Krzysztof Pendereckis Musik ist einem Millionenpublikum bekannt, sein Name dürfte dennoch vielen seiner Hörer wenig sagen. Denn in den Horrorfilmen "Der Exorzist" und "Shining" wurden Gruseleffekte dadurch gesteigert, dass sie mit Musik des polnischen Komponisten unterlegt wurden.
Lobende Worte findet Penderecki, der am Sonntag 75 Jahre alt wird, vor allem für Stanley Kubricks Arbeit. Kubrick habe in "Shining" Fragmente seiner Musik sehr kunstvoll mit Geräuschen gemischt. Diese Aussage dürfte bei vielen Komponistenkollegen ein Aufheulen auslösen. Doch Krzysztof Penderecki, der zu den meistaufgeführten lebenden Komponisten Europas zählt, ist Kritik bis hin zu Anfeindungen gewöhnt.
Seit er sich Ende der 60er Jahre mit seiner Lukas-Passion nachdrücklich von den damals herrschenden Klangvorstellungen der europäischen Avantgarde löste, muss er sich aus der konsternierten Fachwelt bisweilen böse Schmähungen gefallen lassen; auch machte der Spottname "Penderadetzky" seither die Runde.
In jenen Jahren der Abkehr war der 1933 im südpolnischen Debica geborene Krzysztof Penderecki gerade über 30 Jahre alt, zählte aber schon zu den Etablierten unter Europas Komponisten. Begonnen hatte seine internationale Karriere mit einem Paukenschlag. 1959 schickte er als Assistent des Fachbereiches Komposition an der Krakauer Musikhochschule drei eigene Werke anonym zu einem Wettbewerb und belegte damit die Plätze eins bis drei.
Der häufig kritisierte Penderecki spart seinerseits auch nicht mit deutlichen Worten in Richtung seiner Kollegen. Die europäische Avantgarde sieht er an einem Endpunkt ihrer Entwicklung. Er glaube, so erklärte er dieser Tage in einem Interview, dass der Impuls für die Erneuerung der Musik aus den Ländern des Fernen Osten kommen müsse. In Japan und noch mehr in China gebe es eine sehr dynamische Kompositionsschule, dort werde europäische Avantgarde nach langer Verbotszeit neu entdeckt. Aus jener unverbrauchten Region komme ein neues Zeitgefühl und, anders als in Europa, stehe in der Musik nicht der Rationalismus im Vordergrund.
Sein eigenes großes Ziel aber sei es, erklärte der Dirigent und Komponist, seinen eigenen Zyklus der großen Werke mit einer neunten Symphonie abzuschließen. Penderecki: "Neun ist für einen Symphonie-Komponisten eine magische Zahl".
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