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Ballett Wiesbaden: Der Wolf und die böse Fee

Das Wiesbadener Ballett hat es nicht eilig mit den "Grimms Märchen für Eilige" ist der nicht sehr glückliche Titel für drei Choreografien von Yuki Mori, Mirko Guido und ihrem Chef Stephan Thoss. Von Sylvia Staude

An den Haaren herbei in das Märchen gezogen.
An den Haaren herbei in das Märchen gezogen.
Foto: Martin Kaufhold

Das Wiesbadener Ballett ist nicht das einzige, das dreiteilige Abende unter ein Motto zwingen zu müssen meint. Doch es hat sich die zusätzliche Mühe gemacht, eine verbindende Figur einzuführen: Zoran Markovic schreitet als "Ein Mann" aus dem Orchestergraben, sammelt große dicke (Märchen-)Bücher ein oder staunt über das Gewusel von Schneewittchen, Frau Holle, Hänsel und Gretel, dem Froschkönig, dem bösen Wolf und vielen anderen. Im ersten Teil bleibt er freilich ein Fremdkörper und in den beiden anderen hätte man ihn auch nicht gebraucht, obwohl er am Ende wenigstens ein kraftvolles Solo bekommt.

"Es war einmal ... Grimms Märchen für Eilige" ist der nicht sehr glückliche Obertitel für drei Choreografien von Yuki Mori, Mirko Guido (beide sind Ensemblemitglieder in Wiesbaden) sowie ihrem Chef Stephan Thoss. Denn Yuki Mori hat zu Musik des zeitgenössischen türkischen Komponisten Fazil Say ein stilles, dunkles Tanzstück geschaffen, das mit einer Tänzerin (anrührend: Kihako Narisawa) eröffnet, die nur ein Unterhöschen anhat und ausgesetzt scheint in einer kalten, düsteren Welt.

Dünne Lichtbänder, hängende Stäbe, vier herbe erdfarbene Masken machen die Bühne auch nicht freundlicher (Bühnenbild für alle drei Teile: Till Kuhnert, Kostüme: Carmen Maria Salomon). Vier Menschen begegnen sich nach dem Eröffnungssolo in einer recht konzentrierten Choreografie, die an Märchen aber nicht denken lässt.

Mirko Guido, zweiter Teil, scheint dann das Motto des Abends an den Haaren in sein Stück geschleift zu haben. Man hat das Gefühl, dass auch er gerne einfach Paare, Passanten, kurze Begegnungen choreografiert hätte. Doch eine Großmutter musste auch noch her - Sandro Westphal in einer Karnevalsrolle -, die ihrer Enkelin partout kein Märchen vorlesen will. Sondern sich lieber selbst was ausdenkt. Diese "Geschichte" aber ist weit von einer Handlung entfernt, so dass es leider ziemlich knirscht, wenn Oma/Enkelin auf die anderen Figuren treffen.

Erst Stephan Thoss erfüllt die Erwartungen an einen Abend dieses Titels. Zwischen großen Pappnachbildungen von Krone, Spindel, Fisch, Frosch, Schlosstor tummelt sich eine Fülle von wunderbar detailreich und verspielt eingekleideten Märchenfiguren. Die tun nicht unbedingt, was man von ihnen erwartet, aber das mit Hingabe.

Das Sterntaler-Mädchen hebt ihr Kleid immer am falschen Ort, während es anderswo golden rieselt. Rotkäppchen ist kess und frühreif, Hänsel und Getel sind kess und strohblond. Die böse Fee geht dem Wolf an die (Leder-)Wäsche. Schneewittchen - mit herrlicher Zipfelmützenschleppe - will endlich auch einen Prinzen abbekommen. Thoss schickt gleich drei ins Rennen, von cool bis etepetete. Ein paar wirklich sexy Pas de deux gibt es da zu sehen (die Märchen und ihr Subtext!). Streckenweise herrscht aber Unübersichtlichkeit und buntes Übermaß. Teil drei ist - auch dank der Musik von Jacques Offenbach - trotzdem herzhaft unterhaltsam und ein munterer Rausschmeißer in die Februarnacht.

Staatstheater Wiesbaden: 25. Februar, 11., 14., 15., 22. März. www.staatstheater-wiesbaden.de

Autor:  Sylvia Staude
Datum:  18 | 2 | 2010
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