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"Let's Make Money": Das Schauerstück zur Bankenkrise

Gemächlich ächzt die Zahnradbahn den Pilgerberg hinauf und macht im Vorhof der globalen Wirtschaftskrise halt. Vor sechzig Jahren gründete der Wirtschaftstheoretiker Friedrich August von Hayek auf diesem Gipfel die Gesellschaft des Mont Pelerin und entwickelte dabei die Idee des neoliberalen Marktes. Seit Ronald Reagan beherrscht diese die Welt und ist, folgt man Erwin Wagenhofers Dokumentarfilm "Let's Make Money", ein Grundübel, das es auszurotten gilt. Hayeks Verschwörung ist praktisch an allem Schuld: An der Ausbeutung der Entwicklungsländer, am immer größer werdenden Gegensatz von Arm und Reich, an der Naturzerstörung und selbst am amerikanischen Einmarsch in den Irak. Wie schon in "We Feed the World", einer furchtlosen Erkundung der modernen Lebensmittelindustrie, hat Wagenhofer eindrucksvolle Beispiele für seine These gesammelt und etliche Kronzeugen der Anklage aufgetan. Trotzdem dürfte auch ihn überraschen, dass er mit seinem Film derzeit offene Türen einrennt. "Let's Make Money" kommt genau im richtigen Moment, es ist das Schauerstück, das uns zur Illustration der Bankenkrise noch gefehlt hat.

Ein bisschen Heuschrecke

Als Wirtschaftslaie tappt man ja derzeit ständig im Dunkeln. Wer hat schon eine konkrete Vorstellung davon, was in einer Steueroase geschieht oder wie eine Immobilienblase aussieht? Bei diesen Fragen schafft Wagenhofer Abhilfe, indem er buchstäblich in den Wüstensand gesetzte Hotelkomplexe und Wohnsiedlungen mit der Kamera überfliegt, den Finanzminister der Schwarzgeldzuflucht Jersey bei einer Ortsbesichtigung begleitet oder einen ehemaligen "Hitman" der Weltbank vom alltäglichen schmutzigen Geschäft der Kreditvergabe berichten lässt.

Mit eigenen Kommentaren hält sich Wagenhofer dabei konsequent zurück, macht seine Gesprächspartner aber schon mal in wenig zimperlicher Michael- Moore-Manier zu seinem Sprachrohr. Trotz cleverer Montage und suggestiver Bilder greift Wagenhofers Analyse zudem häufiger etwas zu kurz. Vielleicht, weil er selbst ein bisschen Heuschrecke ist: Sobald ein Motiv ästhetisch abgegrast erscheint, kommt auch schon das nächste an die Reihe.

Let's Make Money, Regie: Erwin Wagenhofer, Österreich 2008, 110 Minuten.

Autor:  MICHAEL KOHLER
Datum:  30 | 10 | 2008
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