Billy Wilder erzählte gern die Geschichte von den guten Filmideen, die ihm angeblich nur im Traum einfielen – und an die er sich am Morgen nicht mehr erinnern könne. Einmal besiegte er das Vergessen mit Papier und Bleistift. Doch alles, was er beim Aufstehen auf dem Zettel fand, war die simple Formel „Boy Meets Girl“. Für den genialen Filmemacher war das eine bescheidene Art zu sagen: Originelle Filmideen werden überschätzt. Einen guten Autor erkennt man vielmehr daran, dass er auch aus der banalsten Genre-Konvention eine meisterhafte Komödie zaubern kann.
Der deutsche Filmemacher Elmar Fischer fand die Ausgangsidee zu seiner romantischen Action-Komödie „Offroad“ in einer Zeitungsmeldung – Wilder hätte das gefallen. Da hatte doch jemand beim Zoll ein Auto ersteigert und darin tatsächlich Unmengen versteckter Drogen gefunden. Damit endete allerdings bereits die gute Geschichte, denn der rechtschaffene Bürger händigte den unverhofften Mehrwert umgehend dem Zoll wieder aus. Nicht so die von Nora Tschirner gespielte Meike. Die frisch gebackene BWL-lerin sieht in dem unverhofften Fund die Chance, dem vorgezeichneten Lebensweg an der Seite eines smarten, aber untreuen Verlobten Adieu zu sagen. Doch fünfzig Kilo Kokain sind schwerer in bare Münze zu verwandeln, als man denkt.
Unbefangener Umgang mit Typisierungen
Ohne dem Fernsehkrimi-erfahrenen Elmar Fischer zu nahe treten zu wollen: Auch „Offroad“ lebt nicht von der Ausgangsidee. Umso schöner ist es zu erleben, wie zuhause man sich in dieser Komödie fühlen kann, wie unterhaltsam sich hier alles fügt. Und wie unbefangen hier jemand mit Typisierungen umgeht, denn jede der drei Hauptfiguren durchschaut man auf den ersten Blick. Aber hat uns das im alten Hollywood jemals gestört?
Da ist zunächst Nora Tschirner in ihrer Paradedisziplin unterschätzter Normalität. Sie hat eine derart natürliche Leinwandpräsenz, dass man sofort versteht, warum sich in „Keinohrhasen“ halb Deutschland mit ihr identifizieren konnte. Dort spielt sie eine Nacktszene auf der Toilette ohne jeden Anflug von Peinlichkeit. Welche Möglichkeiten stecken in einem Star, der dem Klischee des „Mädchens von Nebenan“ mit solcher Selbstsicherheit begegnet? Die Amerikaner haben dafür Sandra Bullock, die Briten Sally Hawkins. Es ist ein Geschenk, wenn es einer Schauspielerin gelingt, die eigene Natürlichkeit auf die Leinwand zu übertragen.
Aber auch Tschirners Filmpartner adeln ihre Rollenklischees mit einem Überschuss an Identifikation. Elyas M’Barek erobert das Herz der Amateur-Dealerin mit dem direkten Charme eines Lebenskünstlers, der dann doch mehr von Waschmaschinen versteht als von Geldwäsche. Und Max von Pufendorf verkörpert als ihr Verlobter zwar alle Gier, die man den jungen Anzugträgern im Finanzsektor nachsagt – aber man nimmt es ihm nicht übel.
Trotz des Titels ist „Offroad“, diese rasante Komödie über die Schwierigkeiten, auf die schiefe Bahn zu geraten, durchaus ein Mainstream-Film. Aber wie schwer ist es, das Genre mit soviel Frische zu bedienen? Hier ist jedenfalls mal eine deutsche Komödie, der man den Erfolg von Herzen gönnt.
Offroad Dtl. 2011. Regie: Elmar Fischer, Drehbuch: Elmar Fischer, Susanne Hertel, Kamera: Philipp Kirsamer, Musik: Ali N. Askin, Darsteller: Nora Tschirner, Elyas M’Barek, Max von Pufendorf, Wolfgang Stumph u. a.; 98 Minuten, Farbe. FSK ab 12.
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