Der kurze Weg nach Osten: Beim Gang über die Frankfurter Buchmesse wird man diesmal auf Schritt und Tritt dem Gastland begegnen, aber ebenso seinen Kritikern. Von Judith von Sternburg
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Freunde
Wie man sich streitet und zugleich sozusagen umarmt
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Deutsch-chinesische Flaggenpärchen stehen auf dieser Buchmesse, und es wird besonders viel fotografiert. Oft Gruppenbilder von Vertragsabschlüssen, stets unter chinesischer Beteiligung. Manchmal ruft die Moderatorin "Ceremony is over", und schon rückt die nächste Gruppe an. In der Forumshalle des Gastlandes kann man einem Mann beim Handdrucken zuschauen. Damit die Kamera die Szene erfassen kann, soll er das bereits fertige Blatt noch einmal ablegen. "Lee it nau daun", sagt der Fotograf, und als der Mann zögert, sagt er: "Mist, der kann kein Englisch."
Derweil rügt nebenan der Sinologe Wolfgang Kubin, bekannt für seine Kritik an Chinas Gegenwartsliteratur, dass chinesische Schriftsteller ab Jahrgang 1949 meist keine einzige Fremdsprache beherrschen. Seine Gesprächspartner reden erst über etwas anderes, dann sagt der Schriftsteller Bi Feiyu: "Wir sagen, wir jagen nach einem Reh. Wir sagen nicht, dass wir Krieg führen. Wir haben einen eigenen Code. Herr Kubin ist ein typischer Deutscher." In China bräuchte er Polizeischutz, sagt Bi. Ist das ein Witz?
Dabei kann mehr Stoff durchaus reizvoll sein, wie diese chinesischen Hostessen beweisen.
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...auch wenn die Choreografie noch nicht ganz stimmt.
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Architektonisch ist dafür alles ganz gezielt und auf Größe konzipiert: der Saal des asiatischen Ehrengastes.
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Maßgeblich dafür verantwortlich ist dieser Mann, der Kuenstler Li Liwei.
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Und Damen wie diese füllen den Saal schließlich mit Leben: Traditionell gekleidet und geschminkt präsentieren Chinesinnen die Bräuche ihres Landes.
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Ebensolches ist auch Ziel dieses Herrn. Nur ein bisschen lebhafter und farbenfroher.
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Für kämpferische Aktionen ist dagegen dieser Chinese zuständig.
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Und da China auch seine ruhigeren Traditionen sehr wichtig sind, zeigen diese Figuren überliefertes Handwerk: So sollen früher mit Schriftzeichen gearbeitet worden sein.
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Doch auch die moderne Seite der Volksrepublik hat ihren Platz. Digitale Bücher und Veröffentlichungen im Internet bewegen die Verlage immer stärker. Weltweit.
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Ob das E-Book herkömmliche Bücher aber jemals vollständig ersetzen wird, kann auch auf der Buchmesse nicht beantwortet werden. Dafür sind hier die schönsten Modelle zu sehen (und zu testen).
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Und für die richtige Themen-Kombination zählt Kochen ebenfalls zu den Schwerpunkten der 61. Buchmesse. Am Stand des britischen Phaidon-Verlages, wie auch und vor allem in der Gourmet Gallery.
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Da Tiere immer ziehen, dürfen auch sie auf der Messe nicht fehlen. Ihre unschlagbaren Attribute: kuschelig, fotogen und gerne in Leinwandgröße.
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Der Andrang jedenfalls scheint das (optische) Konzept der Buchmesse zu bestätigen. Insgesamt werden über 300.00 Besucher in diesem Jahr erwartet.
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Bestimmt auch, weil sich hochkarätige Gäste angekündigt haben. Schon am Mittwoch sehr gefragt ist Autor und Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki. Umringt von Kameraleuten und Journalisten verlässt er hier einen Konferenzsaal.
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Ebenso bekannt und immer wieder gut für Aufregung: Der Autor und Enthüllungsjournalist Günter Wallraff. Er stellt in Frankfurt seinen aktuellen Titel "Aus der schönen neuen Welt - Expeditionen ins Landesinnere" vor.
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Unbestritten einer der Ehrengäste ist Leopold Engleitner, der mit 104 Jahren als ältester KZ-Überlebender gilt. Er präsentiert das Buch "Ungebrochener Wille", in dem sein Leben und sein Leiden während der Nazi-Diktatur beschrieben werden.
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Und selbstverständlich geben sich auch höchste Häupter beider Länder die Ehre. Hier bereiten sich der stellvertretende Staatspräsident der Volksrepublik China, Xi Jinping, und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf die Eröffnungsfeier vor.
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Eine Eröffnung, die nicht ganz harmonisch bleibt: ""Wo ist Liu Xiaobo?" steht auf dem Blatt, das ein Besucher während der Rede des chinesischen Vizepräsident Xi Jinping in die Runde hält. Der bekannte chinesische Dissident Liu Xiaobo wurde in diesem Jahr verhaftet.
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Bei so viel Aufregung und (Politik-) Prominenz will auch der Altbundeskanzler nicht fehlen. Gut gelaunt präsentiert sich Gerhard Schröder am Stand des Vorwärts-Verlags.
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Schließlich ist er auch mit Buch vertreten. Vereint mit Merkel und Napoleon ziert seine Biografie das Regal des Gemeinschaftsstandes der chinesischen Verlage.
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Getreu dem Motto: "Bücher sind wie gute Freunde". Und dafür steht auch Mirja Dumont, die mit ihrem Gatten den Titel "Unsere tägliche Krise gib uns heute: Eine witzige Soforthilfe für den Beziehungswahnsinn" geschrieben hat.
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