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Kultur
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15. Januar 2009

"Twilight": Wie Pferdestriegeln

 Von MICHAEL KOHLER
Vampire auf Kuschelkurs im Zwielicht.  Foto: Verleih

Töchter und Mütter unter sich: Catherine Hardwickes Vampir-Schmonzette für junge Mädchen.

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Wenn das mal kein sprechender Name ist: Bella Swan heißt die Heldin dieser ziemlich hinreißenden Vampir-Schmonzette für junge Mädchen, sie trägt im sonnigen Arizona ihre vornehme Blässe mit verlorenem Blick zur Schau. Dann zieht sie zu ihrem geschiedenen Vater in den Norden und sieht gleich wie zu Hause aus. Auch eine Sippe von menschlichen Blutsaugern hat sich in diesem wolkenverhangenen Landstrich niedergelassen und führt, sofern die Sonne nicht gerade scheint, ein abgeschiedenes, aber im Grunde ganz normales Leben. Am ersten Schultag begegnet Bella dann einem seit Jahrhunderten 17-jährigen, der sich freiwillig von tierischem Blut ernährt und aussieht, als sei er gerade aus einem viktorianischen Bravo-Starschnitt herabgestiegen. So bleich, so verführerisch, so ernsthaft und soooo verliebt.

Es ist eher unwahrscheinlich, dass sich in Catherine Hardwickes "Twilight" allzu viele Jungs verlaufen werden. Schon Stephenie Meyers gleichnamige Buchvorlage ist ein geschlechtsspezifisches Phänomen wie Pferdestriegeln oder Tokio Hotel, und die Regisseurin wäre schön blöd gewesen, etwas daran zu ändern. So dreht sich auch bei ihr trotz einer überirdisch-mörderischen Nebenhandlung alles um die erste Liebe und natürlich ist das Ganze ebenfalls auf die Altersstufe der Pre-Teens zugeschnitten. Über Sex wird nicht geredet, geschweige denn, dass er auch nur ansatzweise zu sehen wäre. In die Metaphorik des Vampirismus übersetzt, folgt er den Figuren freilich so beharrlich wie ein Schatten: Bellas Schwarm frisst sie beinahe mit den Augen auf, wagt sich ihr aber nicht zu nähern, weil das seinen mühsam kontrollierten Blutdurst in ungeahnte Höhen schnellen lässt. Offenbar ist dieser wesentlich ältere Galan für unsere Heldin zugleich eine Gefahr und eine Offenbarung und dabei so ritterlich, dass er um ersteres weiß und letzteres nicht an die große Glocke hängt. Klar, dass sich normalsterbliche Jungs sowas nicht antun wollen und Töchter und Mütter deshalb im Kino unter sich sein dürfen.

Trailer "Twilight"

Twilight, Regie: Catherine Hardwicke, USA 2008, 122 Minuten.

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