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Donald Duck wird 75: Der glücklichste aller Pechvögel

Vor 75 Jahren erschien Donald Duck erstmals auf der Leinwand. In Europa ist er noch immer ein Star, doch sein US-Verlag bläst ihm das Licht aus. Ein Porträt von Christian Schlüter.

Ein Tausendsassa: Donald Duck.
Ein Tausendsassa: Donald Duck.
Foto: Disney

Donald Duck ist nicht länger erwünscht. Die bekannteste Ente der Welt wird der Heimat verwiesen. Im März dieses Jahres kündigte der US-Verlag Gemstone an, seinen Vertrag mit den Disney Studios nicht zu verlängern. Das zu Donalds 75. Geburtstag für den Juni angekündigte Buch "Donald Duck: 75 Unlucky Years" erscheint deswegen nicht mehr. Die Veröffentlichung einer Gesamtausgabe des legendären Enten-Zeichners Don Rosa wird ebenso wie die Heftreihe "Donald Duck Adventures" eingestellt. Die Vereinigten Staaten stehen kurz davor, einen ihrer größten Helden zu verlieren: den aufbrausenden Erpel aus Entenhausen, den unverdrossenen Nörgler und unverbesserlichen Tunichtgut, kurzum, die menschlichste aller Figuren aus dem Bestiarium Walt Disneys - eine Ente wie du und ich.

Sollte es das Ende einer langen und überaus erfolgreichen Karriere sein? Donald kommt aus bescheidenen Verhältnissen. Als offizielles Geburtsdatum des Erpels gilt sein Auftritt in dem Trickfilm "Die kluge kleine Henne" am 9. Juni 1934. Eine Nebenrolle, in der sich uns Donald bereits mit einer seiner herausragenden Charaktereigenschaften vorstellt, nämlich als um keine Ausflucht verlegener Faulpelz, der heftige Magenbeschwerden vorschützt, als er einer fleißigen Henne bei der Feldarbeit helfen soll, nach getaner Arbeit allerdings erwartet, an der reichen Ernte beteiligt zu werden. Die Henne aber erteilt ihm eine Lektion: Donald bekommt statt der erhofften Köstlichkeiten eine Flasche mit Rizinusöl. Damit zeigt sich bereits ein weiteres Charakteristikum - Donald der Verlierer.

Neue Bücher

"Leben eines Superstars", Sonderedition mit vier Bänden der Reihe "Lustiges Taschenbuch", darunter einige deutsche Erstveröffenllichungen, Egmont Ehapa, erhältlich im Ehapa-Shop (www.ehapa-shop.de), 27,80 Euro; Einzelexemplare am Kiosk.

"75 Jahre Donald Duck Superstar", Hardcover-Band mit Geschichten aus den verschiedenen Lebensphasen des Enterichs, Egmont Ehapa, 112 Seiten, 16 Euro.

"Stadtplan von Entenhausen", von Jürgen Wollina, Sonderheft 55 der Fan-Reihe "Der Donaldist"; nach 13 Jahren Forschungsarbeit und umfangreichem Quellenstudium präsentiert der Autor die Topographie des Duck’schen Heimatortes, erhältlich über Christian Pfeiler, Herforder Straße 195, 32120 Hiddenhausen, E-Mail: bestellung@donald.org.

Der Vollständigkeit halber erwähnt sei noch, dass Donalds erste urkundliche Erwähnung im Jahre 1931 liegt. Damals nämlich wird er in dem Disney-Buch "Die Abenteuer von Micky Maus" als einer der vielen in einer Scheune lebenden Freunde von Micky genannt. Eine bildliche Darstellung von Donald findet sich bereits 1932 in einem Micky-Maus-Jahrbuch, allerdings weist er hier noch keinerlei Ähnlichkeit mit der uns vertrauten Figur auf, sondern gleicht eher einem nach vorne gebeugt daherwatschelnden Enterich. Erst in der Geschichte von der weisen Henne erhält Donald sein bekanntes Matrosenkostüm, ein weißes Federkleid sowie einen gelben, hier noch etwas spitzen Schnabel. Der Zeichner Charles "Al" Taliaferro wird dem Erpel in den folgenden Jahren eine rundere, weniger tierische Gestalt geben.

