Rock'n'Roll war schon allerhand. Eine Bedrohung für die Zivilisation und eine Gefahr für die geistige Gesundheit, eine stumpfsinnige Sinnlosigkeit oder einfach gute Unterhaltung, erbärmlich peinlich und einige Male auch schon mausetot. Hin und wieder war Rock'n'Roll in seiner langen Geschichte auch mal lustig, aber viel zu selten. Deshalb muss man dankbar sein, dass es die Eagles of Death Metal gibt. Denn das kalifornische Duo ist auch auf seinem neuen Album "Heart On" mal wieder alles, was Rock'n'Roll sein kann - und außerdem auch noch witzig.
Dazu allerdings musste einer der grimmigsten Hüter der internationalen Rockernsthaftigkeit sich seiner Kindheit erinnern. Josh Homme, Mastermind der als Retter des Rock gefeierten Queens of the Stone Age, legte seine Gitarre beiseite, setzte sich hinters Schlagzeug und tat sich mit Jesse Hughes, seinem Sandkastenkumpel aus Palm Desert, zusammen, um ganz viele Zigaretten zu rauchen und diese verflixte Sache mit dem Rock'n'Roll mal etwas lockerer anzugehen. Unter dem absichtsvoll blödsinnigen Projektnamen Eagles of Death und mit ständig wechselnder Unterstützung prominenter Freunde von Foo-Fighters-Frontmann Dave Grohl bis Komiker Jack Black entstanden dann zwei Alben, die jedes verfügbare Rock-Klischee sezierten, übertrieben und als Karikatur wieder ausspuckten.
Geplagt waren diese beiden ersten Platten allerdings von bisweilen uferlosen Studiospielereien, Insider-Scherzen und einigen Defiziten im Songwriting. Von diesen Kinderkrankheiten zeigen sich der überzeugte Schnurrbartträger Hughes und sein Sidekick Homme bei der dritten Auflage vollständig geheilt. Auch auf "Heart On" wird immer noch im Fundus gestöbert und dann klassische Stereotypen bearbeitet: "Secret Plan" ist ein flotter Boogie und "Solo Flights", ein Hohelied auf die Masturbation, plumper Glam Rock. "Now I'm A Fool" flirrt wie eine West-Coast-Ballade aus den Sixties und "Tight Pants" rekapituliert die Rolling Stones lange vor deren Musealisierung.
Aber im Gegensatz zu früher werden diese Vorlagen nun nur mehr durch leichte Verschiebungen konterkariert. In "Cheap Thrills" hintertreibt ein demonstrativ gelangweilter Background-Chor die selbstbewusst knarzenden Gitarren, in "Wannabe In L.A." wird die fröhliche Grundstimmung durch hysterisches Synthie-Gepiepse ausgebremst. Selbst ein Song mit dem seltsamen Titel "How Can A Man With So Many Friends Feel So Alone" betreibt relativ ernsthaft die Ehrenrettung von Led Zeppelin, ohne allerdings das dann unverzichtbar selbstgefällige Gitarrensolo auszusparen.
Doch "Heart On" ist, vielleicht weil Hughes und Homme diesmal weitgehend auf Gastbeiträge verzichtet haben, mehr geworden als nur eine Sammlung von einigen Hommagen und vielen offensichtlich schlecht versteckten Hinweisen auf die Rockgeschichte. Statt sich aufs Zitieren beschränken, haben die beiden diesmal vor allem gute Songs geschrieben und die auch noch konzentriert produziert.
So endet das Album, nachdem mit "I'm Your Torpedo" zur allgemeinen Belustigung und unterstützt von einem verführerischen Slide-Gitarren-Riff noch einmal stumpfer Sexismus nachgestellt wurde, mit einem Pfeifen, das zuerst selbstbewusst klingt wie aus einem Bauarbeitermund zur Mittagspausenzeit, dann zerbrechlich wird und sich schließlich endgültig verliert, im Walde vielleicht. "Heart On" ist sicherlich ein Abgesang, allerdings ein ungemein amüsanter.
Eagles of Death Metal: "Heart On". Downtown/Coop Music/ Universal.
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