Der Produzent als Autor: Wie schwer tut man sich in Deutschland immer noch mit dieser schönen Selbstverständlichkeit. Claude Berri war in Frankreich hoch respektiert als Übervater eines auf Erfolg bedachten Qualitätskinos, das er selbst als Regisseur von Kassenschlagern wie "Germinal" oder "Jean de Florette" vorexerziert hatte. Dass sein Herz aber stets auf beiden Seiten schlug, der kommerziellen wie der kunstverliebten, versöhnte zugleich die französische Filmkultur: Was hatten die jungen Kritiker der Cahiers du cinéma einst gewettert gegen jenes Qualitätskino, wie es Berri dann später hochhielt! Und doch blieb da auch die Begeisterung des Kritikers Truffaut für Berris Regiearbeit "Der alte Mann und das Kind" (1967) und dessen nuancierte Zeichnung der Besatzungszeit.
Schwer fiel diesem Meister aller K(l)assen der Abschied vom Regiestuhl nach einem Schlaganfall im Jahre 2006. Als Produzent aber hatte er bis zuletzt ein Händchen für die knappe Schnittmenge zwischen Publikums- und Kritikergeschmack: Erst im vergangenen Jahr lachte die halbe Welt in "Willkommen bei den Sch'tis" über das harte Los eines Südfranzosen, den es in den kalten Norden verschlägt.
Der Produzent Berri schien in jedem Klima den richtigen Wind zu spüren. Wie sonst investierte ein und derselbe Mann erfolgreich in die Asterix-Serie (nur der jüngste Film der Serie floppte) und einen zweieinhalbstündigen Familienfilm über marokkanische Migranten, die ein Lokal eröffnen? Genau besehen kann aber gerade dieser liebenswerte Film, "Couscous mit Fisch", Berris Film-Philosophie erklären: Auch die Kunst ist eben ein Spektakel, und eine halbstündige Familiendebatte am Mittagstisch vielleicht aufregender als eine Verfolgungsjagd in einem Actionfilm bei der Konkurrenz von Luc Besson. Spektakel im positiven Sinn des Wortes waren auch seine Produktionen "Der Bär", "Der Liebhaber" oder "Die Bartholomäusnacht". Und dann versteht man auch, warum Claude Berri sich auch einem anderen Posten mit Leidenschaft verschrieb: Als Präsident der Cinémathèque Française hütete er das Allerheiligste der Pariser Cinephilen. Und welcher Erfolgsproduzent hätte sonst noch im Alter eine Galeristenkarriere eingeschlagen? In seinem Espace Berri im Pariser Marais-Viertel zeigte dieser Herr über das Bilderreich unter anderem den provokanten US-Künstler Paul McCarthy.
Am Montag ist Claude Berri 74-jährig in Paris an einer Hirnblutung verstorben.
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