Er ist ein Schauspieler des modernen Theaters: nachdenklich, kritisch (auch mit sich selbst), risikobereit und offen für neue Formen, von heftiger Leidenschaftlichkeit, dabei aber immer diszipliniert und gefasst, so dass man oft hat denken müssen, es werde ihn gleich zerreißen. Ein starker Typ. "Wie finden wir mit dem Theater heraus aus öder Ratlosigkeit?" - seine Frage und sein Programm.
Edgar M. Böhlke war zwischen 1972 und 1988 ein Protagonist des Frankfurter Theaters der Intendanz von Peter Palitzsch und Hans Neuenfels. Er spielte in jenen Jahren den Bruder Eichmann in Kipphardts gleichnamigen Stück, den Hausmeister Pinters, den Edgar in Strindbergs "Totentanz", Shakespeares tragisch-komischen Malvolio, den Reichen Juden in Fassbinders "Der Müll, der Tod und die Stadt".
Sein Barbar Thoas in Goethes "Iphigenie", Hans Neuenfels´ letzter Frankfurter Schauspiel-Inszenierung im Jahr 1980, war eine berührende Glanztat. "Thoas", so Böhlke über diese Rolle, "ist meine Sehnsucht, die Sehnsucht des kaputt zivilisierten Mannes nach der alten magischen Welt der Mythen und Riten".
Geboren im schlesischen Lauban (der Heimatstadt Arno Schmidts), studierte Edgar Böhlke nach dem Abitur in Gunzenhausen zunächst Theologie und Germanistik in Tübingen und München, ließ sich dann aber zum Schauspieler ausbilden. 1967 engagierte ihn Arno Wüstenhöfer an die Wuppertaler Bühnen, und mit dem Regisseur Peter Löscher entwickelte sich dort ein über viele Jahre produktiver Arbeitskontakt.
Die frühen Erfahrungen mit dem experimentellen Theater von Löscher und später von Neuenfels hat Böhlke in Frankfurt als Ensemble-und Rollenlehrer an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst an die jungen Schauspieler weitergegeben. Er war die zentrale Stütze der Schauspielabteilung der Hochschule.
Seit 2006 gehört Böhlke dem Mannheimer Ensemble Burkhard Kosminiskis an. Seine Darstellungen von Ibsens Baumeister Solness und Goethes Faust zeigten den Schauspieler auf der Höhe seiner Kunst.
Heute wird Edgar M. Böhlke 70 Jahre alt. Morgen hat er in der dreifach besetzten Titelrolle von Ibsens "Peer Gynt" in Mannheim Premiere als der alte Peer - ein verlangend Suchender immer noch.
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