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Bilanz der Buchbranche: Die digitale Welle rollt nur langsam

Der Buchbranche geht es gut. Jedenfalls nicht schlecht. Genauer gesagt: 2009 ging es ihr erstaunlicherweise etwas besser als 2008, und schon da war alles in Ordnung. Von Christoph Schröder

"Der Umsatztrend im Buchhandel hält sich auf sehr hohem Niveau", wie Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, es nun in Frankfurt bei der Vorstellung der Bilanz für das Jahr 2009 formulierte.

Um 0,8 Prozent stieg der Umsatz auf 9,69 Milliarden Euro; exakt ein Drittel davon entfällt auf den Bereich der Belletristik, die ihren Anteil deutlich steigerte. Weiterhin steigend ist auch der Anteil des Internet-Buchhandels, der bei 1,5 Milliarden pro Jahr liegt. Und auch dass die mittleren und kleinen Sortimenter unter der zunehmenden Konzentration von Marktriesen wie Hugendubel oder Thalia zu leiden haben, ist nichts Neues.

"Das Spektakuläre an dieser Bilanz ist das Unspektakuläre", sagte Börsenvereins-Schatzmeister Jürgen Horbach. Dennoch gibt es einige Trends, die es für die Branche zu beobachten gilt: Ein ewiges Problem beispielsweise ist das Ungleichgewicht zwischen ins Deutsche übersetzten Titeln und verkauften Auslandslizenzen. 6800 Bücher wurden 2009 aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt; den umgekehrten Weg gingen lediglich 330 Titel. Ähnlich, wenn auch nicht ganz so signifikant, sehen die Zahlen in Bezug auf Frankreich oder Italien aus. Die Gesamttitelproduktion sank auf 93 124.

Und dann ist da noch die große Unbekannte, die im Hintergrund lauert, ohne dass ihre Wirkung auch nur annähernd prognostiziert werden könnte - "die digitale Revolution", wie Börsenvereins-Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis den langsam anrollenden Markt mit E-Book-Titeln nennt. Nicht einmal ein Prozent machten 2009 die Umsätze auf der vom Börsenverein installierten Downloadplattform "libreka!" aus, wo zur Zeit 24 000 Titel angeboten werden. In den USA liegt der Marktanteil der E-Books mittlerweile bereits bei fünf Prozent.

Dennoch betrachten Honnefelder und Skipis die Regelung der Urheberrechtssituation im World Wide Web als eine der zentralen Herausforderungen der kommenden Jahre: "Freiheit im Netz kann Freiheit von Gesetzen heißen", so Skipis. Und Honnefelder sieht einen Konflikt zwischen dem "free flow of information und dem kulturellen Recht des Autors auf geistiges Eigentum". Die Politik, so Honnefelder, sei für dieses Problem mittlerweile höchst sensibilisiert.

Das Jahr 2010 startete im Übrigen mit einem Minus von einem knappen Prozent. Ob das aufzuholen ist, wird man erst nach Weihnachten wissen.

Autor:  Christoph Schröder
Datum:  25 | 6 | 2010
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