"Ist Gott einholbar?"
Matusche schreibt sein Stück "Van Gogh", abgedruckt in der Zeitschrift Sinn und Form. Hans Prescher vom Hessischen Rundfunk liest, ist fasziniert, und bringt 1969 das Werk in der ARD als Fernsehspiel heraus. Der Film macht den Weg frei für Peter Sodann, der das Stück endlich am Theater in Karl-Marx-Stadt, Matusches letzter Lebensstation, inszenieren kann: Van Gogh als Außenseiter und Besiegter, so wie sich Matusche selbst sah. Ein paar Tage vor seinem Tod am 31. Juli 1973 im Krankenhaus der Stadt, wird er zur Uraufführung gefahren und vermacht seinen Nachlass seinem Freund Sodann. "Ist Gott einholbar?", fragt er. "Mit welchem Reichtum können wir die Erde verlassen? Es ist nicht wahr, dass wir nichts mitnehmen. Das Eigentliche nehmen wir mit, das Große ins Größte."
Als Sodann Alfred Matusches Nachlass sichtet, findet er auf großen Bögen in kalligraphischer Bleistiftschrift die Fragmente eines Werkes, das vom Mittelalter des Walther von der Vogelweide über Leonardo da Vinci, Tilman Riemenschneider, Friedrich von Spee hin nach Schlesien in den Kreis Reichenbach reicht, wo Matusches Großmutter lebte. "Also vermisst hast du mich? Dass mich jemand vermisst!", heißt es da.
Im Sterben merkte der 63-Jährige, wie die Fragmente zeigen: Die Liebe beginnt in dem Moment, da eine Frau sich mit ihrem ersten Wort in unser poetisches Gedächtnis einprägt. Nicht das Wort der harten Mutter war es, es war das der schlesischen Großmutter, bei der er die Kindheit in den Ferien erlebt hatte.
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