Wat denn? Det is ja knorke. Nicht nur Berlin importiert Kultur aus Frankfurt - umgekehrt geht es auch. Subkultur, um genauer zu sein, und siehe da: Es funktioniert. Was nicht unbedingt zu erwarten ist, hat doch unsere schöne und hippe Hauptstadt hin und wieder einen etwas eigenwilligen Begriff von Kunst im Allgemeinen und Komik im Besonderen. Wenn der exportiert wird in ganz normale Städte, kann das schnell peinlich werden. Man denke nur an die beiden seltsamen Bunnies, die kürzlich im Mousonturm auftraten und in Berlin angeblich über eine große Anhängerschaft verfügen.
Nun jedenfalls waren Jochen Schmidt und Volker Strübing in Frankfurt, beide Mitglieder der "Chaussee der Enthusiasten", einer Autorengruppe, die bereits seit knapp zehn Jahren wöchentlich in Berlin ihre Texte öffentlich vorträgt. "Die schönsten Schriftsteller Berlins" (so die Eigenbeschreibung) traten auf der Mörfelder Landstraße im Raum 121 auf, einem im vergangenen Jahr von Kulturschaffenden aus dem Rhein-Main-Gebiet gegründeten und vom Kulturamt der Stadt Frankfurt unterstützten Verein, in dem Ausstellungen, Lesungen und Konzerte außerhalb des Mainstream einen Platz finden sollen. Für das Literaturprogramm zeichnet Silke Hartmann, zuvor Mitarbeiterin im Literaturhaus, verantwortlich.
Schmidt, der bei den Klagenfurter Tagen der deutschsprachigen Literatur im Jahr 2007 einen wunderbaren und leider unbelohnten Auftritt hingelegt hatte, und Strübing bilden ein ungemein witziges Duo, was bereits im improvisierten Dialog zu Beginn deutlich wurde. Strübing, deutscher Meister im Poetry Slam des Jahres 2005, las seine Texte in rasender Geschwindigkeit. Es geht um einen ruhigen Sonntag mit Kaffee, klassischer Musik, Horrorfilmen und Kindertotenliedern; um Beziehungsgespräche, oder - ganz grandios im Vortrag - um ein unfreiwillig mitgehörtes Gespräch im Zug.
Schmidt gibt in Sachen Geschwindigkeit den Kontrapunkt, ohne dabei weniger lustig zu sein. "Meine wichtigsten Körperfunktionen" heißt eines seiner Bücher; der Text über die Ängstlichkeit, der gängige Eltern-Horrorszenarien auflistet (im Winter an kaltem Metall lecken und mit der Zunge festkleben, mit der Taschenlampe unter der Bettdecke lesen), war wohl der Höhepunkt des Abends.
"Ich wollte euch in der Pause gerne anfassen, habe mich aber nicht getraut", schrieb eine Frau (?) den beiden Autoren in ihr Gästebuch (ein altes Schulheft aus DDR-Zeiten). So hört sich eine Versöhnung zwischen Berlin und Frankfurt an.
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