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28. November 2012

Bibliothekar: „Unser Beruf verändert sich drastisch“

Dr. Klaus-Rainer Brintzinger ist Vorstandsvorsitzender des Vereins Deutscher Bibliothekare.Foto: vdb

Trotz Digitalisierung sieht Klaus-Rainer Brintzinger, Vorstandsvorsitzender des Vereins Deutscher Bibliothekare, seine Berufsgruppe nicht vom Aussterben bedroht. Allerdings müssen sich die Bibliothekare großen technischen Herausforderungen stellen.

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Herr Brintzinger, am Mittwoch wurde die Deutsche Digitale Bibliothek vorgestellt. Führt die Digitalisierung dazu, dass die normalen Bibliotheken bald zumachen?

Nein. Wir halten es für eine wichtige Aufgabe, all das, was wir über Jahrhunderte gesammelt haben, unseren Nutzern auch orts- und zeitunabhängig zugänglich zu machen. Alle großen Bibliotheken beteiligen sich an der Digitalisierung ihrer Bestände.

Befürchten Sie denn nicht Mittelkürzungen und Entlassungen?

Nein, die Digitalisierung erfordert im Gegenteil sehr viel mehr Personal. Und was die Besucherzahlen angeht, beobachten wir gerade ein erstaunliches Phänomen: Auf der einen Seite wünschen sich die Nutzer, unsere Bestände online nutzen zu können. Andererseits platzen unsere Lesesäle aus allen Nähten. In der Universitätsbibliothek München, die ich leite, mussten wir daher unsere Öffnungszeiten deutlich erweitern.

Woran liegt das?

Die Bibliothek hat als Ort eine neue Attraktivität gewonnen. Wir stellen fest, dass vor allem die Hochschulbibliotheken immer mehr Studierende anziehen, die in dieser fast klösterlichen Atmosphäre gemeinsam lernen und arbeiten wollen.

Mittlerweile gibt es Ausleihautomaten. Werden Bibliothekare noch gebraucht?

Unser Berufsbild ändert sich im Augenblick ganz drastisch. Der Bibliothekar wird immer mehr zu einem Beruf der digitalen Medienbranche, der ohne fundierte IT-Kenntnisse nicht mehr auskommen wird. Wir müssen uns ständig schulen und fortbilden.

Wie war das denn vorher?

Bis vor etwa zehn Jahren konnte man eine Bibliothek nur nutzen, indem man Zettelkataloge wälzte und deren „Sortierfolge“ kannte. Das wussten nur Bibliothekare. Heute muss sich niemand mehr darüber Gedanken machen, da alle Kataloge längst elektronisch vorliegen.

Wie sieht denn die Zusammenarbeit mit Google Books aus?

Meine Münchner Universitätsbibliothek arbeitet nicht konkret mit Google zusammen. Das macht vor allem die Bayerische Staatsbibliothek. Aber soviel kann ich sagen: Ohne diese Zusammenarbeit hätten gerade solche großen Mengen an Büchern gar nicht digitalisiert werden können.

Ist an der Verlagerung der Bestände ins Internet denn überhaupt nichts zu kritisieren?

Wir fordern mehr Klarheit im Urheberrecht. Insbesondere ist ein spezielles Wissenschafts-Urheberrecht erforderlich. Oft treten Wissenschaftler die Rechte an ihren Veröffentlichungen an Verlage ab. Diese wiederum verkaufen die Bücher zu hohen Preisen an die Bibliotheken. So bezahlt die Wissenschaft doppelt. Wir fordern angemessene Preise für wissenschaftliche Publikationen. Ansonsten ist die Digitalisierung eine Aufgabe, die wir alle zu bewältigen haben. Wir müssen dabei sicherstellen, dass unsere Nutzer die Schätze auch finden können, die wir im Internet bereit stellen.

Das Gespräch führte Felix Brumm.

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