Wie etwa The Roots und Freestyle Fellowship seit gut zwanzig Jahren. Die Roots, die mit „Undun“ bereits ihr zwölftes Studio-Album vorlegen, profilierten sich von Anfang an als Live-Band mit Rappern. Freestyle Fellowship verstanden sich dagegen in erster Linie als Wortkünstler.
Ihre jazzig freien Produktionen sollten vor allem eine angemessene Unterlage für die Stimmvielfalt der oft spontan reimenden Ausnahmerapper sein. Schließlich waren sie die Helden der Wettkampf-Bühne des Good Life Cafés in Los Angeles, einem gleichermaßen fluch- wie rauschmittelfreien Ort, an dem sich die gesamte Westküste bis zu Stars wie Snoop Dogg oder Ice Cube traf.
„The Promise“ ist gerade mal ihr viereinhalbtes Werk. Dazu sollte man jedoch wissen, dass Self Jupiter, neben dem auch solistisch brillanten Aceyalone wichtigster Mann der Gruppe, die halben Neunziger im Gefängnis verbrachte, wohin er sich (angeblich wegen Raubüberfällen) auch nach den letzten beiden Produktionen um die Jahrtausendwende wieder bis 2009 verabschiedet hatte. Er sei jung und verschuldet gewesen und habe eben getan, was er tun musste, erklärte er kürzlich knapp der L.A. Times.
Akrobatische Zusammenarbeit
Es wäre schön, wenn man „The Promise“ die Unterbrechungen und Abwesenheiten nicht anhören würde. Auf einigen Tracks kann man über die beinahe akrobatische Zusammenarbeit der vier Originalmitglieder nur staunen, über den rasenden Flow, die wieselnde Geistesgegenwart und den Abwechslungsreichtum, mit denen sie ihre Texte rhythmisieren. Zwischendurch jedoch fehlt es immer wieder am Zusammenhalt, und musikalisch bleiben die Produzenten zu oft hinter den originellen und leichtzüngigen Stimmtexturen zurück.
Es gibt begnadete Highspeed-Tracks wie „We Are“, toll nervsägende Nummern wie „Government Lies“ und mit „Gimme“ eine fantastisch vielseitig gemusterte, dialogische Reimstrecke zu dramatisch gebrochenen Streichern. Aber dann grämt man sich wieder über die müde Countrystimmung von „Popular“, lahmes Synthiequieken zur Klage über abwesende „Daddies“ oder den ältlich unterkomplexen Soul von „Candy“.
Während Freestyle Fellowship eher dem Connaisseur-Ruhm des 93er Albums „Innercity Griots“, einem Meilenstein der Neunziger, hinterher rappen, stehen die Roots seit längerem als allseits hochgeschätzte elder statesmen da. Vor allem ihr Drummer Ahmir „?uestlove“ Thompson wirkt szeneübergreifend als graue Eminenz und moralische Instanz, der Neosouler mit Rucksackalternativen und Chartsmaterialisten verbindet. Seit 2009 spielen die Roots sogar als festangestellte Hausband von Jimmy Fallons überregionaler Late Night Show, und gerade haben sie für „Wake Up!“, ihr Gemeinschaftsalbum mit dem Sänger John Legend, drei Grammys erhalten.
Natürlich klingt das neue album, wie Roots-Alben seit vielen Jahren klingen, organisch, melodisch, druckvoll, reflektiert. Von ihrer Arbeit mit John Legend haben die Roots jedoch offenbar noch ein wenig Songschwung mit in die Produktion genommen. „Undun“ glänzt ebenso als Soul- wie HipHop-Album, was natürlich keine revoltierende Wende beschreibt – immerhin waren sie schon in den Neunzigern maßgeblich an der Entwicklung des Neo-Soul und den wegweisenden Alben von D’Angelo und Erykah Badu beteiligt. Aber die Konsequenz, mit der sie die beiden Sphären auf Albumlänge verschmelzen, ist ziemlich erhebend.
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