Athen. Mit der Eröffnung des neuen Akropolis Museums in Athen am Samstag verstärkt Griechenland den Druck auf die Briten für die Rückgabe der fehlenden Friesteile. Denn mit dem Museum ist eins der bisher stärksten Argumente der Briten, in Athen gebe es keinen geeigneten Ort für die Ausstellung der Friesteile, gefallen.
Das neue Gebäude, das Hunderte von alten Kostbarkeiten beherbergt, ist nach übereinstimmenden Schätzungen von Experten ein Beispiel moderner Baukunst. Das Licht des Mittelmeeres scheint auf die Ausstellungstücke und gibt ihnen zu jeder Tageszeit einen anderen Charakter, heißt es in vielen Kommentaren.
Das spektakuläre hauptsächlich aus Glas und Stahl gebaute Akropolis Museum nur 300 Meter unterhalb der Akropolis wurde am Samstag mit einer emotional geladenen Feier eröffnet. Darin sind Hunderte Skulpturen, Kleinodien und Statuen aus der archaischen und klassischen griechischen Antike von unschätzbarem Wert ausgestellt. 56 Friesteile aus dem wichtigsten Tempel auf der Akropolis, dem Parthenon (Jungfrauengemach) fehlen jedoch - die Briten weigern sich bislang, die Teile zurückzugeben.
"Es ist die Stunde gekommen, für die Heilung der Wunden des Monumentes mit der Rückkehr der Marmorteile, die ihm gehören", sagte der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias bei der Eröffnung. Im Dritten Stock des Museums werden im hellen Licht des Mittelmeeres der Fries und die Metopen des Partheneon ausgestellt.
Bei Betreten des Saales bleibt der Besucher in der Regel stehen: Die Akropolis ist zum Greifen nah. Die Friesteile sind fast in Augenhöhe. Die fehlenden Teile werden als helle Duplikate präsentiert. Damit fallen sie inmitten der echten, die bräunlich sind, unangenehm auf.
Ein britischer Diplomat hatte Anfang des 19. Jahrhunderts die am besten erhaltenen Teile des Parthenons und anderer Denkmäler der Akropolis demontiert und nach England gebracht. Die Griechen zeigten sich nicht nur gefühlvoll, sondern auch verhandlungswillig.
Der Athener Kulturminister Antonis Samaras machte den Briten ein konkretes Angebot. "Wir sind bereit zu reden. Wir können uns einigen. Wir sind bereit das Vakuum zu füllen, was sich nach der Rückgabe der Friesteile ergeben wird", sagte er. Athen sei bereit, hochwertige Ausstellungsstücke aus der Antike als Leihgabe ins Britische Museum zur Ausstellung zu schicken.
Der griechische Kulturminister zeigte sich überzeugt davon, dass so oder so am Ende die fehlenden Teile nach Athen zurückkehren werden. Er wiederholte den Satz, den die 1994 verstorbene ehemalige griechische Star- Kulturministerin und Schauspielerin ("Sonntags nie"), Melina Merkouri, immer wieder sagte: "Sie (die Freisteile) werden zurückkommen."
Die Griechen setzen nunmehr auch auf den Druck der einfachen Besucher des Museums. "Wir haben Geduld. Es sind die tausenden Besucher, die entscheiden werden, ob die fehlenden Teile zurückgegeben werden müssen", sagte der Direktor der Akropolis, Alexandros Mantin, der Deutschen Presse-Agentur dpa.
Die Griechen hoffen damit auch auf die internationale öffentliche Meinung. Umfragen zeigen, dass sogar in Großbritannien 68 Prozent der befragten Bürger für eine Rückgabe plädieren. In vielen Ländern, darunter auch in Deutschland, haben sich Vereine zur Unterstützung der Bewegung der Rückgabe gebildet.
Die Griechen blieben jedoch sachlich. Nur rund 15 Menschen gingen vor der Akropolis am Samstagabend mit Plakaten auf die Straße und forderten die Rückgabe der Friesteile "hier und jetzt". Die Unesco bot an, im Streit zu vermitteln. "Wir sind bereit, für eine befriedigende Lösung zu helfen", sagte Unesco-Generaldirektor Koichiro Matsuura in Athen.
Die Feier ging am Samstagabend mit einer emotionalen Show zu Ende: Dutzende Figuren aus dem Fries des Parthenon und von Statuen wurden mit Laserstrahlen auf die umliegenden Gebäude projiziert. Jünglinge und Koren (Mädchen) aus der archaischen Antike lebten wieder auf und zwinkerten mit den Augen dem Zuschauern zu. Laserstrahl-Vögel flogen elegant rund um das neue Museum. Löwen und Tiger drehten Runden auf den Wänden der Nachbarschaft.
Hunderte Einwohner der Region verfolgten fasziniert die Feier auf ihren Balkonen. "Ich bin verzaubert. Ich wünsche, dass jeder Mensch einmal dieses Erlebnis hier in der Wiege der Demokratie erleben kann", sagte ein pensionierter Archäologe, der von einer Terrasse das Spektakel verfolgte. Die Tickets kosten bis zum Jahresende nur einen Euro. Auch danach muss man für den Eintritt in die Akropolis-Wunderwelt nur fünf Euro bezahlen.
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