Charlie Mariano ist der einzige Jazzmusiker, der zwei gänzlich voneinander getrennte Karrieren gemacht hat. Seine außergewöhnliche Popularität rührt wohl nicht zuletzt daher, dass er seit den siebziger Jahren in den Bands der damals noch jungen Avantgarde als schon angegrauter Lockenkopf mitspielte und exotische Instrumente im Gepäck hatte. Jetzt ist der am 12. November 1923 in Boston geborene Carmine Ugo, genannt Charlie, Mariano in seiner Kölner Wahlheimat an seinem Krebsleiden gestorben.
Seine erste Karriere begann in den fünfziger Jahren, als gerade die Bebop-Revolution auf ihrem Höhepunkt angekommen war. Er spielte Saxofon mit Stan Kenton, Charlie Parker, Dizzie Gillespie, McCoy Tyner und Charles Mingus und gehörte also schon in jungen Jahren zu den Größen des internationalen Jazz.
In den frühen sechziger Jahren aber ging er nach Südindien. Er studierte klassische indische Musik und wurde ein anderer Musiker. Anfang der Siebziger zog er nicht in die USA zurück, sondern kam nach Europa. Sein Hauptinstrument war neben dem Altsaxofon das Nagaswaram geworden, und er spielte es unter anderem bei Pork Pie und der Rockband Embryo und gehörte zu dem populären United Jazz & Rock Ensemble.
Es schien fast, als habe Mariano mit dem Instrument auch die Generation gewechselt. Seine Freundlichkeit, seine Offenheit und Vielseitigkeit machten ihn zu einem gefragten Musiker, nicht nur im zeitgenössischen Jazz, sondern auch in den Bands von Herbert Grönemeyer oder Konstantin Wecker. So dass es viele Menschen gibt, die ihn jetzt schmerzlich vermissen werden. H.L.
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