstatiert Heise, dass in den wirtschaftlich schwächeren Regionen der Welt das Geld besonders konservativ angelegt wird. So liegen in Ländern mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf-Geldvermögen von maximal 6000 Euro fast drei Viertel der Ersparnisse bei der Bank. Daher haben die privaten Vermögen dort kaum unter der Krise gelitten.Der jüngste Crash an den Aktienmärkten ist in den Zahlen noch nicht enthalten. Heise geht davon aus, dass der Kurseinbruch seit August die starken Zugewinne in den ersten Monaten des Jahres bereits aufgefressen hat.

Autor:  Anna Sleegers
Datum:  15 | 9 | 2011
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