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15. März 2012

Elektronische Bücher: Die E-Book-Revolution

Jo Lendle, Peter Haag und Michael Krüger (von l.). 

In den USA nimmt der Verkauf von digitaler Literatur rasant zu, während die gedruckten Bücher an Boden verlieren. Auch in Deutschland steigen die Zuwachsraten für E-Books. Ein Streitgespräch zwischen den Verlegern Peter Haag, Michael Krüger und Jo Lendle über die Zukunft der Literatur, digitale Bibliotheken und die elektronische Hölle.

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MK: Der entscheidende Punkt ist: Wir brauchen so schnell wie möglich ein waschechtes Urhebergesetz. Wenn sich die Gesellschaft darauf verständigt, dass eine sogenannte geistige Leistung einen Wert hat und dass der Urheber dieser Leistung Anspruch auf Vergütung dieses Werts hat, dann muss sie Regeln dafür aufstellen und deren Befolgung durchsetzen. Das passiert aber nicht.

JL: Die Naivität großer Teile der vermeintlich so aufgeklärten „Netzgemeinde“ ist schon verblüffend. Das zeigt die Diskussion um „Acta“, das internationale Abkommen zum Schutz von Urheberrechten. Um des leichteren Zugangs zu Inhalten im Netz sind offenbar viele bereit, Grundprinzipien wie das der Autorenschaft preiszugeben.

PH: Was da stattfindet, ist eine beispiellose Enteignung. In rohstoffarmen Ländern wie unseren ist die geistige Produktion doch eine entscheidende Ressource, deren Gebrauch wir schützen müssen.

Jedes Prozent an Wählerstimmen, das die Piratenpartei hinzugewinnt, treibt Ihren Blutdruck in die Höhe?

MK: In ein Parteiprogramm zu schreiben, das Netz sei Motor und Vollender einer freien Gesellschaft – nichts ist leichter als das. Aber es ist Unfug. Das Schleifen des Urheberrechts macht jedenfalls keinen freien Menschen aus mir.

PH: Ich möchte mal wissen, was diese Leute für eine Vorstellung davon haben, wie ein Mehrwert erarbeitet wird. Klar, unsere Autoren oder Sie beide als Journalisten, Sie können in Zukunft alle kostenlos schreiben. Aber wer zahlt dann Ihre Miete? Also, das ist die blanke Heuchelei.

JL: Eine spanische Bestseller-Autorin hat mir unlängst gesagt, ihre Bücher würden so oft raubkopiert, dass sie das Schreiben dran gibt. Es lohne sich einfach nicht mehr.

MK: Und was macht sie dann jetzt?

Die Frage müssen Sie sich als Verleger ja vielleicht auch bald stellen.

MK: Vorher verlange ich aber, Raubkopien zu ahnden. Wir können heute nicht mehr so gnädig sein wie in den 60er Jahren. Da liefen in Berlin auch an jeder Ecke Leute rum, die Raubdrucke von Bestsellern angeboten haben, Arno Schmidts Roman „Zettel„s Traum“ und wie sie alle hießen. Es sollen sogar Bücher aus dem Hanser Verlag dabei gewesen sein. Aber die Menge dieser Raubdrucke war überschaubar, und die Sache ging vorüber. Im digitalen Zeitalter ist das anders. Darum müssen wir klarmachen: Raubkopierer sind Rechtsbrecher. Und die Musikindustrie ist da für mich weder Abschreckung noch Vorbild oder sonst irgendwas. Es mag stimmen, dass wir die illegalen Downloads nicht lückenlos verfolgen und sanktionieren können. Aber die „Normativität des Faktischen“ darf nicht Maßstab für Gesetze werden. Sonst geht auch der letzte Rest an Unrechtsbewusstsein verloren.

PH: Ich finde es völlig richtig, die Netzportale in Haftung zu nehmen. Wenn auf Youtube etwas illegal angeboten wird, dann muss man Youtube dafür belangen können. Und es ist doch doof zu sagen, man könne die Quellen nicht verfolgen. Wenn man irgendwo an die Quellen herankommt, dann im Netz.

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