Aktuell: Wochenend-Magazin FR7 | Medikamententests an Heimkindern | Türkei | Flucht und Zuwanderung | USA nach der Wahl
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Kultur
Nachrichten, Kritiken, Interviews aus Kultur, Feuilleton, Literatur, Kunst

22. Januar 2014

Adolf Hitlers Hetzschrift: Streit über „Mein Kampf“-Neuausgabe

Das Buch "Mein Kampf" von Adolf Hitler im Kunstmuseum in Solingen in der Ausstellung "Die verbrannten Dichter".  Foto: dpa

In seiner Hetzschrift „Mein Kampf“ kündigte Hitler die Ermordung der Juden und den Krieg an. Der bayerische Landtag hatte der Staatsregierung aufgetragen, eine kritische Neuausgabe des Buchs zu unterstützen. Doch die fürchtet einen Rufschaden für Deutschland.

Drucken per Mail

Hitlers Propagandabuch „Mein Kampf“ hat knapp 90 Jahre nach der Erstveröffentlichung einen heftigen Streit in Bayern ausgelöst. Weil sie internationale Negativschlagzeilen fürchtet, stellt sich die Landesregierung nun doch gegen die geplante kommentierte Neuausgabe der Hetzschrift. „Das würde zum Schaden unseres Landes ausfallen“, sagte Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) am Mittwoch im Hochschulausschuss. Mit ihrem Nein setzt sich die Regierung über einen einstimmigen Landtagsbeschluss hinweg.

Die kommentierte „Mein Kampf“ Neuausgabe des Münchner Instituts für Zeitgeschichte wird es aber dennoch geben, auch wenn die Landesregierung dem Projekt ihre Unterstützung entzogen hat. Spaenle räumte ein, dass diese ihre Meinung geändert habe. Israelische Politiker bis hin zu Staatspräsident Schimon Peres ebenso wie KZ-Überlebende hätten sich gegen eine Neuausgabe im Staatsauftrag ausgesprochen, begründete er den Kurswechsel.

„Dass das Institut von der Wissenschaftsfreiheit Gebrauch macht und Gebrauch machen wird, ist ebenso selbstverständlich“, sagte der Kultusminister. Bisher hat der Freistaat nach Angaben der Opposition die kommentierte Neuausgabe mit einer halben Million Euro unterstützt - dieses Geld muss das Institut aller Voraussicht nach auch nicht zurückzahlen.

Seit 1945 nicht mehr veröffentlicht

Hitler hatte den ersten Band 1925 herausgebracht, seit 1945 ist das Buch in Deutschland nicht mehr veröffentlicht worden. Denn der Freistaat ist Inhaber der Urheberrechte und verhindert bislang deutschsprachige Neuausgaben. Die Urheberrechte laufen aber im Jahr 2015 aus. Danach kann theoretisch jeder interessierte Verleger das Buch veröffentlichen – läuft allerdings das Risiko von Strafanzeigen wegen Volksverhetzung.

Beim Israel-Besuch im Jahr 2012 von Ministerpräsident Horst Seehofers hatten Politiker bis hin zu Peres und auch KZ-Überlebende Einspruch gegen eine staatliche Hitler-Neuausgabe erhoben. Daraufhin rückte der CSU-Chef von der Unterstützung der kommentierten Edition ab, an der das Münchner Institut seit einigen Jahren arbeitet.

Scharfe Kritik am Kurswechsel kam von der Opposition: „Die Form, in der sich die Staatsregierung über den Landtagsbeschluss hinweg gesetzt hat, ist völlig unangemessen“, kritisierte der Ausschussvorsitzende Michael Piazolo (Freie Wähler). Der frühere Würzburger Oberbürgermeister Georg Rosenthal (SPD) warf der Staatsregierung vor, nicht rechtzeitig das Gespräch mit den KZ-Überlebenden und ihren Familien gesucht zu haben: „Warum fällt das der Staatsregierung erst jetzt ein?“

Spaenle erklärte, auch ihm sei zunächst nicht völlig klar gewesen, welche Reaktionen eine Hitler-Edition im bayerischen Staatsauftrag bei den Überlebenden und ihren Angehörigen auslösen würde. Die Frage sei: „Kann man das den Betroffenen in dieser Form zumuten?“ (dpa)

[ Hat Ihnen der Artikel gefallen? Dann bestellen Sie gleich hier 4 Wochen lang die neue digitale FR für nur 5,90€. ]

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus
Anzeige

Anzeige

Ressort

Kritiken und Nachrichten: Theater, Musik, Literatur, Film und Fernsehen.

Beilage

Literatur-Rundschau

Der Bücher-Winter 2016

Rezensionen der FR-Feuilletonredaktion auf acht Zeitungsseiten. Aus dem Inhalt: Könnte noch gut werden: kluge, virtuose Erzählungen von Terézia Mora. Könnte noch knapp werden: jetzt hurtig Geschenke gekauft – Tipps der Redaktion. Könnte noch regnen: Klaus Reicherts großartiges Buch über Wolken. Nützliche und niedliche Kinderbücher. Die Literatur-Rundschau Winter 2016 als PDF-Reader.

Außerdem noch erhältlich: Die Literatur-Rundschau Herbst 2016 auf zwölf Zeitungsseiten als PDF-Reader.

Times mager

Europa

Von  |
Pius II. ist es, der einen „heiligen Krieg“ zum Anlass nimmt, um das Wort Europa wieder in Umlauf zu bringen.

Das antike Wissen sank ab, bis es in der Welt um 1500 zur Europa-Renaissance kommt. Mehr...

Buchmesse 2018
Volkstänzerin bei einem Festival in Georgien.

Georgien ist Gast der Frankfurter Buchmesse 2018. Vorabbesuch in einem wenig bekannten Bücherland.

Kalenderblatt 2017: 17. Januar

Tag für Tag finden Sie an dieser Stelle einen Rückblick auf Ereignisse, Anekdoten, Geburts- oder Sterbetage, die mit diesem Datum verbunden sind. Foto: dpa

Das aktuelle Kalenderblatt für den 17. Januar 2017: Mehr...

Talkshow-Kritiken auf einen Blick
Videonachrichten Kultur
Kolumne

Briefe des Philosophen Markus Tiedemann richten sich an Menschen extremer Glaubensüberzeugungen. Tiedemann ist Professor am Institut für vergleichende Ethik an der FU Berlin sowie Vorsitzender des Forums Fachdidaktik in der Deutschen Gesellschaft für Philosophie.

Talkshow-Kritiken auf einen Blick

Anzeige

Kulturgeschichte
Karl, der Große

Karl der Große, geboren 748, beherrschte ein Reich, das vom Atlantik bis zur Elbe reichte, von der Nordsee bis Rom. FR-Feuilleton-Chef Christian Thomas beschreibt seine Herrschaft, die Reformen, seine Rolle als Gotteskrieger, die Bedeutung für Frankfurt - und nicht zuletzt derjenigen für Europa.

Teil 1: Bedeutender Mann im Gegenlicht
Teil 2: Sagenhafte Anfänge
Teil 3: Gewalt als Gottesdienst
Teil 4: Die Geschichte mit Karl

Oper
Ganz so schick wie bei den prominenten Vertretern unserer Spezies muss es dann doch nicht immer sein.

Hustenanfälle, Papierknistern, Opernglas ja oder nein - ein kleiner Ratgeber für den gelungenen Opernbesuch.

FR-App und E-Paper

Bei uns bekommen Sie das neue iPad Air von Apple im Paket mit der preisgekrönten FR-App - einschließlich aller FR-Ausgaben im Layout der Zeitung als E-Paper.