Es begann mit einem Sündenfall. So jedenfalls hat Günther Fruhtrunk es im Nachhinein genannt, sich als Künstler auf Aldi eingelassen zu haben. Der Neokonstruktivist schuf 1970 das Bild jener verschoben gegeneinander gesetzten Streifen in Ultramarinblau und Schneeweiß, das bis heute die Plastiktüten von Aldi-Nord ziert – und viele Kollegen ohne Konzernauftrag folgten Fruhtrunk.
Das Ergebnis wird bis zum 19. Februar in der Ludwigshafener Ausstellung „I Love Aldi“ gezeigt.
Ein Riesenkreuz aus Aldi-Tüten
Das Spektrum der 38 Künstler im Wilhelm-Hack-Museum reicht von Thomas Renftmeisters „Aufschnitt“-Installation, für die er Hunderte vakuumverschweißter, blässlicher Wurstsorten am Boden arrangierte, über Iskender Yedilers aufgeblasenes, schwebendes Riesenkreuz, für das Aldi- mit Lidl-Tüten verklebt wurden, bis hin zu Konstantin Voits ausgedachten und doch sonderbar vertrauten Markenlogos.
Die Themen also – die Künstler wie Einkaufswillige wohl gleichermaßen interessieren – sind Qualitätsversprechen und Verpackungsschummel, die Verherrlichung des Billigheimertums und die Frage, was hinter den Fantasienamen der Produkte steckt. Ziemlich oft geht es auch darum, ob das denn „Kult“ sei, diese hässliche Warenpräsentation. Und ob die (bis auf die Tüte!) keinerlei Ästhetik verpflichtete Firmenstrategie nicht genauso demokratisch motiviert sein könne wie die von Ikea; es soll ja nicht nur darum gehen, den Reichtum der Besitzer zu mehren, sondern angeblich auch darum, unbetuchten Kunden breite Konsummöglichkeiten zu eröffnen.
„Aldisierung“ ist längst ein feststehender Begriff – und fast eine Haltungssache, denn der Billig-Wille kann als Widerstand gegen Markenfetischismus verstanden werden.
Unterhosen sind bis heute "Schlüpfer"
Der dergestalt museal bearbeitete Discounter allerdings verzichtet gern auf jede Theorie und jeden Euphemismus. Bis heute steht über den ganzseitigen Zeitungsannoncen karg „Aldi aktuell“, die größte Zudringlichkeit ist die Empfehlung, sich zu bevorraten, und sogar Unterhosen sind hier nie zu Slips geworden, sondern Schlüpfer geblieben.
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