Bon anniversaire, Asterix. Du und die ganze Gallier-Clique (außer Falbala und Methusalix latürnich) - Ihr rast seit 50 Jahren als eine barbarische Horde 50-Jähriger durch die Comic-Geschichte. In diesem Monat werdet Ihr auch offiziell so alt, wie Ihr schon immer ausgesehen habt. Glückwunsch. Und ein Dankeschön dafür, dass Ihr schon bald die Welt retten werdet. Die FR hat unwiderlegbare Beweise.
Rechtzeitig zum Fest ist nun Band 34 erschienen: "Asterix & Obelix feiern Geburtstag". Was soll man sagen - genial. Auf den ersten Blick wirkt er eigentlich genauso doof wie sämtliche Asterixe seit, sagen wir mal: "Obelix GmbH & Co. KG" von 1978. Im Jahr zuvor war Haupttexter René Goscinny gestorben, da hatte es ein Ende mit den lustigen Geschichten von den unbeugsamen Galliern. Was folgte, war nicht mehr vergleichbar. Wo immer heute zwei Asterix-Freunde beisammen stehen und lachen, erzählen sie sich garantiert die Geschichte, wie Haarwuchsmittel in Band 1 einen ganzen Römer-Militärstützpunkt zuwuchern lässt. Oder sie zitieren den Korsen Osolemirnix mit versteinertem Gesicht: "Panschnix, Dein Anblick macht mich jubeln!" (Band 20, 1975). Oder sie rufen: "In den See, in den See, mit einem Gewicht an den Füßen!" - die gerechte Strafe für Brotverlust im Käsefondue (Band 16, "Asterix bei den Schweizern", 1973). Das war ja auch lustig. Aber wer zitiert schon aus Werken wie "Asterix plaudert aus der Schule" (2003)?
Im Geburtstagsband zitiert der nach Goscinnys Tod allein verbliebene Zeichner und Texter Albert Uderzo sich selbst, lässt etwa die glücklosen Piraten gratulieren und die alten Ägypter, steckt die Dorf-Helden in neue Identitäten als Graffiti-Sprüher, Jeanne d´Arc oder Mona Lisa. Er spielt sogar selbst mit: Auf Seite 8 tritt Uderzo seinen vorübergehend um weitere 50 Jahre gealterten Helden gegenüber. Obelix haut ihm eine rein. Zu Recht, denkt man, denn die knapp 60-seitige Geschichte hat keinen erkennbaren plausiblen Plot, und jetzt kommt´s: Am Ende des Hefts gibt es noch nicht einmal das traditionelle Wildschweinbankett.
Pardon, dass wir den Schluss jetzt verraten haben - das ist aber unverzichtbar, um zu zeigen, dass da etwas Großes im Gange ist. Seit Wochen schon vermutet die interessierte Weltöffentlichkeit einen Zusammenhang zwischen dem Asterix-Jubiläum und dem Namen des bekanntesten Impfstoffs gegen die sogenannte Neue Grippe: Pandemrix heißt das Mittel. Hat man je von solch einer Bezeichnung für eine Arznei gehört?
Die Frankfurter Rundschau erfuhr exklusiv: Bei Pandemrix handelt es sich in Wirklichkeit um den neuen Gefährten von Asterix, der von Band 35 an mitwirken soll. Dann wird es für den, Entschuldigung, fettleibigen Obelix zu beschwerlich, weiterhin die letzte Bastion des Laissez-faire gegen die zackigen Römer und dergleichen zu verteidigen. Schließlich ändern sich die Herausforderungen: Heutzutage ist der Gallier nicht mehr allein von begriffsstutzigen Kriegstreibern bedroht, inzwischen lauern biologische Gefahren, sprich: Schweinegrippe, im konkreten Fall: Wildschweinegrippe. Daher der Verzicht aufs Bankett am Ende der Jubiläums-Edition - eine Anspielung des 82-jährigen, aber hellwachen Zeichners Uderzo.
Zweifel? Ausgeschlossen. Das beweist doch schon die seit Wochen anhaltende Diskussion über Pandemrix´ Kampf gegen die Schweinegrippe in Deutschland. Pandemrix, so heißt es allenthalben warnend, enthalte Adjuvanzien, wie der Lateiner sagt, zu deutsch: Wirkungsverstärker, auf gut Gallisch: Zaubertrank. Damit ist Pandemrix der geborene Nachfolger von Obelix, der, wie wir alle wissen, ebenfalls Zaubertrank enthält, weil er nämlich einst als kleiner Junge in den Kessel gefallen ist.
Nun nimmt die Geschichte Fahrt auf. Aus den geheimen Manuskripten für "Asterix und Pandemrix befreien die Welt von der Wildschweinegrippe", Heft 35: "Wir befinden uns im Jahre 2009 n.Chr. Ganz Gallien ist von der Neuen Grippe umzingelt. Ganz Gallien? Nein! Ein von unbeugsamen ..." undsoweiter undsoweiter "... und das Leben ist nicht leicht für die heimtückischen Viren, die in den befestigten Lagern Babaorum, Aquarium, Laudanum und Kleinbonum gezüchtet werden, wie auch die Ständige Impfkommission am Robert-Koch-Institut in einer Stellungnahme ..." rhabarber etc.
Einzelheiten müssen noch geheim bleiben, aber am Ende werden Asterix und Pandemrix die Bedrohung in die Flucht geschlagen haben, und dann gibt es, verdammt noch mal, ein Wildschweinbankett, wie sich das für den Schluss eines ordentlichen Asterix-Bandes gehört, und Troubadix soll singen. Oder er soll es zumindest versuchen.
Pandemrix kann dann nach getaner Arbeit übrigens wieder abhauen. Mit den Römern wird Obelix schon noch fertig. Und so dick ist er eigentlich auch gar nicht.
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