Von Taliaferro stammen die ersten Donald-Comicstrips. Sie erscheinen zunächst in den Sonntagsausgaben amerikanischer Tageszeitungen. Der Beginn einer wunderbaren Karriere, und das, obwohl die Ente anfänglich nur eine vage Idee Disneys gewesen ist, der langweiligen, dafür beim Publikum sehr beliebten Spießermaus Micky eine vielschichtigere, eben interessantere Persönlichkeit gegenüberzustellen - Donald sollte das Geschäft beleben. Der Anstoß für die Realisierung dürfte indes eine Entdeckung Disneys gewesen sein: "Das ist die Stimme unserer Ente" sagte er, als er 1933 den Stimmenimitator Clarence "Ducky" Nash im Radio hörte. Ohne dessen markantes Geschnatter hätte Donald nie das Licht dieser Welt erblickt. Nash lieh dem Enterich über 50 Jahre lang in mehr als 120 Filmen seine quakende Stimme.

Sogar im Dienst des Vaterlandes

Dabei verliert Donald allmählich auch sein Image als cholerischer Nichtsnutz und stellt sich sogar in den Dienst des Vaterlandes. 1942 spielt er die Hauptrolle in "The New Spirit", einem vom Finanzministerium in Auftrag gegebenen Film, und versucht die amerikanischen Bürger zu überzeugen, ihre kriegswichtigen Steuern rechtzeitig zu bezahlen. Noch im selben Jahr tritt Donald dann in dem Propagandafilm "Der Fuehrer's Face" auf: In einem Alptraum findet er sich als Arbeiter einer Munitionsfabrik in Deutschland wieder; er hat kaum zu essen, jeden Morgen muss er zum Fabrikappell strammstehen und den militärischen Drill über sich ergehen lassen. Doch als Donald schweißnass erwacht, trägt er die Stars & Stripes als Schlafanzug und umarmt erleichtert die kleine Freiheitsstatue auf der Fensterbank…

Der unerschrockene Kampf im "Angesicht des Führers" gilt gerade wegen seiner ans Surreale grenzenden Bildschöpfungen als einer der besten Filme Donalds - so taucht Hitler einmal in Gestalt einer Granate auf, dann wieder lösen sich Gegenstände und Personen in flirrende Farbtableaus auf. 1942 gewinnt er den Oscar für den besten animierten Kurzfilm. Donald ist mittlerweile so beliebt und hat auch der Micky Maus längst den Rang abgelaufen, dass er als erste all-American Trickfilmfigur gelten darf: Donald, der Superstar. Und als tragende Figur ist er längst nicht mehr allein. Das Entenhausener Universum füllt sich: Erst kommen die naseweisen Neffen Tick, Trick und Track hinzu (1937), es folgen die etwas unzuverlässige Dauerverlobte Daisy (1940) und schließlich der geizige Fantastilliardär Onkel Dagobert (1947).

Damit beginnt für Donald endlich ein neues Zeitalter. Ab den 1940ern wird er nämlich von Carl Barks gezeichnet, der auch viele der Ideen und Storys liefert. Im Unterschied zu Taliaferros noch recht eindimensionaler, vor allem auf die negativen Charaktereigenschaften beschränkten Figur Donalds erweitert Barks das Spektrum ganz erheblich. Nicht nur erfindet er neben Onkel Dagobert auch den genialen Erfinder Daniel Düsentrieb, den unerträglichen Glückspilz Gustav Gans und die ebenso gerissenen wie etwas blöden Panzerknacker, sondern er befreit Donald vom Ruf des ewigen Losers. Der Enterich wird zum Stehaufmännchen, das sich trotz einiger Rückschläge nicht unterkriegen lässt, Donald wird nicht länger nur vom Pech verfolgt, sondern darf auch einmal Glück haben. Er wird milder und zufriedener - mit gelegentlichen Ausrastern.

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Datum:  7 | 6 | 2009
Seiten:  1 2
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