Für diese Feier wäre der Hauptsitz des Comedy-Imperiums von Thomas Hermanns viel zu klein gewesen. Zum Jubiläum „20 Jahre Quatsch Comedy Club“, das am heutigen Mittwochabend gefeiert wird, reichten die 300 Plätze der „Humor-Zentrale der Hauptstadt“ unter dem Friedrichstadtpalast längst nicht aus. Und auch mit den 7 500 in der Max-Schmeling-Halle konnte der Bedarf kaum gedeckt werden. An der Abendkasse gibt es nur noch Restkarten. Die Ankündigung der „20 besten Comedians aus 20 Jahren Quatsch Comedy Club“ war offenbar eine unwiderstehliche Verheißung auf einen Abend, den man so noch nie erlebt hat.
Mit Dieter Nuhr, Michael Mittermeier, Olaf Schubert, Cindy aus Marzahn, René Marik, Rainald Grebe, Johann König, Sascha Grammel, Atze Schröder und Ingo Appelt treten einige echte Branchengrößen auf. Viele von ihnen können beim Rückblick auf die zwei Jahrzehnte der Pionierarbeit in der Comedy-Wüste Deutschland eigene Erlebnisse beisteuern. So musste Rainald Grebe zu seinem ersten Auftritt im Quatsch Comedy Club, der sich damals noch in Hamburg befand, trampen. Er hatte nämlich kein Geld für die Fahrkarte. Und die 300 Mark Gage gab es ja erst nach der Show. Dieter Nuhr muss heute noch – ein wenig zumindest – darunter leiden, dass Thomas Hermanns ihn mal als den „George Clooney der deutschen Comedy“ ansagte. Es gibt Schlimmeres!
Am Anfang wenig Aussicht auf Erfolg
Die Entertainerin Gayle Tufts, deren Bühnensprache Denglish, ein Mix aus Deutsch und Englisch, auf eine Anregung Hermanns’ zurückgeht, findet die Bezeichnung Quatsch Comedy Club besonders treffend, weil sich für sie tatsächlich ein Clubgefühl eingestellt hat: „Ich bin immer sehr stolz, dass ich von Anfang an Mitglied war.“ Dabei sah es zunächst gar nicht so aus, als hätten sich Thomas Hermanns und einige Freunde da tatsächlich auf einen aussichtsreichen Weg begeben. Schon nach der ersten Quatsch-Comedy-Show in der Kantine des Deutschen Schauspielhauses Hamburg schrieb dessen damaliger Intendant Gerd Schlesselmann an Hermanns schonungslos offen: „Nach dem ersten Abend bin ich der Meinung, dass er nicht mehr wiederholt werden sollte. Der Abend war von der Qualität her so weit entfernt von dem, was wir uns vorgestellt haben, dass wir an eine wesentliche Verbesserung auch nicht mehr glauben.“
Natürlich findet sich dieser Brief als ganzseitige Trophäe im gerade erschienenen Jubiläumswerk „Das große Quatsch Comedy Buch“ von Thomas Hermanns und Christoph Dompke (Henschel Verlag, 19,90 Euro). Wobei Hermanns mit dem Blick zurück durchaus einräumt, dass er den Rausschmiss versteht. Obwohl damals zumindest im ersten Auftritt von Olli Dittrich in seiner heutigen Paraderolle Dittsche kurz echtes Genie aufschien: „Das war so gut, dass klar war, aus dem Mann wird irgendwas.“ Mit Brigitte Nielsen wurde gerade ein Überraschungsgast aus den Anfängen des Quatsch Comedy Clubs zur Dschungelkönigin gekrönt. Thomas Hermanns hatte sie damals nicht eingeladen: „Sie saß plötzlich im Publikum. Alle dachten, sie wäre eine Transe von der Reeperbahn.“ Ihre Zeit im Dschungelcamp kommentiert er so: „Ja, da kann man sich fragen, wem es nach 20 Jahren besser geht.“
Einige der Stars, die aus dem Quatsch Comedy Club hervorgingen, verdienen inzwischen Millionen. Und Thomas Hermanns, der sich gern als „Chefin“ des Hauses bezeichnet, fasst ganz zufrieden zusammen, was er für ein Hauptverdienst seines Clubs hält: „Keiner hat mehr ein schlechtes Gewissen, lustig zu sein.“
Die nächste Fete ist schon in Sicht. Anfang November jährt sich die Eröffnung des Quatsch Comedy Clubs Berlin zum zehnten Mal. Thomas Hermanns moderiert, anders als früher, nicht mehr jede Show selbst, sondern nur noch die TV-Aufzeichnungen, die seit 17 Jahren auf ProSieben laufen. So gewinnt er Zeit für andere Projekte wie das Musical „Kein Pardon“ in Düsseldorf, das er inszeniert hat. Und für seinen ersten Kriminalroman, den er gerade schreibt. Der spielt im TV-Milieu und ermöglicht ihm, einige Fernsehleute so richtig zünftig abzumurksen.
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