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Ausstellung in Frankfurt: Technik und Triumphzug

Er ließ graben und grub selbst. Zum 150. Geburtstag Wilhelms II. geht eine Ausstellung im Archäologischen Museum Frankfurt der besonderen Beziehung Wilhelms zum Altertum nach. Von Judith von Sternburg

Auf einem Pferd sitzend ist Kaiser Wilhelm II. bei einem Besuch in der Saalburg zu sehen.
Auf einem Pferd sitzend ist Kaiser Wilhelm II. bei einem Besuch in der Saalburg zu sehen.
Foto: dpa

Kaisers Devise steht auch über der kleinen Ausstellung, die seit heute im Archäologischen Museum Frankfurt anzusehen ist: Die Archäologie, antwortete Wilhelm II. auf die Frage, was ihn daran fasziniere, sei "aufregend wie die Pürsche auf einen Zwanzigender".

Und während die einen schon damals darüber spotteten, stellten sich die anderen darauf ein. Sie sorgten dafür, dass dem Herrscher Hirsche vor die Flinte liefen; und sie sorgten dafür, dass bei Besuchen an Ausgrabungsstätten interessante Stücke auftauchten, ohne dass der kaiserliche Spaten Unheil anrichtete. Im Idealfall wurde nichts dem Zufall überlassen und ein präpariertes Stück aufgefunden, das Majestät die besondere Bedeutung einer Ausgrabung vor Augen führte (und also ihre Förderungswürdigkeit - der Kaiser unterscheidet sich hier nicht wesentlich von einem engagierten Angestellten einer Sparkassenstiftung). Dem Humor der Hohenzollern entsprechend wurden manchmal auch aus Schokolade geformte Objekte versteckt. Beim "Abwaschen" der sich auflösenden Funde gab es ein tolles Hallo.

In Wilhelms Interesse an Archäologie, das macht die von Wolfgang Löhlein und Vize-Direktor Peter Fasold eingerichtete Schau in Wort und Foto deutlich, treffen diverse Stränge zusammen: Kaisers Überzeugung, dass frühere Zeiten die größeren waren; aber auch seine Technikbegeisterung; sein mit den deutschen Eliten geteiltes Minderwertigkeitsgefühl, beim Kampf um den Weltkuchen gegenüber England und Frankreich zu kurz zu kommen; aber auch sein Größenwahn, letztlich nicht weniger zu sein als der rechtmäßige Nachfolger der antiken römischen Kaiser. Für die Rekonstruktion des Römerkastells Saalburg ließ er neueste Vermessungstechnik einsetzen, um sich bei der Grundsteinlegung als Imperator in einem Triumphzug zu inszenieren.

Die Archäologen machten Spektakel und Hobbygebuddel gerne mit. Auch ließen sie sich bereitwillig als Experten für die politischen Verhältnisse in fernen Landen einsetzen (allerdings mäßig erfolgreich). Bei aller Skepsis kommt auch Museumsdirektor Egon Wamers nicht umhin, den "Dispositionsfonds" zu loben, der zu Kaisers Zeiten für Ausgrabungsprojekte bereitgestanden habe.

Dem Besucher der Schau unterdessen tritt vor allem der Aspekt der doppelten Vergangenheit lebhaft vor Augen. Unter anderem sind vorzügliche Kopien aus den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg zu sehen, etwa der Nofretete oder der so genannten Maske des Agamemnon - Kopien, die schon wieder Originale sind, nämlich Originale aus dem Wilhelminismus, der unsere Vorstellungen von der Antike mitprägt. Wie auch die nachgebaute Saalburg ein Denkmal des Wilhelminismus ist, das bis heute in dieser Form erhalten wird. Als Schülern aber wurde uns darüber leider nichts erzählt.

Auch der Kaiser wollte es nicht zu genau wissen. Seine 1913 "den Norwegern" geschenkte Fridtjov-Statue - ein nordischer Held in Siegfried-Pose - belegt, wie bescheiden das geistige und ästhetische Resultat seiner Vergangenheitsbegeisterung letztlich war.

Archäologisches Museum Frankfurt: bis 6. September. 7. Juni, 11 Uhr, Führung mit Peter Fasold. www.archaeologisches-museum.frankfurt.de

Autor:  Judith von Sternburg
Datum:  5 | 6 | 2009
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