Unsere Autorin Judith von Sternburg beantwortet die wichtigsten Fragen rund um den Opernbesuch wie "Wann darf ich applaudieren?", "Was ziehe ich an?" oder "Darf ich nach einer Zugabe rufen?"
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Wer Anfang der 80er Jahre im Staatstheater Wiesbaden abonniert war, kennt sie noch, die älteren Damen, die zur weißen Bluse den langen schwarzen Rock trugen. Alles vorbei. Karohemden sind kein Tabu mehr. Viele Menschen machen sich für die Oper jedenfalls nach wie vor hübsch.
I wo. Ahnungslose sind in der Oper in guter Gesellschaft. Vorkenntnis ist hier allerdings genusssteigernd. Es gibt Musik, die man, hört man sie bloß einmal, gleich keinmal hören kann.
Nein. Jedenfalls ist es weit besser, als während der Vorstellung darin herumzublättern (Achtung, man hört Sie!), sich von der Begleitung die Handlung simultan erzählen zu lassen oder mitten im Akt mit großem Hallo die Übertitel zu bemerken. Wird „La Bohème“ gespielt, ist es eine Spur peinlich, die Zusammenfassung im Programmheft zu lesen. Halten Sie es dann so, dass offenbleibt, ob Sie nicht gerade das original Pariser Baguetterezept studieren (Deutschland, deine Programmhefte).
Den fremden Nachbarn unaufdringlich zu grüßen, ist kein Fehler, immerhin muss man sich für zwei bis fünf Stunden im Dunkeln die Armlehne teilen. Wichtiger ist jetzt aber: im Bedarfsfall ein Hustenbonbon auszuwickeln, eine Emser Pastille aus dem Tablettenblatt zu drücken und das Papiertaschentuch aus der Plastikhülle zu ziehen. Merke: Was jetzt sanft knispelt, wird zum Knattern, sobald die Musik spielt. Merke vor allem: Die das Knattern verursachende Person hört das selbst nicht. ABER ALLE ANDEREN HÖREN ES. Ein akustisches Phänomen.
Wenn der erste Ton erklingt UND/ ODER der Vorhang aufgeht. Es gilt jetzt sofort das Sprechen und Handtaschen-Grabbeln einzustellen. SOFORT. Ohnehin bekommen nun die ersten Leute ihre ersten Hustenanfälle.
Nein. Unter reden ist auch flüstern, wispern, leise reden, mit sich selbst reden, mit dem süßen eigenen Kind reden, seufzen, beten, mitsingen, mitsummen zu verstehen, sowie Interjektionen aller Art (Ah, Oh, Huch, Hi, Puh, Uff). Die meisten denken, sie reden doch ganz leise, manchmal müssen sie dann sogar lauter reden, weil ihr Nachbar sie gar nicht verstehen kann. ABER ALLE ANDEREN HÖREN ES.
Selbstverständlich, wenn Sie eins haben. Aber Sie werden es im letzten Moment ohnehin zu Hause liegen lassen. Oder mit Ihrer Tasche an der Garderobe abgeben. Oder vergessen, es zu benutzen. Oder es verleihen und nie wiedersehen. Operngläser – ein dunkles Kapitel.
Nein. Das Essensangebot ist wegen der Strapazen aber häufig reichhaltiger. Beim Schlingen der Suppe können Sie jetzt alle Witze über die Inszenierung anbringen, die Ihnen zwischendurch eingefallen sind. ABER SIE HABEN WÄHREND DER VORSTELLUNG JA NICHT GEREDET.
Bevor Sie ersticken, dürfen Sie selbstverständlich husten und sich schnäuzen. Die Vorstellung ist aber gar keine gute Gelegenheit, sich einmal so richtig freizuhusten und auszuschnäuzen. Auch wenn sich dieser Eindruck bisweilen aufdrängen kann.
Nein.
Schwieriges Thema. Verdi wollte keinen Zwischenapplaus, schrieb aber Arienschlüsse, die nach Beifall jiepern. Wagner wollte beim „Parsifal“ vor lauter Heiligkeit gar keinen Applaus, war dann aber tödlich beleidigt, als keiner klatschte. Zwischenapplaus gilt Puristen als unschicklich. Andere liefern sich einen scharfen Wettbewerb darum, wer als Erster losklatscht. Ernsthaft. Offenbar meinen die Eifrigen, so nachweisen zu können, dass sie wissen, wann die Arie vorbei ist. Hier sind peinliche Irrtümer aber nicht ausgeschlossen. Dann wird gezischt!
Rufen Sie dann notfalls wenigstens „Da capo“. Aber in einer anständigen Oper werden Sie das niemals bekommen. In Italien hingegen schon. In Italien wird unter Umständen sogar eine Arie wiederholt. Ach, Italien.
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