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Ausstellung "Macht zeigen": Ein buntes People-Magazin

Die Ausstellung "Macht zeigen" im Deutschen Historischen Museum verfehlt ihr Thema. Die Macht wird nicht gezeigt. Sondern die Mächtigen. Von Arno Widmann

Guido Westerwelle grinst unter  Norbert Biskys Treffer.
Guido Westerwelle grinst unter Norbert Biskys "Treffer".
Foto: Markus Wächter, vg bild-kunst

Die Ausstellung heißt "Macht zeigen". Sie zeigt uns, wie Kunst und Berliner Republik miteinander umgehen. Sie vergisst darüber nicht die Frankfurter Wirtschaftsmacht. Einer der Glanzpunkte der Ausstellung ist Clegg & Guttmanns Triptychon "The Board", das 2007 entstand und drei Mitglieder des Vorstandes der Deutschen Bank zeigt. Die Fotos haben Holbein-Qualitäten, und dadurch, dass die Einzelporträts zu einem Triptychon zusammengespannt werden, gewinnen sie etwas Sakrales. Man versteht sofort, dass die Herren Kopper, Breuer und von Heydebreck begeistert waren von dieser Art von Repräsentation. So begeistert, dass sie das Bild in Image-Kampagnen der Bank einsetzten.

Man versteht nicht, dass Clegg & Guttmann daran Anstoß genommen haben sollten. Die Ironie, die in der Sakralisierung ja auch liegt, kann man man problemlos übersehen und das Bild als Verklärung der eigenen Person lesen. Clegg & Guttmann bedingten sich auch bei diesem Auftrag das Recht aus, zwei Varianten der Arbeit bei sich behalten, ausstellen und veröffentlichen zu dürfen. Der Künstler ist also nicht völlig abhängig vom wechselnden Wohlwollen seiner Auftraggeber.

Guido Westerwelle wird dagegen gezeigt vor dem Bild "Treffer" von Norbert Bisky. Den Kopf gesenkt. Demütig könnte man denken, wenn einem dieses Wort im Zusammenhang mit Westerwelle einfiele, und auch nur, solange man nicht näher an die Aufnahme herangeht und Westerwelles Grinsen bemerkt. Das Foto Markus Waechters, entstanden im Jahre 2000, zeigt den Politiker in einem Jungenkörper. Er trägt nicht den Anzug, den Dreiteiler gar, die Uniform der Macht, sondern casual look, der Dynamik und Bereitschaft signalisiert, bei bester Laune Risiken einzugehen.

Spätestens hier begreift der Besucher, dass die Ausstellung ein wenig naiv Kunst und Politik trennt. Das kulminiert in einem der an den Wänden zu lesenden Sätze von Bazon Brock, demzufolge Repräsentanten der Macht vor schwieriger moderner Kunst "geradezu stolz" demonstrieren, "dass sie hinreichende psychische Stabilität besitzen, mit dem Chaos, dem Unsinn, den Beliebigkeiten in den Werken der Künstler spielend fertig zu werden".

Kunst und Macht - ein deutscher Sonderweg?

Bildergalerie ( 7 Bilder )

Chaos, Unsinn, Beliebigkeit - wer das für genuin Künstlerisches hält, der hat keine Ahnung von Wirtschaft und Politik. Ich glaube nicht, dass es ein größeres Wirtschaftsunternehmen gibt, in dem es auch nur annähernd so vernünftig zugeht wie im Kopf eines Gerhard Richter. Der Krefelder Schamane Joseph Beuys war klarer, logischer als irgendein Vorstand eines Dax-Unternehmens. Die in dieser Ausstellung vorgetragene Idee, Kunst sei das Kreative und Wirtschaft und Politik das Bürokratische, ist nicht nur naiv, sondern falsch. Man werfe einen Blick auf das Adenauer-Porträt des alten Kokoschka. Es ist von einschläfernder Konventionalität. Adenauer dagegen hat damals die Grundlagen eines demokratischen Sozialstaates gelegt. Die größte Kulturleistung des 20. Jahrhunderts.

Wer freilich daran erinnert werden möchte, dass Gerhard Schröder sich gerne mit Immendorf und Lüpertz umgab, der kommt hier auf seine Kosten. Wer den Kanzler Schröder auf den Baselitz-Adler hinter seinem Amtsschreibtisch blicken sieht, der mag sich Gedanken darüber machen, dass der auf dem Kopf stehende Adler einer sein könnte, der sich nicht anmerken lassen möchte, dass er abstürzt. Ob Schröder jetzt russische Maler in ihren Ateliers besucht? Die Blauen Nasen gar? Oder doch lieber Ilja Glasunow?

Dass die Macht sich der Kunst bedient, gehört zur Kunst wie auch die Kunst, sich dem immer wieder mehr oder weniger geschickt zu entziehen. Die Ausstellung im Berliner Zeughaus ist ihrem Gegenstand zu nahe, um interessant zu sein. Sie erinnert den Zeitung lesenden Mitbürger an die Dinge, die er kennt oder kannte. Sie fügt dem wenig hinzu.

Zur Selbstdarstellung der Berliner Republik, des neuen, des erstarkten Deutschland gehören nicht nur das Kanzleramt und Kohls Kampf um die Kollwitz in der Neuen Wache, sondern natürlich auch der Potsdamer Platz und das Holocaustmahnmal. In den letzten zwanzig Jahren hat sich die Bundesrepublik umdefiniert. Dabei wurde "Kunst als Herrschaftsstrategie" - so der Untertitel der Ausstellung - mit Elan und viel Geld eingesetzt. Wer über diese Vorgänge Aufklärung erwartet, den wird die Ausstellung im Deutschen Historischen Museum in Berlin enttäuschen. Sie befindet sich im 2003 von Ieoh Ming Pei fertig gestellten Erweiterungsbau. Er ist selbst eines der zentralen Statements dieses "Wir sind wieder wer" der Berliner Republik.

Das macht es einem fast schon verständlich, dass diese Ausstellung sich kapriziert auf die Mächtigen auf oder vor den Bildern. Eine Verniedlichung der Thematik. Die ist aber selbst auch ein Teil des Zustandes der Republik. Alles muss hinunter aufs Persönliche gebrochen werden. Das People-Magazin als Ort der Selbstverständigung einer Gesellschaft. In diesen Trend passt diese Ausstellung. Die Macht wird nicht gezeigt. Sondern die Mächtigen. Und indem sie sich zeigen, zeigen sie, dass sie die Mächtigen sind.

Deutsches Historisches Museum Berlin: bis 13. Juni. www.dhm.de

Autor:  Arno Widmann
Datum:  25 | 2 | 2010
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