Wie in einem Teil der gestrigen Auflage bereits gemeldet, wird die so genannte Schmidtstraße, Außenspielstätte des Schauspiels Frankfurt, doch nicht geschlossen werden. Ein Zusammenschluss mehrerer Frankfurter Künstler und Institutionen und Geld vom "Kulturfonds frankfurt rheinmain" machen es möglich. Suhrkamp geht, die Schmidtstraße bleibt und wird ab jetzt Frankfurt LAB heißen. Für vier Jahre ist die Grundfinanzierung gesichert, wie der Kulturfonds am Dienstag beschlossen hat.
Die Schmidtstraße ist tot, es lebe das Frankfurt LAB. Die Idee ist so gut, dass man sich sofort fragt, warum sie überhaupt jemand haben musste. Warum es nicht ohnehin so gemacht wurde. Unter der Intendanz von Elisabeth Schweeger war die Halle zur Außenspielstätte ausgebaut worden, das unkonventionelle und erfolgreiche Programm machten Armin Petras und Florian Fiedler. Der neue Frankfurter Intendant Oliver Reese hatte trotzdem angekündigt, dass er das Haus am westlichen Frankfurter Stadtrand schließen wird.
Fünf Frankfurter Institutionen haben nun gesagt, sehr schön, dann machen wir eben dieses Haus zu unserem Theater: So bekommen William Forsythe und seine Company endlich in Frankfurt den Freiraum, den sie schon seit Langem vergeblich suchen. Endlich haben sie einen Ort, um Neues auszuprobieren, das sie dort dann auch zeigen können. Außerdem hat Forsythe hier den Raum gefunden, um sein Projekt Lernprojekt "Motion Bank" weiterzuentwicklen.
Der nächste Partner ist der Mousonturm. Er bekommt endlich eine Bühne mit einer passenden Größe für Gastspiele, 20 mal 20 Meter sind es statt der zehn mal zehn Meter, mit denen er bisher auskommen muss. Außerdem will der Mousonturm hier eine neue Tanzcompagnie gründen!
Die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst bekommt endlich einen Raum, in dem sich die Darstellende Kunst auch darstellen kann - in der Hochschule selbst gibt es nur einen Konzertsaal. Und sie kann hier mit der Forsythe Compagnie und dem vierten Partner, dem Ensemble Modern, kooperieren.
Das Ensemble Modern wird hier Produktionen zeigen, die sie in Frankfurt bisher nicht zeigen können, weil auch sie keinen Raum haben, der nicht ein klassischer Konzertraum ist. Vor allem will das Ensemble Modern die Arbeit an Produktionen aufnehmen, die mit Heiner Goebbels entstanden sind. Mit Goebbels ist der fünfte Partner genannt, die Hessische Theaterakademie, die jetzt endlich einen Proben- und Aufführungsraum in Frankfurt bekommt und in das Frankfurter Kulturleben integriert wird.
Das Frankfurt LAB wird also eine Arbeitsstätte für einige der besten Kräfte der Frankfurter Kultur sein. Sie alle hatten hier unglaublicher Weise, spätestens seit dem Ende des TAT, nie einen richtigen Ort. Das Allerschönste am Frankfurt LAB ist denn auch, dass die besten Traditionen der Stadt und ihrer Kultur, das Emanzipatorische, Eigenwillige, Experimentelle, das nicht an der Vergangenheit orientierte sondern in die Zukunft offene, das etwas Spröde und Intellektuelle, sich hier Platz schaffen. Das ist umso notwendiger, als sich die Stadt seit Jahren mit Macht in die kulturkonservative Richtung bewegt. Dagegen scheint, außer in der Schmidtstraße, zur Zeit kein Kraut gewachsen.
Das Frankfurt LAB wird nicht wie ein herkömmliches Theater funktionieren. Die Aufführungen, die gezeigt werden, sollen aus dem Arbeitsprozess entstehen und dann kurzfristig ins Programm gehoben werden. Es gibt keine aufwändige Spielplanplanung sondern einen offenen Ort für schnell Entschlossene. Schauen wir doch mal ob's heute abend in der Schmidtstraße was gibt!
Die vollständig als Theater ausgebaute Halle stand bereits kurz davor, an den TÜV Hessen oder ähnliche Einrichtungen vermietet zu werden. Was jetzt noch fehlt, sind lediglich eine Licht- und Tonanlage. Das Schauspiel Frankfurt wird die bestehende Anlage vollständig abziehen.
Erstaunlich ist, dass das neue Theater ganz ohne Geld der Stadt Frankfurt auskommt, die sich bisher an dem Projekt überhaupt nicht beteiligt. Dabei ist das Frankfurt LAB für diese Stadt wie maßgeschneidert. Da ist es umso verdienstvoller, dass sich der Kulturfonds frankfurt rheinmain kurzentschlossen in die Bresche geworfen hat.
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