Langsam wird’s peinlich für die Politiker in Schwerin. 50.000 Menschen haben zum Jahresende in Mecklenburg-Vorpommern eine Volksinitiative unterschrieben, die den Landtag zwingen soll, Theater und Orchester stärker zu unterstützen als bisher. Beide Institutionen seien notwendig für die Stadtkultur; wer kein Theater in der Stadt mehr hat, muss mit noch mehr Abwanderung, Niedergang und auch Rechtsradikalismus rechnen, heißt es.
Staatstheater vor der Insolvenz
Mitte der 1990er-Jahre hat das Land seine Zuschüsse für Theater und Orchester bei jährlich 35,8 Millionen Euro eingefroren. Die Regierung meint, mehr könne sich der arme Flächenstaat nicht leisten. Selbst das von der Hauptstadt getragene Mecklenburgische Staatstheater Schwerin steht vor der Insolvenz. Das Geld reicht offenkundig nicht. Inzwischen wird auch in Rostock um das Dreispartentheater gezittert.
Am Sonntag wird in Rostock der neue Oberbürgermeister gewählt, und der als Parteiloser ins Rennen gehende Amtsinhaber Roland Methling ist Favorit vor Bürgerschaftspräsidentin Karina Jens von der CDU. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 11,7 Prozent, 2005, als Methling erstmals gewählt wurde, waren es 20,5 Prozent.
Geputzt bis zur Nettigkeit
Die Plattenbauviertel sind geputzt bis zur Nettigkeit, das Straßenbahnnetz wurde ausgebaut, Schulen und Turnhallen stehen oft schon vor ihrer zweiten Totalsanierung seit 1990. Dank Kreuzfahrtreisenden und Kurzzeiturlaubern brummt die Shopping-Industrie, die Universität gedeiht.
Doch dann steht man vor dem großen Zelt am Rand eines aufgelassenen Werften- und Industriegebiets. Hier residiert seit fast einem Jahr das Rostocker Volkstheater. Manchmal passen die Feuerwehrsirenen perfekt in die Inszenierung. Das Zelt macht klar: Es muss Schluss sein mit der über Jahrzehnte andauernden Verschleppung der Rostocker Theaterfrage.
Theater als Tourismusmagnet
1944 war das alte Stadttheater zerstört worden, seitdem wird über einen Neubau debattiert. Selbst der Geldsegen nach 1990 reichte nicht, um eine Entscheidung voranzutreiben. Im Februar 2011 wurde das 1947 in einem einstigen Festsaal eingerichtete „Große Haus“ von der Baupolizei geschlossen. Aber selbst die Frage, ob Rostock überhaupt ein eigenständiges Stadttheater mit Theater, Oper, Operette und Musical, Tanz und Orchesterbetrieb will, ist umstritten.
Roland Methling sagt: „Wenn das Land die Verantwortung für die vier Orchester in Mecklenburg-Vorpommern übernimmt, fände ich das hervorragend.“ Er interessiert sich für das Theater vor allem als Tourismusmagnet. Auch in Schwerin wird über solche Spar-Ideen debattiert, etwa darüber, dass nur noch ein Orchester das dortige Staatstheater und das Volkstheater in Rostock gemeinsam bespielen soll.
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