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Der F-Skala-Fragebogen: Persönlichkeit unter der Lupe

Sozialwissenschaftliche Skalen erfüllen eine schwierige Aufgabe. Sie messen meist unbeobachtbare, latente Sachverhalte - Persönlichkeitsstrukturen kann man eben nicht sehen. Von Jörn Pyhel

Jörn Pyhel ist Soziologe bei dem Markt- und Sozialforschungsunternehmen curth & roth.
Jörn Pyhel ist Soziologe bei dem Markt- und Sozialforschungsunternehmen curth & roth.
Foto: privat

Sozialwissenschaftliche Skalen erfüllen eine schwierige Aufgabe. Sie messen meist unbeobachtbare, sogenannte latente Sachverhalte - Persönlichkeitsstrukturen kann man eben nicht sehen. Und wenn es dann noch um sozial unerwünschte Sachverhalte wie Fremdenfeindlichkeit oder die individuelle Anfälligkeit für Faschismus geht, muss der Forscher auch noch Menschen dazu bringen, über ihre "dunklen Seiten" Auskunft zu geben.

Die F-Skala misst die Faschismusanfälligkeit deshalb indirekt. Sie geht den Umweg über die Persönlichkeitsstrukturen, um Menschen nicht direkt nach ihren faschistischen Einstellungen fragen zu müssen. Dieses Verfahren erfordert den Beweis, dass man mit der Skala tatsächlich misst, was gemessen werden soll. Die Autoren der F-Skala haben hier sorgfältig gearbeitet.

Die Fragen

29 Komplexe umfasst der Fragebogen zur F-Skala. Der Befragte muss auf einer sechsstufigen Skala entscheiden, ob er einer Aussage "überhaupt nicht" oder "voll und ganz" zustimmt.

Die Antworten geben indirekt Auskunft über die Disposition eines Charakters, also die Veranlagung bzw. Prägung eines Menschen. Die Soziologie erhofft sich ehrlichere Aussagen, wenn der Befragte seine Antwort nicht auf ihre gesellschaftliche Bewertung hin prüft und anpasst, sondern sich spontan äußert.

Wer beispielsweise der Aussage zustimmt, "wenn die Menschen weniger reden und mehr arbeiten würden, könnte es uns allen besser gehen", der zeigt Vorbehalte gegen Intellektualität. Oder wer findet, "wichtige Lehren muss man stets mit Leiden bezahlen", der muss als autoritär unterwürfig gelten. Und wer sagt: "Vertraulichkeit erzeugt Geringschätzung" oder: "Es wird immer Kriege und Konflikte geben, die Menschen sind nun einmal so", der gibt sich als zynisch-destruktiv zu erkennen. mk

Darüber hinaus gibt es eine ganze Reihe statistischer Gütekriterien. So sollen Skalen den interessierenden Messbereich möglichst gleichmäßig abdecken. Ein Thermometer zur Messung der Raumtemperatur macht auch nur Sinn, wenn es von zehn bis 30 Grad misst und nicht von minus 30 bis 100 Grad oder von 17 bis 20 Grad. Hier genügt die F-Skala wissenschaftlichen Ansprüchen nicht. So antworteten die FR-Leser auf viele zu testende Aussagen (Items) meist mit extremen Antworten ("stimme gar nicht zu"). Die betroffenen Items erfassen die Abstufungen also nicht genügend.

Darüber hinaus soll sichergestellt werden, dass eine Skala nicht mehrere Dinge zugleich misst, weil man sonst nicht eindeutig wissen kann, was gerade gemessen wird. Die Entwickler der F-Skala lösten dieses Problem, indem sie neun voneinander abgegrenzte Dimensionen des autoritären Charakters annahmen und danach theoretisch begründete Aussagen (Items) formulierten und ihnen zuordneten.

Dieses Verfahren ist überholt. Heute werden zuerst Items formuliert, anschließend die Anzahl an Dimensionen berechnet und ihnen schließlich die Items statistisch zugeordnet. Eine Überprüfung der F-Skala mit den vorliegenden Daten kommt zu dem Ergebnis, dass die neun Dimensionen des autoritären Charakters tatsächlich stark miteinander korrelieren. Somit liegt der Verdacht nahe, dass sie nicht unabhängig voneinander erfasst werden.

Den Autoren der F-Skala kann man dies jedoch schwerlich vorwerfen. Sie hatten damals noch nicht die Hilfsmittel zur Verfügung, die heute zur Grundausstattung jedes Büros gehören. Erst mit leistungsfähigen Computern können Skalen heutiger Qualität entwickelt werden.

Ungeachtet ihrer methodischen Schwächen steht jedoch außer Frage, dass die F-Skala Persönlichkeitsmerkmale erfasst, die den Nährboden für faschistische Herrschaftsformen bilden. Sie gilt daher zu Recht als Meilenstein der modernen empirischen Sozialforschung.

Autor:  Jörn Pyhel
Datum:  24 | 9 | 2009
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