Frau Röhl, Ihre Halbschwester Anja Röhl berichtet im Stern, dass sie von ihrem Vater, Klaus Rainer Röhl, sexuell missbraucht wurde. Nun diskutiert die Öffentlichkeit auch über die Geschichte der Zwillingsschwestern Regine und Bettina, die Rolle ihrer Mutter, Ulrike Meinhof und der RAF - wie geht es Ihnen dabei?
Es geht nicht, dass der stern in einer Geschichte, in der es um einen vorläufig erst einmal nur behaupteten Missbrauch geht, mit dem ich nichts zu tun habe, meine Person und auch die meiner Zwillingsschwester mit Wort und Bild hineinzieht. Das ist schlechter Journalismus. Ich sehe auch meine Rechte in dem stern-Text weitergehend beschädigt. Warum konnte Anja Röhl, wenn ihr fünfzig Jahre später danach ist, nicht ihre ganz persönliche Geschichte mit ihrem Vater öffentlich machen, wenn sie ein Medium dafür findet? Warum garniert der stern das Ganze mit Ulrike Meinhof und zwei Kindern, die mit der behaupteten Missbrauchsgeschichte nichts zu tun haben?
Vielleicht, weil man sich fragt, wie es diesen Kindern erging?
Wenn der Missbrauch nicht ausreicht, dann wird die Sache nicht besser, weil man sie mit Meinhof und Adolf Hitler anspitzt und zwei Kinder, meine Zwillingsschwester und mich, mit hereinzieht. Die Spekulation, dass Röhl pädophil geworden sei, weil er als Hitler-Junge zu Kriegsdiensten heran gezogen wurde, stützt die noch erst zu beweisende Behauptung Anja Röhls nicht. Auch die Masche, andere behauptete Missbrauchsopfer Röhls als Beweis dafür heran zu ziehen, dass die Missbrauchsbehauptung gegen Röhl stimme, wirft kein gutes Licht auf die Sache. Das Motto, wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, wer einmal pädophil ist, ist es immer, ist nicht mit den Grundsätzen des geltenden Rechts vereinbar, auch nicht mit den Grundsätzen des ordentlichen Journalismus.
Was sagen Sie zum behaupteten Missbrauch durch Ihren Vater Klaus Röhl?
Ich nenne es widerlich, dass meine Halbschwester Anja Röhl, die ich als Werkzeug von Ditfurth sehe und die sich seit einem halben Jahrhundert jammernd und zeternd über ihr Leben beklagt, das sie als Nebenrolle empfindet, sich in dieser Form meint, hervortun zu sollen und dabei nicht bei ihren Leisten bleibt, sondern meine Zwillingsschwester und mich mit herein zu ziehen versucht. Zu den Pädophilievorwürfen äußere ich mich, wenn es tatsächlich um diese Sache geht, und nicht Pädophilievorwürfe als Instrument ideologischer Interessenverfolgung missbraucht werden.
Was haben Sie gedacht, als Sie von der Veröffentlichung erfuhren?
Ich hatte gleich den Verdacht, als ich vorgestern von der Sache vorab erfuhr, dass Anja Röhl einen tatsächlichen oder behaupteten Missbrauch und ihre Story in den Dienst einer langanhaltenden ziemlich fanatischen und ziemlich verbiesterten linksradikalen Strategie einer gewissen Jutta Ditfurth stellt.
Was meinen Sie damit?
Seit Donnerstag morgen geistert eine Mail von Ditfurth durch die Gegend. Ditfurth verbreitet in der Mail die Botschaft, unbedingt den stern-und den taz-Artikel zu lesen. Die taz hat schon einmal die Sau rausgelassen, in dem sie heute spekuliert, dass meine Schwester und ich damals 1970 von einer sozusagen fürsorglichen Mutter Meinhof und ihren "Freunden" von der RAF vor dem pädophilen Vater Klaus Rainer Röhl in Sicherheit gebracht werden sollten und deshalb nach Sizilien heimlich gebracht wurden, um von dort aus in ein palästinensisches Waisenlager oder alternativ zur Meinhof-Schwester Wienke (Angehörige der Roten Hilfen, Angehörigen-Gruppen) gebracht werden sollten, um entweder unter palästinensischer Sonne oder unter dem Schirm des ideologischen Drucks der Meinhof-Schwester aufzuwachsen. Genau das war auch schon Ditfurths Botschaft in ihrem Buch mit Namen "Ulrike Meinhof. Die Biographie", das 2007 erschien.
Was stört Sie an dieser Darstellung Ihrer Mutter?
Dass über die Verschleppung meiner Schwester und meiner Person nach Sizilien schwadroniert und die oben geschilderte Behauptung aufgestellt wird, dass es sich nicht um eine Verschleppung, nicht um einen terroristischen Gründungsakt der RAF, nicht um eine Selbstkriminalisierung der Gruppe handelte, sondern um fürsorgliche Mutterliebe.
Medien spekulieren nun, ob Ulrike Meinhof die Kinder damit vor dem Vater schützen wollte.
Die RAF war keine Kinderhilfsorganisation. Das ist die Geschichtsumschreibung, die Ditfurth zu eigenem politischen Nutzen seit Jahren im Konzert mit einigen Ex-Terroristen (teils selber Täter der Verschleppung) zustande zu bringen versucht. Ditfurth hat im stern 2007 erklärt, dass dieser Punkt essentiell sei, weil mit der Bewertung von Meinhof und der Güte ihres Charakters die öffentliche Rezeption der RAF positiv oder negativ entschieden würde.
Hat sie mit dieser Einschätzung Recht?
Diese Funktion hat Meinhof in der Tat. Allerdings stimmt die Geschichte, die Stefan Aust seit Jahren als jemand, der an der Rettung von meiner Schwester und mir beteiligt war, erzählt, nämlich dass die RAF meine Schwester und mich nach Jordanien in ein Waisenlager verbringen wollte und dies auf hochkriminelle Weise.
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