Aber dieser Aufwand trägt zwei, drei Monate, dann muss das Buch von selbst laufen - oder es verschwindet in der Versenkung. Von selbst verkauft sich ein Buch nur, wenn die Leute es so gut finden, dass sie es erstens zu Ende lesen und zweitens weiterempfehlen - und drittens verschenken.
Und da kommt die Qualität ins Spiel - auch wenn sich die Vorstellungen der Feuilletons da stark von denen der Käufer unterscheiden. Mich wurmt, dass Ratgeber-Bücher von den meisten Kulturjournalisten verallgemeinernd als oberflächliche Unterhaltungslektüre abgetan werden. Dabei war doch schon das Buch der Bücher ein Ratgeber: Vor Jahrhunderten haben sich die Menschen der Bibel zugewandt, wenn sie Rat suchten. So neu ist das also nicht. Neu ist nur, wie viele Ratgeber es für jeden Lebensbereich gibt: Controlling im Alltag, Fliegenfischen in Australien, Feng Shui für Anfänger ... Am erfolgreichsten sind stets jene Titel, die mit minimalen Methoden maximale Wirkung versprechen. Bestes Beispiel: "Simplify Your Life" von Werner Tiki Küstenmacher. Sein Simplify-Konzept gibt es auch speziell für Eltern, Praktikanten und Hundehalter - man kann auch Seminare belegen oder den Simplify-Beratungsdienst kontaktieren. Ob Sie es glauben oder nicht: Küstenmachers neuester Streich heißt "Biblify your life".Wie herrlich wäre es doch, wenn ein einziges Buch Ordnung in unser Leben bringen könnte? Ein ebenso anziehendes Versprechen: "Schlank im Schlaf". Da muss noch nicht mal was Schlaues drinstehen - allein die Idee ist genial. Vielleicht sollte ich als Nächstes das Buch "Schlau beim Duschen" schreiben - wäre garantiert ein Bestseller. Ob die Leute solche Leitfäden wirklich lesen, steht ohnehin auf einem anderen Blatt. Vermutlich trösten sich viele damit, schon mal den richtigen Ratgeber gekauft zu haben. Dass sie das tun, kommt wiederum dem Autor zugute.
Damit sind wir beim Geld. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass ein Erfolgs-Ratgeber nicht genug abwirft, um sich gleich zur Ruhe setzen zu können. Für viele Autoren ist ein Platz in der Bestseller-Liste zunächst nur eine Chance, ihren Namen zu einer Marke zu machen. Ich als Arzt kann zum finanziellen Erfolg nur sagen: Eine gut gehende radiologische Praxis ist auch nicht zu verachten.
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